Hot Chip: Made In The Dark

Geschrieben von messitschbyburns am 07. April 2008 | Flops der Saison


Hot Chip
“Made In The Dark”
(p) 2008, DFA Records/EMI

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In der Liste der Flops der Wintersaison 2008 souverän auf den Plätzen 9-2: Hot Chip.

Made In The Dark ist der Soundtrack zur Sterbehilfe. Begriffe wie Sterbenslangweilig oder Tödliche Langeweile werden sinnlich spürbar. Die CD zieht und schleppt sich; wie ein Kaugummi, den man von der Schuhsohle pulen muß und der sich in seine ganzen Ekligkeit streckt und dehnt, bevor er davonschnippst.

Wobei es auf Made In The Dark einen prächtigen Song gibt: Ready For The Floor. Hier muß man neidlos anerkennen: Respekt, Hot Chip. Ready For The Floor ist ein echter Heuler. Da zuckt das Ohrläppchen im Takt, da zwinkern die Augenbrauen übermütig, da füllt sich auch die versiffteste Tanzfläche bis zum letzten Quadratzentimeter.

Das war’s.

Der Rest ist Schweigen — d.h., der Rest müßte Schweigen sein. Oder, wenn unbedingt eine komplette CD gefüllt werden soll, zwölf Remixe von Ready For The Floor. Denn Hot Chip sind der typische — eigentlich tragische — Fall eines grandiosen Einfalls, der niemals wiederkehren wird. Hot Chip gibt es schon seit dem Jahr 2000, Made In The Dark ist das dritte reguläre Band-Album, und Ready For The Floor schaffte es auf Platz 6 der UK-Charts. Damit hat die Band ihre 15 Minuten Ruhm verbraucht, die in diesem Fall exakt 3:52 dauerten.

Die CD klingt, als würden interessierte Laien an bunten Knöpfchen drehen und ausprobieren, was die Elektronik hergibt. Wenn die Musik wenigstens konstruiert wäre, sozusagen Math Dance als Pendant zum Math Rock — aber nicht mal das. Belanglos, substanzlos, öde. Alles schon mal gehört, und zwar in den 90er Jahren, als übelster Kindergarten-Techno die Charts verstopfte.

Eine halbe Kastraten-Stimme, vermutlich ohne Gesangsunterricht, stupide scheppernde Beats, reichlich Handclapping, wummernde Bässe und gruselige Refrains, die es schaffen, schlimmste Erinnerungen an Dsching, Dsching, Dschingis Khan, He Reiter, Ho Reiter, He Reiter, Immer weiter aus der Gruft zu holen.

Bis zum Titelsong läßt man sich das gefallen. Made In The Dark ist eine nette Ballade und wäre als Song Nr. 7 ein guter Schlußpunkt. Aber es geht weiter, immer weiter, He Reiter, Ho Reiter. One Pure Thought beginnt mit einem unglaublich dilettantischem Riff und lotet anschließend die Raffinessen einer Rhythmusmaschine aus. Don’t Dance könnte für Blümchen geschrieben sein, Whistle For Will sühlt sich im kitschigsten Pathos Pathos Pathos.

Man blickt genervt zum CD-Player: Wie lange noch? Oh, nur noch ein Song. Aufatmen. In The Privacy Of Our Love wiederholt die schwüle Stimmung von Made In The Dark. Vermutlich, weil es so schön war.

Und dann ist Schluß. Danke.

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