Beim wöchentlichen Flaschendrehen der DRM-Zombies gab es ausnahmsweise kein neues Tänzchen der Musikindustrie mit ihren Kunden, um sie zu knebeln und zu knechten. Dafür sind wir staunende Zeugen eines frommen Wunsches und einer bekloppten Idee.
Der fromme Wunsch stammt von der RIAA, dem Lobby-Verband der US-Musikindustrie. Deren Abgesandter David Hughes dachte auf der Digital Hollywood Conference über die Rückkehr des flächendeckenden DRM-Einsatzes auf allen Vertriebskanälen nach.
Der Zeitpunkt seines Wunsches verwirrt. Wir schreiben den Mai 2008. Die vier Major-Label haben DRM beerdigt oder denken über dessen Abschaffung nach. Kleine Label und große Online-Händler wie Amazon verzichten auf DRM. Trotz jahrelangen DRM-Einsatzes, obsessiver juristischer Treibjagden und drakonischer Strafen gegen die abtrünnigen Kunden erholten sich die CD-Verkäufe nicht. Und nun soll das Rad zurückgedreht werden und DRM die Rettung bringen?
Hughes’ Wunsch kann taktisches Geplänkel sein, um die Mitglieder der RIAA ruhigzustellen, die jährlich einen Batzen Geld zahlen, um Lobbyisten wie ihn durchzufüttern. Wahrscheinlicher ist aber, daß die RIAA eine neue Druckwelle bei der US-Regierung und — als übliche Folge — bei der EU aufbaut, um die Gesetze zur Verfolgung der Freunde guter Musik zu verschärfen und die Dauer der Urheber- und Nutzungsrechte wie einen alten Schlüpfergummi endlos auszudehnen.
Denn der technischen Realisierbarkeit von sicherem DRM, das nicht umgangen, ausgehebelt oder geknackt werden kann, widersprach ausgerechnet ein Manager der Firma Digimarc, die erfolgreich das Know How für digitale Wasserzeichen vermarktet:
“I think it’s time to throw in the towel (…) These kids have too many ways to get around DRM.”
It’s time to throw in the towel heißt: Es ist Zeit, das Handtuch werfen.
Oder will sich die RIAA immer tiefer in die Spirale der Kriminalisierung ihrer Kunden begeben? Dann muß sie in letzter Konsequenz fordern: “‘Raubkopierer’ nach Guantánamo!”

Verlassen wir das Gruselreich der RIAA und begeben uns in die Welt bekloppter Ideen.
Forscher der Freien Universität Amsterdam schlagen der tuberkulösen Musikindustrie ein Mittel zur Genesung vor. Die Anwendung ist allerdings nicht ganz einfach zu verstehen:
- Der Kunde kauft online einen Song.
- Er sagt sich: “Dufte! Das wäre was für Onkel, Tante und die Neffen!”
- Er kauft eine limitierte Anzahl von Kopien dieses Songs und erhält Rabatt.
- Er verkauft die Kopien gegen einen Aufpreis an Onkel, Tante und die Neffen.
- Er kassiert den Aufpreis, wird reich und kauft sich Microsoft.
Jetzt folgt der technische Teil:
- Um das Rechtemanagement (DRM) durchzusetzen, müssen die CD-Player einen Krypto-Chip besitzen.
- Der Krypto-Chip enthält den privaten Schlüssel des Kunden.
- Mit dem privaten Schlüssel kann der Kunde zusätzliche symmetrische Schlüssel dekodieren.
- Sind die zusätzlichen symmetrischen Schlüsseln dekodiert, werden seine Songs automatisch entschlüsselt.
- Die entschlüsselten Songs darf er überall abspielen. Vorausgesetzt, sämtliche Player besitzen den Krypto-Chip.
Eine Idee, die die Musikwelt revolutionieren wird. Wenn der Kunde Glück hat, schaltet der Anbieter den Krypto-Schlüssel erst in zwei Jahren ab.

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