2003 schaffte der Berliner Senat die Lernmittelfreiheit ab. Eltern wurden dazu verdonnert, bis zu 100 Euro pro Schuljahr für die Lernmittel ihrer Kinder zu löhnen.
Andere Bundesländer zogen gleich oder tarnten die Abschaffung als Büchergeld. In den folgenden Jahren veröffentlichte die OECD mehrere Studien zur deutschen Bildungskatastrophe. Sie bestätigten, was ohnehin bekannt war:
Die Mauer zwischen denen da unten, für deren Kinder ein Realschulabschluß das höchste der Gefühle ist, und denen da oben, deren Kinder auch bei größter Trottligkeit auf das Gymnasium empfohlen werden, wird in Deutschland breiter und höher.
Dumme Unterschichtler lassen sich leichter regieren. Strohdumme Unterschichtler werden aber zum Problem, wenn sie nicht mehr eigenhändig ihre Anträge auf Hartz-IV-Almosen ausfüllen können. Ein Minimum an Bildung muß deshalb auch den Kindern zugestanden werden, deren Eltern im sozialen Souterrain hausen.
Das sehen inzwischen auch jene Politiker ein, die die Situation durch ihrer Gesetzgebung erst eskalieren ließen:
“Kinder in bedürftigen Familien sollen nach dem Willen des Bundesrats bessere Leistungen bekommen. Die Länderkammer verabschiedete am Freitag in Berlin einen Antrag, wonach der besondere Bedarf von Kindern wie ein Schulessen oder Lernmittel stärker berücksichtigt wird.”
Vermutlich wird nun eine Kommission eingesetzt, die nach sorgfältiger Prüfung und eingehender Abwägung eine Erhöhung des Regelsatzes für bedürftige Kinder um 20,00 Euro pro Jahr empfiehlt. Bei gleichzeitiger Kürzung anderer Beihilfen um 30,00 Euro.
Die Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit ist jedenfalls nicht beabsichtigt.
“Die Lernmittelfreiheit geht auf Forderungen von 1848 zurück, als man Bildung unabhängig vom Einkommen der Eltern ermöglichen wollte.”
1848 fand in Deutschland eine Revolution statt. Diese Zeiten sind zum Glück passé, dank FDGO und Verfassungsschutz.
Denn kluge Kinder armer Eltern könnten die falschen Bücher lesen. Und das kann nun wirklich niemand wollen.
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