Santogold: Santogold

Geschrieben von messitschbyburns am 03. Juni 2008 | Flops der Saison


Santogold
“Santogold”
(p) 2008, Lizard King Records

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In der Liste der Flops der Frühjahrssaison 2008 souverän auf Platz 1: Santogold.

Der nächste Hype, der nächste Untergang.

Das reife Herzchen Santi White a.k.a. Santogold ist mit M.I.A. befreundet. M.I.A. spülte 2007 mit ihrer brachial bösen, wilden, unbändigen CD Kala für einen kurzen Moment die lallenden Labersäcke aus den Playern. Die deutsche Kritik quälte sich zwar zu einer lobenden Erwähnung, vergällte ihr aber das Engagement für die Liberation Tigers of Tamil Eelam. Wie das eben so ist im Land der Bahnsteigkarte.1

Ein Jahr später wird M.I.A. von den gleichen Fingern zur großen Mutter geadelt, in derem güldenen Lichte die gute Freundin Santogold noch güldener erstrahlet. Dank ausgiebig zelebrierten viralen Marketings der Plattenfirma durfte sich die westliche Hemisphäre monatelang an Gerüchten über ein kommendes Wunder — ach was, eine Einmaligkeit, eine Sensation! — berauschen. Wer nicht als Blödian dastehen wollte, mußte wissend mit dem Kopf nicken und verschwörerisch blinzeln, wenn das Codewort “Santogold” geflüstert wurde.

Nun ist das epochale Werk im Handel, und siehe: Die Kaiserin ist nackt. Nicht nur das — sie ist keine Kaiserin. Santogold ist die Putzfrau, die in der Mülltonne von Queen M.I.A. wühlt und deren Reste verwert; dabei unterstützt von legendären und vermutlich exorbitant teuren Produzenten. Man fragt sich allmählich, wie oft noch dem Aberglaube gefrönt werden soll, ein Weltklasse-Team könne eine Seifenblase zum Diamant härten. Das Booking erlesener Produzenten ist rausgeworfenes Geld, wenn die Substanz fehlt: Null mal X = Null.

Wo bei M.I.A. die Wut raucht, tackern bei Santogold niedliche Elektrobeats. Während M.I.A. die Klänge der Welt einatmet und in einem donnernd ausgestoßenen Feuerhauch zu ihrem M.I.A.-Sound verschmilzt, begnügt sich Santogold als genügsame Kundin der popmusikalischen Resterampe. Alles ist gestückelt, nichts paßt zusammen. Es wird geklaut und nachgeäfft, daß die Wände wackeln; vor allem M.I.A. ist allgegenwärtig. Santogold formt kein eigenes Werk. Sie rührt New Wave, Dub, Dancehall, Electro-Punk und Bollywood zusammen, aber in ihrem Topf schwimmen die Ingredenzien berührungsfrei nebeneinander. Hier ein bisserl Handclapping, da ein mulmender Baßlauf, dort ein kurioses Dubstep-Desaster — selten hat man ein Album gehört, das so saftlos und blutarm klang wie dieses.

Um das Kompott abzurunden, spreizt sich Santogold in einem aufgesetzten Feminismus-Gedröhne, das in seiner verstaubten Brezligkeit so prickelnd ist wie die Notizen der popelkauenden Charlotte Roche. Damit bewegt sie sich auf der sicheren Seite. Gegen feministische Slogans — und seien sie noch so marktschreierisch aufgefurzt — wagt kaum jemand zu mucken. Political Correctness gebiert nicht selten dumme Kinder.

Wohlwollend könnte man sagen: Santogold ist die zeitgemäße Wiedergängerin von Lene Lovich. Sehr wohlwollend gesagt.

  1. Lenin: “Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!” []

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