Rainald Grebe dichtete:
Es gibt Länder
wo was los ist.
Es gibt Länder
wo richtig was los ist.
Und es gibt
Brandenburg.
In Brandenburg sind nur ein paar Blödiane los.
Die Freiwillige Feuerwehr von Groß Gaglow, einem Stadteil von Cottbus, trug seit zwei Jahren bei Wettkämpfen blaue Poloshirts mit einem neckischen Spruch:

Flink wie Windhunde
Zäh wie Leder
Hart wie Kruppstahl
Gedruckt in Fraktur. Wie man heute T-Shirts bedruckt. In Brandenburg, wo die Blödiane wohnen.
Blödiane Nr. 1:
Die Freiwillige Feuerwehr von Groß Gaglow. Dort behauptet man, nicht gewußt zu haben, daß der Spruch aus dem Repertoire zur Ertüchtigung der Hitlerjugend stammt. Man habe nicht einmal gewußt, daß er aus der Hitlerzeit stammt. Genau genommen habe man gar nichts gewußt.
“Die Begriffe flink, zäh und hart passen zu unserem Verhalten bei Wettbewerben.”
Sagt Falk Lehmann, leitendes Mitglied der Braunwehr. Seinen Kameraden kamen ganz spontan und zufällig jene Worte in den Sinn, mit denen die Pimpfe der HJ über Eskaladierwände gehetzt wurden. Nicht Worte wie schnell und stark, sondern flink und zäh. Brandenburger Umgangssprache.
“Einige hätten den Spruch zwar gekannt, ihn aber nicht mit Hitler und der NS-Zeit in Verbindung gebracht.”
Weshalb der Spruch in Fraktur gedruckt wurde. Die Nazis erklärten Fraktur zwar 1941 zur unerwünschten Schrift, aber bis heute gilt sie als Symbol für die Nazizeit. Das wußten die Kameraden auch nicht.
Auf der Website der Freiwilligen Feuerwehr winseln neun Windhunde unter Tränen, sich der Brisanz des Spruchs nicht bewußt gewesen zu sein. Die T-Shirts übergaben sie freiwillig — dort steht wirklich das Wort freiwillig — dem Leiter der Cottbuser Feuerwehr. Der kann sie zu Hause auftragen.
Blödiane Nr. 2:
Die Feuerwehr von Klein Radden. Sie gibt eine Ehrenerklärung für die ahnungslosen Pimpfe aus Groß Gaglow ab:
“Zu den Kameraden aus Groß Gaglow bleibt uns zu sagen, dass diese bei anderen Wettkämpfen nie unsportlich oder mit schlechter Disziplin aufgefallen sind.”
Das ist doch wohl das Mindeste, Kameraden! Auf deutschen Sekundärtugenden wurden tausendjährige Reiche errichtet! Da darf die Freiwillige Feuerwehr von Groß Gaglow nicht abseits stehen!
Zu urdeutschen Tugenden wie Disziplin sagte Oskar Lafontaine am 15. Juli 1982 im STERN:
“Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. […] Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben.”
Rührt euch, Kameraden! Weitermachen!
Blödian Nr. 3:
Der Landtagsabgeordnete Werner-Siegwart Schippel (SPD). Er wurde bei einem Feuerwehr-Wettbewerb auf den Nazi-Spruch aufmerksam gemacht, schritt aber nicht ein.
“Wenn man den laufenden Wettbewerb unterbrochen hätte, dann hätte man die jungen Leute erst recht in die Opposition gedrängt.”
Ein großartiges, in sich schlüssiges Argument. Das hat schon funktioniert, als in Sachsen-Anhalt das Tagebuch der Anne Frank dem Feuer übergeben wurde.
Nun muß aber der nächste Schritt folgen: Wettbewerbe unter dem Banner der Reichskriegsflagge und dem Absingen aller Strophen des Deutschlandliedes. Das kann man nicht verbieten. Sonst werden die jungen Leute zu Nazis. Aus Protest.
Blödian Nr. 4:
Die Mutter eines Mitgliedes der Freiwilligen Feuerwehr von Groß Gaglow. Sie fand das T-Shirt in der Wäsche.
“Na ja, gewundert habe ich mich schon (…) Aber das ist seine Sache.”
Man ahnt, welchen Satz die Mutter zu Protokoll geben würde, nachdem die Polizei das Kinderzimmer ihrer deutschen Leibesfrucht inspizierte, in dem meterhohe Hitler-Poster hängen: “Na ja, gewundert habe ich mich schon …”
Blödian Nr. 5:
Brandenburgs Innenminister Schönbohm. Er sieht keine Unterwanderung der ländlichen Feuerwehren durch Rechtsextremisten. Mit diesem Nicht-Blick steht er ganz allein. Das Einsickern der Neonazis in kommunale Einrichtungen wie Feuerwehren war in Sachsen erfolgreich und wird längst nach Brandenburg ausgedehnt.
Schönbohm hat eine andere Erklärung:
“Er beklagte aber ‘Defizite in Schule und Elternhaus’, wo offenbar zu wenig über die NS-Zeit informiert werde.”
Die Brandenburger Lehrer wurden größtenteils in der DDR sozialisiert und ausgebildetet. Die Eltern zwangsläufig auch.
Die DDR ist also schuld. Na bitte, geht doch.
Rainald Grebe dichtete:
Lassen Sie mich durch, ich bin Chirurg, ich muss nach Brandenburg
Nimm dir Essen mit, wir fahren nach Brandenburg
Wen man zur Ostsee, will muss man durch Brandenburg
Zum Abschluß ein Quiz bei einer Freiwilligen Feuerwehr in Brandenburg. Frage: Wie heißt die abgebildete Person?

Antworten [in Prozent]:
- [25,5] Mein Nachbar
- [22,3] Unser ABV
- [18,9] Der Klassenlehrer meines Kindes
- [14,2] Hauptlöschmeister Kasuppke
- [10,1] Hä? Noch nie gesehen
- [5,6] Angela Merkel in Bayreuth
- [2,4] Innenminister Schönbohm
- [1,0] Hubertus Knabe beim Fasching
Rainald Grebe dichtete:
Da steh’n drei Nazis auf dem Hügel
und finden keinen zum Verprügeln
In Brandenburg, Brandenburg
Ich fühl mich heut so leer
Ich fühl mich Brandenburg
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