Berliner Zeitung zensiert sich selbst

Geschrieben von messitschbyburns am 07. April 2008 | Knabe, Thomas Leinkauf


Der Blog Neues vom Glöckner machte dankenswerterweise darauf aufmerksam, daß die Berliner Zeitung den Artikel “Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren”, in dem Paul Kaiser die Person Hubertus Knabe kritisch hinterfragte, im Online-Archiv gelöscht hat.

Tatsächlich erhält man nach Eingabe des Suchbegriffs “Paul Kaiser” im Feld “Autor” eine einzige Anzeige: 24.03.2007, Doktor Faustus im Orient, Interview von Paul Kaiser mit Michael Schindhelm.

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Der Knabe-Artikel ist weg.

Gibt man dagegen den allgemeinen Suchbegriff “von einem der auszog das fürchten zu lehren” ein, werden massig Leserbriefe und Knabes pompöse Gegendarstellung vom 09. Februar 2008 ausgespuckt.

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Zum nicht vorhandenen Artikel.

Die Berliner Zeitung gestattet also ihren Lesern, sich in Leserbriefen und einem Anwaltsschreiben von Hubertus Knabe über einen Beitrag zu informieren, den sie nicht im Online-Archiv der gleichen Zeitung finden können.

Da erinnert man sich doch gern an das Jahr 1987. Damals erlaubte die sowjetische Parteiführung, den Film Die Reue von Tengis Abuladse nach dreijährigem Verbot in die Kinos zu bringen. Der Film gewann u.a den Großen Preis der Jury in Cannes und wurde als bester ausländischer Film für den Oscar nominiert.

In der DDR blieb er trotzdem verboten — aber nicht ungesehen: Ende 1987 lief der Film im ZDF. Daraufhin starteten die DDR-Medien eine ihrer beliebten Kampagnen. Die Junge Welt reservierte z.B. am 28.10.1987 eine halbe Seite für den unvermeidlichen Hans-Dieter Schütt:

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Die Praxis, über etwas zu diskutieren, dessen Inhalt offiziell unzugänglich gemacht wird, war schon damals an Idiotie kaum zu überbieten. Wer hätte gedacht, daß die Berliner Zeitung 21 Jahre später wieder an diesem Punkt angekommen ist. Der Kreis hat sich geschlossen.

Und sage keiner der Redakteure, er wüßte nicht, woran er sich erneut beteiligt: An offener Selbstzensur.

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