Sturzkampfbomber Malte Lehming erfreut uns nach längerer Abwesenheit wieder mit einem rhetorischen Looping, bevor er sich — wie gewohnt — ganz tief eingräbt. Diesmal vergreift er sich am Thema Irakische Christen.
Innenminister Schäuble möchte irakische Christen in Deutschland aufnehmen — bevorzugt vor Flüchtlingen anderer Religionen und Glaubensgemeinschaften. Die Klassifizierung fremder Schicksale in die Rubriken “sind uns nützlich” und “sind uns Stulle” gehört zum Schäuble-Kanon. Der Mann war, ist und bleibt ein Menschenfeind, daran wird sich nichts mehr ändern.
Lehming nutzt Schäubles Chauvinistengeschwätz dankbar für einen unterwürfigen Kommentar. Wie ein Hund greift er nach dem Knochen, den Schäuble in den Schlamm wirft, wühlt in heraus und apportiert artig (ob er dabei mit dem Schwanz wedelt, möchten wir uns nicht vorstellen). Er weiß, was sein Leitbild-Herrchen von ihm erwartet. Zum Beispiel keine Fragen nach den Ursachen der Flucht.
Im gesamten Kommentar wird verschwiegen, daß die Christen ihre Religion unter dem Satan Saddam ungehindert praktizieren konnten. Obwohl Lehming mit großem Getöse und phantastischen Zahlen1 das Leid der Christen beklagt, kommt ihm nicht in den Sinn, wenigstens mit einem Halbsatz auf die Invasion der US-Truppen vom 20. März 2003 hinzuweisen, auf die erstunkenen und erlogenen Kriegsgründe und auf die katastrophalen Folgen des Verzichts der US-Behörden auf die strategische Vorbereitung einer irakischen Nachkriegsordnung.
Als nationalstolzes Mitglied der Achse der Blöden und Bewunderer des Wichtelführers Henlyk M. Blödel sind ihm diese Gedanken fremd. Statt dessen wird die abendländische Soße aufgewärmt: Wir alle sind zwar Christen und als solche der Nächstenliebe verpflichtet, doch wenn’s brennt, sind Christen allemal gleicher als Andersgläubige:
“Bewusst verdrängt wird dabei, dass Christen eine besondere Verantwortung für andere Christen tragen, wie Moslems für andere Moslems und Juden für andere Juden.”
Was sagt eigentlich das Grundgesetz?
“Artikel 16a: Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.”
Und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge?
“Politisch ist eine Verfolgung dann, wenn sie dem Einzelnen in Anknüpfung an seine politische Überzeugung, seine religiöse Grundentscheidung oder an für ihn unverfügbare Merkmale, die sein Anderssein prägen, gezielt Rechtsverletzungen zufügt, die ihn ihrer Intensität nach aus der übergreifenden Friedensordnung der staatlichen Einheit ausgrenzen.”
Keine Rede von religiöser Differenzierung. So schnell verläßt man den sogenannten Boden des Grundgesetzes. Kannste mal sehen, Malte. Schäubles Schild und Schwert wird schon eine Akte über dich angelegt haben.
Ach ne, geht ja nicht. Zuerst müßten sie einen schrankwanddicken Ordner über den eigenen Boß zusammentragen, den schlimmsten Verfassungsfeind Deutschlands. Haste noch mal Glück gehabt, Malte.
Übrigens, Malte:
Wer wie du am Christentum hängt, dem sollte klar sein, daß die gesamte Menschheit die Frucht einer Handvoll Leute ist, die vor der Sintflut aufgelesen wurden und aus Noah, seiner Frau, seinen Söhnen und deren Frauen bestanden. Um sich fortzupflanzen, mußten die Kinder seiner Söhne miteinander Kinder zeugen. Cousin und Cousine am Berge Ararat. Und wo liegt dieser Berg? In der östlichen Türkei.
Die Menschheit entstammt also den Lenden inzestuöser Türken. Auch Malte Lehming. Da bekommt man doch sofort gute Laune.
- Seit der US-geführten Invasion im Jahr 2003 sind nicht 400.000, sondern 180.000 Christen aus dem Irak ins Ausland geflohen. Das ist schlimm genug, muß aber nicht mit falschen Zahlen aufgeplustert werden. Bezeichnenderweise schweigt Lehming über die Zahlen der anderen Religionen: 4,5 Millionen Iraker flüchteten insgesamt; davon 2,3 Millionen als Binnenflüchtlinge und 2,3 Millionen ins Ausland. Die durch die Invasion ausgelöstete Fluchtwelle gilt nach Angaben der UNHCR als größte Massenfluchtbewegung seit dem Palästinakrieg und der Vertreibung von 900.000 Palästinsern durch Israel im Jahr 1948. [↩]
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