Über die abgestürzte Imagekampagne be berlin amüsierte sich bereits tout Berlin. Der Slogan ist dreifach be: bekloppt, bescheuert und behämmert.
Nun muß man diesen kreativen Höhenflug wie einen Schicksalsschlag erdulden und auf den Tag hoffen, an dem der Stadt wieder mal das Geld ausgeht und sie die vergurgte Kampagne still beerdigt. Berlin, lerne leiden ohne zu klagen.
Wie man hört, reichten mehrere Werbeagenturen ihre Konzeptionen beim Senat ein. Wie man ebenfalls hört, brüsten sich mehrere Werbeagenturen damit, in ihren Entwürfen das Wort be verbraten zu haben.
Wir hätten vermutet, daß die Mitarbeiter dieser Agenturen seit dem Tag, an dem ihnen die be-Zumutung durchs Köpfchen zwitscherte, ihr Haupt voller Scham in einem zugeschnürten Sack verbergen, ihn unentwegt mit Asche bestreuen und sich mit der anderen Hand ein stabiles Vierkantholz rhythmisch auf den Schädel dengeln, um demütig Abbitte zu leisten und ihre tiefe Reue über den Mist zu beweisen, den sie verzapften.
Weit gefehlt! Bar jeder kritischen Selbstreflexion glauben die kreativen Helden bis heute, das vertrottelte be sei mindestens so genial wie der Jahrhundertslogan I love NY. Und weil jeder der Beteiligten der größte Trottel sein möchte, zankt man sich vor Gericht um die Frage, wer das Wort be von wem geklaut hat.
“Vier unberücksichtigte Werbe-Agenturen, die sich im Oktober 2007 an dem Wettbewerb zur Entwicklung der Kampagne beteiligt hatten, haben angekündigt, heute vor dem Landgericht auf Schadenersatz zu klagen, weil es ihrer Ansicht nach ‘Unregelmäßigkeiten im Vergabeverfahren’ gegeben hat.”
Konkret bemäkeln die beleidigten Schnupfnasen eine zu große Nähe zwischen be berlin und ähnlichem Wortgeklingel wie Just Be.rlin.
Schon die Namen der klagenden Agenturen sind eine Delikatesse:
- JustBe.rlin
- Highlifes/Die Ideenmanager
- Difficulté Wänkü
- Antonberta Design
Da weiß der zufällig Vorbeikommende, wo er unbedingt klingeln muß, wenn er über Träger bunter Sechseckbrillen lachen möchte.
Das Klage-Gedöns scheint nur der Versuch zu sein, sich im agenturgesättigten Berlin mit einer kostenlosen Presse-Promotion ein bescheidenes Eckchen zu suchen. Doch Klagen kosten Geld: Gerichtskostenvorschuß, Anwaltsvorschuß, Gutachtervorschuß.
Die Beträge sind abhängig vom Streitwert. Das will finanziert sein. Hat man Geld, zwingt man den Gegner mit einem gepfefferten Streitwert in die Knie. Hat man keines, verzichtet man besser auf eine Klage.
Oder man reduziert den Streitwert:
“Den Klagewert beziffert ihr Rechtsanwalt Christoph Najberg laut einer Pressemitteilung des Kommunikationsportals ‘Kontakter’ auf ‘voraussichtlich zwischen 5 000 und 10 000 Euro’.”
10.000 Euro für einen Slogan, den Berlin weltweit kommunizieren darf? 10.000 Euro für die Rechte des Senats an der exklusiven und uneingeschränkten Vermarktung? Das ist nicht mal der Gegenwert eines Butterbrotes. Das ist der Tausch des Hauptstadt-Slogans gegen einen Fetzen Gammelfleisch.
Wat ha’m wa gelacht.
Da klagen also vier Werbebuden, die müde vor sich hin wursteln und sich eigentlich keine Klage leisten können. Schon vor dem ersten Verhandlungstag schwenken sie die weiße Fahne: Finanzielle Kapitulation. Der Senat muß nur den Streitwert auf eine reale Größe anheben, und die Agenturen sind platt.
Ein geschickter Rechtsanwalt hätte vermieden, daß die Werbeagenturen mit der Nennung des prekären Streitwertes so brutal die Hosen herunterlassen und ihren nackten Arsch zeigen.
Aber gute Anwälte sind teuer.
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