Apppenzeller Käse XXL

Geschrieben von messitschbyburns am 22. April 2008 | Appenzeller, Tempelhof


Heute ist es geschehen. Heute, am 22. April 2008, verlor Gerd Appenzeller seinen Verstand.

Angegammelt war der Verstand schon länger. Als Apologet der Westberliner Frontstadt-Presse haßt Appenzeller nichts so sehr wie den rot-roten Senat. Er spuckt Galle, wenn er den Namen Wowereit nur aus der Ferne hört. Würde die Linkspartei morgen verboten, feierte Appenzeller ein vierwöchiges Fest. Sein heiliger Schwur lautet: Dieser Senat muß weg. Oder wenigstens beschädigt werden.

Deshalb fürchtet sich Appenzeller vor der Niederlage der Tempelhofer Flughafenfreunde beim Volksentscheid am kommenden Sonntag. Das wäre eine bittere Pille für ihn und seine — mit ihm im kalten Krieg sozialisierten — Laupenpieper aus CDU und FDP. Das gilt es zu verhindern!

Also mißbraucht Appenzeller erneut die Plattform, die ihm sein Arbeitgeber Tagesspiegel bietet, und schleudert fünf Tage vor Ultimo eine völlig geistlose Raserei unter das Wahlvolk.

Zunächst verwechselt er Volksbegehren und Volksentscheid:

“Es ist nämlich so, sagen uns die Befürworter des Volksbegehrens (…)”

Das Volksbegehren ist seit 14. Februar 2008 Geschichte. Am 27. April 2008 findet ein Volksentscheid statt. Liest beim Tagesspiegel niemand Korrektur?

Einige Zeilen weiter bestätigt Appenzeller, was der Senat mit Wowereit an der Spitze seit Monaten predigt:

“Sicher ist eigentlich nur, dass die Rechtslage gegen das Offenhalten von Tempelhof als Verkehrsflughafen ist. Wer das Gegenteil behauptet, hat das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig aus dem März 2006 einfach nicht gelesen. Also macht es wenig Sinn, beim Volksbegehren dafür zu stimmen.

Dann aber folgt der dringende Appell Appenzellers, auf jeden Fall für Tempelhof zu stimmen:

“Die Argumentation der Tempelhofgegner ist so arrogant, ihre Plakataktion so bodenlos populistisch, und der Regierende Bürgermeister in seiner ‘Interessiert-mich-alles-nicht’-Attitüde so arrogant, dass man am kommenden Sonntag mit ‘Ja’ stimmen muss, gegen die eigene Überzeugung vielleicht, aber als kleines Lehrstück in Sachen Demokratie für alle diejenigen, denen es offenbar ziemlich egal ist, was die kleinen Leute so denken.”

Das muß man noch mal sacken lassen:

Appenzeller erklärt, es wäre sinnlos, für Tempelhof zu stimmen, weil die juristische Situation keinen Weiterbetrieb zuläßt. Das gleiche sagt Wowereit.

Appenzeller erklärt, man müsse zwingend für Tempelhof votieren, weil Wowereit zu recht darauf hinweist, daß der Flughafen auf jeden Fall geschlossen werden muß und der Volksentscheid die juristischen Entscheidungen nicht ändern kann — wodurch er sinnlos wird.

Warum also wütet Appenzeller pro Tempelhof? Um dem Senat eins auszuwischen. Dieses frühkindliche Förmchenschmeißen im Sandkasten apostrophiert Redaktionsdirektor Appenzeller als “kleines Lehrstück in Sachen Demokratie.”

Das ist weder Hirn noch Verstand. Das ist uferlose Dummheit, gezeugt aus schäumendem Haß.

P.S.:
Hatte sich jemand dafür interessiert, was die kleinen Leute so denken, bevor der Palast der Republik abgerissen wurde? Wie bitte? Diese Frage ist unzulässig? Das dachten wir uns. Denn das war ein Lehrstück in Sachen Demokratie. Ein sehr großes, über Generationen nachwirkendes. Davon werden noch die Urgroßeltern ihren Urenkeln erzählen.

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