Seit Monaten fährt der Tagesspiegel eine aggressive Kampagne für den Weiterbetrieb des Dorfflughafens Tempelhof; trotz gerichtsfester Schließungsbescheide, trotz prasselnder Niederlagen der Freunde des Tempelhofer Kerosinregens vor dem Bundesverwaltungsgericht.
An manchen Tagen erscheinen im Tagesspiegel bis zu drei Artikel und Kommentare gleichzeitig, um Bolle und Piefke die Wichtigkeit des Tempelhofer Fluglärms einzuhämmern. Denn bis heute sehnt sich die Redaktion nach jenen Jahren, in denen sie im beruhigenden Schatten der Staatsgrenze zu Ostberlin die warmgepupste Luft des Westberliner Subventions-Inselchens in vollen Zügen inhalieren und vom Flugfeld des Führers den silbernen Propellermaschinen der korrupten Pan Am nachschauen konnte. Schön war die Zeit, und still im Auge glänzt die Träne …
Bei dieser Gemütspflege ist die Frage der Finanzierbarkeit des defizitären Flughafens für die Redaktion uninteressant; ebenso die Überlegung, was passiert, wenn ein Flugzeug in das angrenzende Wohngebiet stürzt. Die lächerliche Tagesauslastung von 958 Passagieren wird gleichfalls ignoriert. Tempelhof ist ein viel zu dankbares Terrain, auf dem die Redaktion der verhaßten rot-roten Landesregierung täglich vors Schienbein treten und die Leser vor der nächsten Landtagswahl für ihren Liebling Kriegbert Pflüger weichklopfen kann, der als gebürtiger Hannoveraner vom ersten Atemzug an ein glühender Tempelhof-Fan war.
Da muß also immer wieder nachgelegt werden; je näher der Tag des Volksentscheids über den Flughafen rückt, desto hemmungsloser. Und so wütet Tagesspiegel-Redakteur Gerd Appenzeller, der im Linkslog treffend als Tages-Tui charakterisiert und von Semtix für einen seiner hirnbefreiten Kommentare mit der Pflaume des Monats ausgezeichnet wurde, in bewährter Faktenverdrängung pro Tempelhof und contra Senat:
“Unsere Landesregierung hat uns, sozusagen zur Stärkung unseres demokratischen Selbstbewusstseins, schon einmal wissen lassen, dass ihr das Ergebnis der Abstimmung völlig schnurz sei. Man müsste also eigentlich, allein aus Gründen der Obrigkeitserziehung, knallhart für die Offenhaltung stimmen (…)”
Sag mal, Gerd: Sollen wir dich einen Lügner nennen, oder machst du das selbst? Du weißt natürlich, daß das Bundesverwaltungsgericht am 4.12.2007 den Schließungsbescheid des Berliner Senats in letzter Instanz bestätigte. Du weißt auch, daß die Inbetriebnahme des Großflughafens BBI in Schönefeld rechtskräftig an die endgültige Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof gekoppelt ist: Ohne Schließung der einen keine Inbetriebnahme des anderen.
Der Senat kann Tempelhof also gar nicht für den Flugverkehr offenhalten. Ob am 27. April eine Mehrheit der Berliner für Tempelhof stimmt, ist so egal wie eine Meldung über das Wohlbefinden von Raumausstatter Steffel.
Das weißt du, und trotzdem verbreitest du Lügen.
Natürlich wäre dir lieber, du könntest deine Rente von Tempelhof aus verjuckeln, aber deine Meinung ist unerheblich. Dafür entlarvt dein Kommentar dein gespaltenes Verhältnis zu demokratischen Abläufen. Sämtliche Beschlüsse des Berliner Senats, des Landes Brandenburg und der Bundesregierung, sämtliche Gerichtsurteile diverser Instanzen sind für dich irrelevant. Was zählt, sind deine Wut auf Rot-Rot und die Lüge als eines deiner Stilmittel, um den Senat auf Biegen und Brechen zu diskreditieren.
Am Ende läßt du dich zu diesem Satz hinreißen:
“Die Initiatoren der Schließungskampagne sollten sich schämen für ihre Volksverdummungsaktion!”
Wenn jemand, der die Unabwendbarkeit der Schließung Tempelhofs als solche bennent und dafür um Verständnis selbst bei schnarchnasigen Westalgikern wirbt, deiner Ansicht nach Volksverdummung betreibt — als was soll man dann die Pro-Tempelhof-Kampagneros bezeichnen, die den Leuten wider besseren Wissens suggerieren, der Flugbetrieb könnte weitergehen?
Lügner? Hetzer? Haßbirnen? Oder alles zusammen?

Ode auf den Appenzeller Käse,
gedichtet von DÖF im Jahr 1983:
Häßlich, ich bin so häßlich,
so gräßlich häßlich,
ich bin der Haß.
Hassen, ganz häßlich hassen,
ich kann’s nicht lassen,
ich bin der Haß.
2 Kommentare ↓
Der Tagesspiegel war mal ein liberales Blatt, Leuchtturm im grässlichen Berliner Blätterwald aber leider hat er sich mehr und mehr, manchmal bis zur Peinlichkeit, der Massenpresse angepasst. Ich hab die Konsequenzen gezogen….
Das ist auch vor dem Hintergrund des Umbaus der Berliner Zeitung bedauerlich, die immer mehr zum Anzeigenblatt für Lidl und Aldi verkommt. Der Tagesspiegel könnte jetzt die Lücke füllen, die das Siechtum der Berliner Zeitung öffnet. Aber sie scheinen es nicht zu wollen.
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