Malte Lehming gräbt sich in schwindelerregendem Tempo nach unten, durch die Kellerdecke und das Fundament, immer tiefer, bis zur Erdhöhle, in der Horst Mahler haust. Das ist wohl sein Ziel: Zum Horst Mahler des Gossenjournalismus’ zu werden. Darauf deuten seine Sottisen hin. Hysterisch waren sie schon immer. Jetzt werden sie nationalistischer.
Malte diagnostiziert eine Angststarre beim deutschen Wähler. Diese Diagnose stellt er ganz exklusiv, aber das gehört bei Malte ohnehin zum psychopathischen Normalzustand. Nur die säbelrasselnde Stahlhelm-Rotte der Achse der Blöden spendiert ihm noch Applaus.
Die angebliche deutsche Starre resümiert der Rechtspfosten des Tagesspiegels aus vier Wahlergebnissen:
Zuerst Schröders Wahlsieg 2002 in Verbindung mit dessen Versprechen, deutsche Truppen würden sich nicht an der Invasion der Bush-Regierung im Irak beteiligen:
“Gerhard Schröder schien bereits geschlagen. Seine Koalition hatte abgewirtschaftet. Dann aber rettete er sich durch eine fulminante Anti-Irakkriegs-Propaganda.”
Sowohl die Tatsache, daß ein Sozialdemokrat — wenn auch ein neoliberaler Satrap von Gnaden der deutschen Großindustrie — jenen Thron bestieg, der nach Lehmings Ansicht für den größten Edmund Stoiber aller Zeiten reserviert war, als auch die Dreistigkeit, eine Lüge als Lüge zu durchschauen und nach dem eklatanten Bruch des Völkerrechts während der Bombardierung Jugoslawiens im Jahr 1999 nicht schon wieder Teil einer Aggression zu werden, kann Malte nicht fassen. Das ist ihm zu hoch, da kommt er nicht mehr mit.
Dabei hätte er nur lesen müssen, was der ehemalige UN-Botschafter Gunter Pleuger am 01.03.2008 zu Protokoll gab. Pleuger hat die Colin-Powell-Show vor dem verhängten Guernica-Bild im UN-Gebäude in New York miterlebt und kennt die Dossiers der Geheimdienste. Er bestätigt, was die deutsche Regierung wußte: Der Irak-Krieg war innerhalb der Bush-Regierung längst beschlossene Sache; die Gründe dafür sind erstunken und erlogen.
Wenn Schröder in seinem Leben überhaupt etwas richtig gemacht hat, dann ist es die Konsequenz, sich vom Gemetzel an der irakischen Zivilbevölkerung fernzuhalten. Aber nicht traurig sein, Malte. In Afghanistan können deutsche Mucker inzwischen mit Totenschädeln posieren und in ihren Panzerwägelchen im Schweinsgalopp durch die Dörfer rasen.
Aber weiter im Text. Die nächste Wahl 2005 gewinnt zwar Angela Merkel, also Maltes Schnuckelchen, aber sie gewinnt sie nicht hoch genug. Die Sozen sitzen schon wieder in der Regierung. Was für ein Ärger!, schnaubt Malte, und wütet:
“Sie kündigte Wirtschaftsreformen an und handelte sich damit den Vorwurf des Neoliberalismus ein. Der steht in der deutschen Negativskala gleich hinter dem des Faschismus.”
Genau. Denn mit Faschismus, Malte, da kennt ihr euch aus. Du und dein Henlyk.
“Vorläufiges Fazit zweier Bundestagswahlschocks: Nie wieder Krieg! Nie wieder Reformen!”
Ruhig, Brauner, ganz ruhig. Die Realität ist das, was außerhalb deines Kopfes geschieht. Selbst die Bundesrepublik Deutschland, also jener Teil des zerschlagenen Dritten Reiches, der noch den perversesten KZ-Arzt als Mitläufer einstufte und ihm eine Kinderarztpraxis in Bayern genehmigte, schwor 1949: “Nie wieder Krieg!”
Möchtest du etwa an einem Gründungspfeiler der BRD sägen, indem du eine der wichtigsten Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg mit den Merkel’schen Reformen verquickst und so das eine gegen das andere ausspielst? Vielleicht, um die Kriegsgeilheit deiner Kameraden von der Achse der Blöden in den Tagesspiegel zu tragen und die Leser auf das große Ringen vorzubereiten, die Endschlacht zwischen Christentum und Islam, an der ihr euch nach Art der Etappenhengste täglich berauscht? Warum schreibst du dann nicht einfach: “Krieg ist geil”?
