Wenn eine Band wie Led Zeppelin ihre Reunion ankündigt, darf der eine oder andere Musikfreund schon mal aus dem Häuschen sein. Wenn aber ganz viele Fans erwartungsvoll vibrieren und sich die Vorfreude zum flächendeckenden Glückszustand auswächst, dann muß es einen geben, der dagegen ist. Dieser Eine ist mit Sicherheit Redakteur bei der taz.
Im berüchtigten Schwiemelschwurbel der taz, deren Stil sich immer stärker Alice Schwarzers gedruckten Häkeldeckchen nähert, formuliert ein Herr namens Tobias Rapp sein Entsetzen über den Sexismus in Led Zeppelins Texten.
Holla! Sexismus bei Led Zeppelin! Das ist aber neu! Und so aufregend! Wie sind denn heute die Butterpreise? Das ist ja auch so aufregend!
Rappi, wie ich den engagierten Kämpfer gegen Schmutz und Schund in deutschen Playern liebevoll nennen möchte, hörte die Best Of “Mothership” und wich entsetzt zurück: “Aufgebockter Höhlenmenschengroove”, “präorgiastische Euphorie”, “postkoitale Melancholie”. Dann packte er die ganz große und typisch deutsche Keule aus: “Wer von Sidos ‘Arschficksong’ redet, (sollte) von den Zeilen ‘I wanna be your backdoorman’ nicht schweigen.”
Um Backdoorman so fulminant zu mißdeuten, muß man schon einen gewaltigen Knacks im eigenen Ego haben. Ob Rappi seine verkorksten zwischenmenschlichen Beziehungen oder geheimen sexuellen Sehnsüchte auf Led Zeppelin projiziert? Steckt er in der Aufarbeitung seiner analen Phase? Wir werden es nie erfahren.
Der Artikel endet mit den prophetischen Worten: “Diese Musik funktioniert heute nur noch als Zitat oder Parodie. Man kann auch historischer Fortschritt dazu sagen.”
Nun ja. Es kam dann doch ein wenig anders.
TRIUMPH. TAUMEL. BEGEISTERUNG.
In äußerst seltener Eintracht glühten die Rezensenten, die Zeugen des Londoner Konzerts sein durften, für diesen Auftritt. Redakteure von SPoN, Stern, SZ, FR, Focus, Die Zeit, Die Welt, Berliner Zeitung, Tagesspiegel, NZZ, ARD und ZDF jubelten und schwärmten gänzlich ungeniert. Freude pur.
Ob sich Ruppi ob dieses sensationellen Comebacks vor die S-Bahn geworfen hat? Ach, wen interessiert’s …
Viel interessanter ist die Setlist von London:
Good Times Bad Times
Ramble On
Black Dog
In My Time Of Dying
For Your Life
Trampled Under Foot
Nobody’s Fault But Mine
No Quarter
Since I’ve Been Loving You
Dazed And Confused
Stairway To Heaven
The Song Remains The Same
Misty Mountain Hop
Kashmir
Whole Lotta Love
Rock And Roll
Total: 2 Stunden, 17 Minuten. Eine DVD ist zu erwarten. Bis dahin kann man sich mit diesen Fotos trösten.
Und vielleicht ringen sich Jimmy Page, Robert Plant und John Paul Jones doch noch dazu durch, ihre Werke so zu remastern, daß das Wort “Remaster” mehr ist als ein Marketing-Gag. Ihr Gesamtwerk ist ja überschaubar, und an den Finanzen sollte es wohl nicht scheitern. Seit ihrem epochalen Dreifachalbum “How The West Was Won” dürften sie wissen, wie ein nahezu perfektes Remaster klingen kann.
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