The Steepwater Band: Revelation Sunday

Geschrieben von messitschbyburns am 01. April 2008 | Hörsturz


The Steepwater Band
“Revelation Sunday”
(p) 2006, Diamond Day Records

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The Steepwater Band sind eine traumhafte Kombination aus Southern, Bluesrock und Bands wie Cactus und Free, die seit Jahrzehnten im Orkus des Rock verdämmern. Das klingt vermutlich wie die Androhung einer Klassenfahrt ins Rockmuseum, aber keine Angst: Die Band knallt vom ersten Ton an.

Man legt die CD in den Player und bekommt ohne Vorwarnung ein gepflegtes Trommelstaccato um die Ohren gepfeffert, gefolgt von einer Gitarre, die stampft, rollt und rumpelt wie eine schwere Dampflok der Union Pacific, an deren Bullenfänger die Flagge der Südstaaten geknotet ist. Trommelwirbel, knarzende Gitarre, Trommelwirbel, und zwischendurch bittet der Sänger leicht spöttisch um Gnade. “Immer weiter! Immer weiter!” würde Oliver Kahn wohl schreien, stünde er vor dem CD-Player.

Tatsächlich treibt und drängt die Band unentwegt vorwärts; sie gönnt sich weder Pausen noch Durchhänger. Das Schlagzeug wird zackig und schwungvoll bedient, der Baß bekommt seine kleinen Soli, die Slidegitarre kreischt und weint, der Sänger quetscht seine Worte halb durch den Kehlkopf, halb durch die Nase; alles paßt, nichts stört — einfach großartig.

Die Chicagoer Jeff Massey (voc, g), Joe Winters (dr) und Tod Bowers (b) spielen seit 1998 zusammen; die ersten Jahre als Newcomer auf Festivals, bei Sessions mit Deep Purple und Gov’t Mule oder als Vorband von Bad Company und Sonny Landreth, seit 2006 endlich auch als ihr eigener Hauptact.

Vor Revelation Sunday veröffentlichten sie die CDs Brother To The Snake (2001) und Dharmakaya (2004), die aber deutlich schwächer sind und den Kauf kaum lohnen. Es scheint, als wäre bei Revelation Sunday endlich der Damm gebrochen, hinter dem sich in acht Jahren ein ungeheueres Potential angestaut hatte. Seit ihrem Start als reine Coverband alter Bluesklassiker haben sie bis heute ihren eigenen Southern- und Bluesrock-Stil entwickelt, ohne in die Retro-Falle zu tappen: Schnörkellos, kraftstrotzend und zeitgemäß.

Will man also eine Southern-Band sehen, muß man sich auf Konzerten nicht mehr besaufen, um solche grausigen Trümmer wie Lynyrd Skynyrd wenigstens im Tran zu überstehen. The Steepwater Band sind nicht nur meilenweit an den fetten, müden Helden vorbeigezogen; sie haben ihnen gezeigt, wie lebendig Southern heute sein kann.

Wer Songs wie Dance Me A Number, Relevation Sunday, Government Graffiti (mit einem hübschen Zitat aus It Won’t Be Long von den durchgeknallten GUN), Mercy oder das achteinhalbminütige, die Slidegitarre bis zum Schmelzpunkt strapazierende Baby, You’re On Your Own schreiben kann, der blickt auf Sweet Home Alabama bestenfalls wie auf ein altes Foto der eigenen Einschulung zurück.

Nicht ohne Grund war die Whiskey-Destillerie Jim Beam Co-Sponsor der ersten Steepwater-CD. Deren Marketing investiert in die Zukunft. Für den Support von Lynyrd Skynyrd böten sich die Weight Watchers und Klosterfrau Melissengeist an.

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