Am Ostersonntag warf ein Unbekannter einen sechs Kilogramm schweren Holzklotz von einer Autobahnbrücke bei Oldenburg. Der Klotz durchschlug die Frontscheibe eines PKW und töte die Beifahrerin.
Heute gab die Polizei die Aufklärung des Falls bekannt:
“Der gebürtige Kasache Nikolai H. hat die Tat nach einem mehrstündigen Verhör gestanden.”
“Der 30 Jahre alte Mann wohnte nach den Angaben der Ermittler in der Gemeinde Rastede (Kreis Ammerland) (…) Er sei drogenabhängig und wegen Eigentumsdelikten polizeibekannt. Nach eigener Aussage hat Nikolai H. die Tat allein begangen.”
Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Fahndungserfolg. Die Familie des Opfers wird davon nicht fröhlicher, kann aber ein wenig ruhiger schlafen, wenn der Täter nicht mehr unerkannt durch Oldenburg und Umgebung läuft.
Und nun zu etwas ganz anderem. Hallo Herr Bergmann!
Die Stichworte aus der heutigen Pressekonferenz:
- 30 Jahre alter Mann
- Drogenabhängig
- Polizeibekannt
- Einzeltäter
Sollte sich das Geständnis des dreißigjährigen, einsamen, drogensüchtigen und polizeibekannten Kasachen vor Gericht bestätigen, wäre das Ihr ganz persönlicher worst case.
Beten Sie nun zu Gott, daß in der Wohnung des mutmaßlichen Täters wenigstens ein Tetris gefunden wird? Oder daß sich die Gruppe junger Leute meldet, deren Phantombild Sie nur drei Tage nach der Tat in der Wochenzeitung Die Zeit zur messerscharfen Analyse veranlaßte, es bestünden gewisse Parallelen zu Verhaltenweisen jugendlicher Computerspieler?
Wissen Sie, was wir glauben? Wir glauben, daß Leute wie Sie nicht davor zurückschrecken würden, einem Beamten der Sonderkommission “Brücke” viel Geld zu bieten, damit er die Wohnung des Verdächtigen mit allerlei Computerspielen präpariert.
Einem Schmierback wie Ihnen ist nicht an der Aufklärung der Tat gelegen. Sie benötigen den Skandal, den Sie selbst inszenieren, und sie brauchen die Schlagzeile “Gruppe jugendlicher Computerspieler tötet Beifahrerin!” Ohne Tote keine Quote. Nur so können Sie verhindern, im Medienfeuer unterzugehen. Dann rufen Anne Will und Co. bei Ihnen an, und Sie dürfen sich wieder im Fernsehen spreizen.
Darin gleichen Sie Ihrem Kumpan Töpfchen-Pfeiffer. Auch der scheut die Fakten wie ein Maulwurf die Sonne. Zur Zeit kämpft er verbissen gegen die Veröffentlichung des Buches Computerspiele(r) verstehen. Er will etwas anderes: Computerspiele verbieten.
Töpfchen-Pfeiffer hat Ihnen seit seiner unglaublichen Blamage im Sebnitzer Joseph-Fall voraus, eine derart unterirdische Reputation zu besitzen, daß man als Krankheitsbild von charakterlicher Schwindsucht sprechen müßte.
Aber keine Angst, Herr Bergmann. Im Panoptikum deutscher Scharlatane ist Ihr Platz schon reserviert. Neben dem von Töpfchen-Pfeiffer.
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