Die Frauenzeitschrift Brigitte, das anerkannte Fachblatt für Mode, Kultur, Psychologie, Partnerschaft und angrenzende Wissenschaften, veröffentlichte eine Studie mit beinahe umstürzlerischen Ergebnissen: Junge deutsche Frauen werden selbstbewußter. Sie möchten arbeiten und Kinder erziehen.
“Junge Frauen wollen Kinder und Karriere und sich nicht mehr zwischen beidem entscheiden müssen.”
“Für diese Generation von Frauen (sei es) nichts Außergewöhnliches mehr, vom Alternativmodell ‘Beruf oder Familie’ abzuweichen und beides in gleichem Maße zu verwirklichen.”
“Frauen seien inzwischen sehr mobil, was berufsbedingte Ortswechsel anginge. Für ihren Job seien sie sogar bereit, Deutschland zu verlassen.”
“Notfalls seien sie (= die Frauen) auch dazu bereit, ihre Kinder alleine großzuziehen (…) Das Bild der ‘berufstätigen Rabenmutter’ existiere für junge Frauen nicht mehr.”
In einem Land vor unserer Zeit hätte es einer solchen Umfrage nicht bedurft. Dort wäre Großväterchen Lebert, der diese Umfrage als Chefredakteur der Brigitte stolz wie Bolle präsentierte, ausgelacht worden. Man hätte ihm einen Vogel gezeigt und ihn gefragt, aus welchem Jahrhundert er sich teleportieren ließ.
Allerdings wird es zunehmend unstattlicher, daran zu erinnern, daß das Rad der weiblichen Selbstbestimmung schon einmal erfunden war. Bereits die Erwähnung des Landes vor unserer Zeit läßt Knabes finstere Kolonnen marschieren und ein demagogisches Sperrfeuer auslösen. Die Buchstabenkombination aus D und R ist nicht mehr existent. War es RRD? DRD? RDR? Wir haben es vergessen.
Dafür lernen wir, daß wir den westdeutschen Ereignissen des Jahres 1968 gefälligst als Teil unserer Geschichte zu huldigen haben. So, wie wir auch lernen, daß die Texte der Beatles im Osten nicht diskutiert wurden. Und so wollen wir auch nicht darauf bestehen, daß Frauen im kleineren Teil Deutschlands 40 Jahre lang keinen Gedanken an ein Alternativmodell “Beruf oder Familie” verschwenden mußten.
Es würde sich ohnehin einer von Knabes Wasserträgern finden, der uns erklärte, wie falsch wir lägen und daß die deutschen Frauen erst jetzt, im Jahr 2008, vom Sonnenstrahl der beruflichen und familiären Selbstbestimmung geküßt würden. In ganz Deutschland.
Denn wer anderes sagt, verläßt den Boden des FDGB der FDGO. Dieser Satz zieht immer. So falsch und dämlich er auch ist.
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