18th Dye: Amorine Queen

Geschrieben von messitschbyburns am 13. Mai 2008 | Hörsturz, RBB


18th Dye
“Amorine Queen”
(p) 2008, Crunchy Frog Recordings

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Hjertelig velkommen, 18th Dye! Sie sind wieder da!

1992 segelte ihr Debüt Done in unseren Briefkasten, und vom ersten Ton an waren 18th Dye die Lieblinge der Redaktion. Wie eine Brise frischer, kühler Luft aus Dänemark wehte Done damals durch die Räume und versüßte jede Stunde. 1993 folgte die EP Crayon, 1995 die CD Tribute To A Bus, und dann waren sie plötzlich weg (die Redaktion, der Player und die CDs ebenfalls, aber das, liebe Kinder, ist eine andere Geschichte). 1999 lasen wir in einem Berliner Stadtmagazin eine kurze Meldung über die Auflösung der Band.

Neun Jahre später liegt Amorine Queen in den Läden, und die Sonne scheint mindestens so hell wie 1992. Es schreibt sich ja so lax dahin: Als wäre die Zeit stehengeblieben; aber was soll man machen — Amorine Queen ist kein Bruch mit Done, keine Neuerfindung der Band und kein radikaler Stilwechsel. 18th Dye lieben erstens Sonic Youth, zweitens Sonic Youth und drittens Noise, also Sonic Youth.

Sie streicheln ihre Gitarren und kitzeln sie zu einem endlosen, immerwährenden Feedback, mal in Front, mal als Noise-Kulisse. Die Gitarren hören niemals auf zu flirren, zu fiepen und zu pfeifen; die Saiten werden nach Herzenslust gedrückt und gezerrt — und über allem leuchten kleine Songs zum Kopfnicken und Mitsingen. 18th Dye produzieren keine Lärmorgien. Sonic Youth ja auch nicht. Na gut: Nicht immer.

Die Band kaschiert ihre Vorlieben nicht. Warum auch? Die Klasse von 18th Dye besteht gerade darin, am Sockel des großen Denkmals den eigenen Sound zu kreieren. Schon im ersten Song Island vs. Island wird die Nähe zu Sonic Youth klar. Spätestens in der Sekunde, in der Heike Rädeker den Refrain singt. Dann steht ein Hologramm von Kim Gordon im Raum und lächelt freundlich.

Noise und Feedbacks sind allgegenwärtig. Der Song Chinese Spoon fällt zwar durch einen Vocoder etwas aus dem Rahmen, aber auf die Gitarren ist auch hier Verlaß. Sehr angenehm ist der Einsatz selig quietschender Geigen in Amorine. Das klingt wie eine herzliche Verbrüderung von T. Rex und Sonic Youth. Ein netter Joke ist der Text in Text Is My Killer. Er besteht aus der Zeile Text Is My Killer. Das ist die Umgehung einer Schreibblockade auf die eleganteste Art — ein permanent wiederholter Satz, eingebettet in einen harten, sich permanent wiederholenden Rhythmus und unterlegt mit heftigen Feedbacks.

Wenn das Leben gerecht wäre, müßte das stampfende Big Sky auf Platz 1 sämtlicher Charts stehen. Gefolgt vom Metal-Burner Is und dem lieblich perlenden Air auf den Plätzen 2 und 3.

18th Dye ist keine rein dänische Band, sondern ein dänisch-deutsches Trio. Sebastian Büttrich (voc, guit), Heike Rädeker (voc, b) und Piet Breinholm (voc, dr) gründeten die Band in Berlin und waren hier allseits geschätzte Local Heroes. Sollte der Gott aufrechter Musiker sein Auge über Deutschland und Dänemark schweifen lassen, wird er 18th Dye nicht übersehen und sie sanft anschubsen, damit sie den Platz einnehmen, der ihnen gebührt: Heroes in beiden Ländern, nicht nur in Berlin. Und 100.000 verkaufte CDs.

Der kürzeste Weg dorthin führt immer noch über das Radio. Lassen wir mal die privaten Müllentsorger weg und schauen, was einige öffentlich-rechtliche Jugendwellen zu 18th Dye sagen:

Die online einsehbaren Playlists von 1LIVE (WDR) und Radio Sputnik (MDR) kennen 18th Dye nicht. Bei Radio Fritz (RBB), das seit kurzem mit dem verwegenen Slogan wirbt: “Neue Musik spielen wir zuerst”, lief 18th Dye nur am 13. August 2007 mit einem Uralt-Song von anno dunne.

Ausgerechnet Radio Eins (RBB), die regionale Dauerwelle für Altherren-Pop (Slogan: “Nur für Erwachsene”), erbarmte sich, am 01. April 2008 den aktuellen Song Backdoor und am 13. und 14. April Amorines zu spielen.

Falls wieder mal gegrübelt wird, warum sich CDs so schlecht verkaufen, darf man auch die Chefredakteure dieser Jugendsender befragen. Eine Band wie 18th Dye im kompletten Programm zu ignorieren und ihr damit die Tür zu verrammeln, hinter der sie ein paar Fans und Käufer mehr finden könnte, ist ziemlich dreist. Vor allem, wenn man seinen Hörern permant einbläst, neue Musik zuerst zu spielen.

Wobei Radio Fritz nicht dumm ist: Ihr Slogan verspricht keineswegs, daß sie neue Musik zuerst senden. Vielleicht spielen sie 18th Dye seit dem 11. April 2008, dem Tag der Veröffentlichung von Amorine Queen, in der Fritz-Kantine. Dann stimmt’s wieder.

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18th Dye verlassen das Studio.
Hoffentlich nicht wieder für 13 Jahre.

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