Und weiter im Text: Als dritte Ursache für die angeblich schockstarren Deutschen lenkt Malte seinen Blick nach Hessen. Also dorthin, wo die ausländerfeindliche Hetze von Schweinchen Babe mit Aplomp in die Hose ging. Was unser Malte bis heute nicht verwinden konnte:
“Koch ist der letzte prominente Konservative in der Union: prinzipienstark, polarisierend, derb in der Sprache.”
Wahrscheinlich hat Roland Koch laut gelacht, als ihm sein Referent diesen Ausschnitt in der täglichen Presseschau vorlegte. Denn Koch ist alles mögliche — ein rassistischer Hetzer, ein populistisches Großmaul und ein überführter Lügner –, aber er ist nicht blöde. Das unterscheidet euch, Malte.
Die jüdischen Vermächtnisse mögen deinem Gedächtnis entfallen sein; unsere und — da sind wir sicher — auch Kochs Erinnerungen funktionieren. Koch ist windelweich und wetterwendig. Er lügt, solange es geht, und behauptet dann das Gegenteil. Kochs ganze Regierungskunst besteht darin, im richtigen Moment die Meinung zu wechseln. Ohne mit der Wimper zu zucken würde er den Ausbau des Frankfurter Flughafens stoppen, für den er eben noch kämpfte. Wenn man ihm dafür eine Alleinregierung in Hessen verspräche.
Weil die Hessen also Schweinchen Babe und dessen aufgewärmter Propaganda-Suppe “Freiheit statt Sozialismus” nicht folgten und er ein desaströses Wahlergebnis erdulden mußte, schlußfolgerst du:
“Die dritte Lektion: Nie wieder Freiheit! Wer die Deutschen zwingt, sich zwischen Freiheit und Sozialismus zu entscheiden, riskiert, dass sie für den Sozialismus votieren.”
Ja, Malte. Du bist schon ein pfiffiges Kerlchen. Für deine Verhältnisse. Denn wenn du im hessischen Wahlergebnis ein Voting für den Sozialismus erkennst, kann das eigentlich nur bedeuten, daß du als sozialistisch empfindest, was nicht CDU-konform ist. Was wiederum ein grelles Licht auf dein politisches Verständnis wirft.
Und schließlich findest du noch den Dreh zu deinem liebsten Feind, der Linkspartei, die du konsequent als “Ultralinke” titulierst. Denn die vierte Ursache für die angebliche Starre siehst du in den Wahlerfolgen der Linkspartei in den alten Bundesländern. Wobei dich die Wahlsiege im Osten nicht zu stören scheinen. Vielleicht, weil aus deiner Sicht im Osten eh’ nur verkappte Kommunisten leben, die eigentlich ins Umerziehungslager gehören, ansonsten aber abgeschrieben sind.
“In anderen europäischen Staaten sind radikale Linksparteien nichts Besonderes. In Deutschland indes stehen deren Vertreter auch in der Tradition von DDR, Mauerbau, Schießbefehl, Diktatur. Das macht Koalitionen mit ihnen etwas unappetitlich.”
Zusammengefaßt: Eine Koalition mit Politikern, die in der Tradition der DDR stehen, ist für dich unappetitlich. Ohne eine Prise innerdeutschen Rassismus geht es bei dir eben nicht. Dafür bekommst du von uns einen Extra-Knuddel. Und wir flüstern dir was ins Ohr: Schon gehört, daß das westdeutsche Gesundheits- und Bildungssystem zum Teil nach DDR-Vorbild umgebaut wird, weil sonst der Kollaps droht? Wanderst du jetzt aus?
Wie appetitlich war eigentlich die Koalition der Hamburger CDU mit der Partei Rechtsstaatlicher Offensive von Ronald Barnabas Schill? Ups — müssen wir uns jetzt den Mund mit Seife auswaschen?
Im Grunde kannst du deine anti-antideutschen Schreibversuche in einem Satz zusammenfassen:
Erst, wenn der letzte Kommunist an der Laterne schaukelt, der letzte Gewerkschafter im eigenen Blute suppt und der letzte Sozialdemokrat im Steinbruch verröchelt, wird Deutschland wieder genesen.
Bis dahin ist es ein langer Weg. Aber du schaffst das schon. Mit Henlyk und Horst.
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