Sind Sie noch nackt, Herr Edathy?

Geschrieben von messitschbyburns am 30. April 2008 | Edathy, SPD


Dann ziehen Sie schleunigst Ihre Hosen hoch und bedecken Sie Ihren Pimmelmann. Denn wenn Ihr Nachbar Sie durchs Fernglas beäugt, aus Ihren sechs Zentimetern falsche Schlüsse zieht, Sie der sexuellen Frustration verdächtigt und deshalb glaubt, Sie wären ein begeisterter Puffgänger — wegen Triebstau und so –, dies in einem vertraulichen Bericht formuliert und ihn in Erfüllung seiner staatsbürgerlichen Pflicht ans Innenministerium schickt — dann sehen Sie auf Ihrer nächsten Reise in God’s Own Country verdammt alt aus.

Uniformierte Menschen werden lächelnd die Schlagstöcke tätscheln, während man Sie im Transitbereich herauswinkt, um Sie in einem fensterlosen Raum peinlich genau zu befragen, ob Sie in den USA die Prostitution fördern möchten. Einer von Ihnen heißt Jack Bauer.1

Sie japsen empört nach Luft und rufen mit knallrotem Kopf “Nein!” , aber das macht Sie erst recht verdächtig. Einer der Befrager nestelt mit dem charmantesten Kevin-Spacey-Lächeln einen Zettel aus seiner Brusttasche, glättet ihn betont sorgfältig und liest mit milder Stimme: “Edathy, Sebastian: Small penis, very frustrated, maybe a John.”

Tja. Das war’s dann. Handschellen raus, Klick-Klack, Arrestzelle, nach 48 Stunden Abschiebung, Rückflug in der Holzklasse und an den Sitz gekettet, dauerhaftes Einreiseverbot in die USA, Rechnung für den Rücktransport folgt.

Das hätten Sie nicht gedacht, was? Aber Sie wollten es ja so. Als Vorsitzender des Innenausschusses des Bundestages war Ihnen der Vertrag bekannt, der die Übermittlung sensibelster Daten an die US-Behörden gestattet:

“Wenn sie bei der Bekämpfung von schwerer Kriminalität oder Terrorismus besonders relevant sind, können laut Artikel 12 auch personenbezogene Daten zur Verfügung gestellt werden, ‘aus denen Rasse oder ethnische Herkunft, politische Anschauungen, religiöse oder sonstige Überzeugungen oder die Mitgliedschaft in Gewerkschaften hervorgeht’. Auch Daten über ‘Gesundheit und das Sexualleben‘ können nach Informationen des SPIEGEL gemeldet werden.”

Sind Sie noch Mitglied einer Gewerkschaft? Ja? Dann bleiben Sie es ruhig. Ein hektischer Austritt nützt Ihnen nichts mehr. Auch frühere Mitgliedschaften werden gemeldet.

Warum werden diese Daten eigentlich weitergegeben? Ach ja, es geht um den Kampf gegen den Terrorismus; das wissen wir. Aber glauben Sie, daß beispielsweise Osama Bin Laden geschnappt wird, weil er — nur mal angenommen — beim Sex gern den Koran zitiert oder Mitglied der Gewerkschaft der Selbstmordattentäter ist? Das glauben Sie doch nicht wirklich, oder?

Entspannen Sie sich, Herr Edathy. Unser kleines Gedankenexperiment war nur eine Fiktion. Sie dürfen in die USA einreisen und in Ihrem Badezimmer nackt Zähneputzen. Ihr Nachbar hat seinen Bericht nicht abgeschickt, und Ihre sechs Zentimeter sind nur unser aufgerundeter Schätzwert.

Damit das so bleibt, sollten Sie das Abkommen “Über die Vertiefung der Zusammenarbeit bei der Verhinderung und Bekämpfung schwerwiegender Kriminalität” schreddern, wenn es im Innenausschuß auf Ihrem Tisch landet. Sonst wäre Ihnen wirklich nicht mehr zu helfen.

Andererseits: Wenn wir uns anschauen, wie Sie sich bisher im SPD-Getriebe von Pöstchen zu Pöstchen lavierten, geht unser Vertrauen in Sie gegen Null. Kelvin, nicht Celsius.

  1. Keine Angst, Herr Edathy. Das war nur ein Spaß. Jack Bauer gibt es nur im Fernsehen. Einer von ihnen heißt deshalb nicht Jack Bauer. Er kennt aber alle Tricks von Jack Bauer. Auch die, die furchtbar weh tun. []

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