Scott Kelly
“The Wake”
(p) 2008, Neurot Recordings

Er bleibt ein ewiger Schattensucher. Scott Kelly, Gitarrist und Sänger von Neurosis, war noch nie ein Freund der Sonne. Weder mit Neurosis noch auf seinen beiden Solo-CDs, die er mit ganz kleinem Besteck aufnahm: Ein Mann und seine Gitarre. Acoustic Dark Country.
Mit morschem Timbre singt er über Themen, die Menschen wie du und ich nur aus ihren Albträumen kennen. Er singt zurückhaltend, leise, heißer, vor allem aber brüchig. Wobei das Wort “singen” keine wirklich treffende Beschreibung ist.
Die Stimme balanciert unentwegt zwischen Gänsehautgefühl und Absturz. Besonders wagemutig in den Songs Catholic Blood und Remember Me, bei denen der Hörer zittert und barmt, ob Kelly auch den nächsten und übernächsten Ton treffen wird.
Kelly einen begnadeten Sänger zu nennen, wäre lächerlich. Er ist ein von der Göttin der Inspiration geküßter Düstermann, der nicht viel mehr als seine Akustik-Gitarre braucht. Manchmal eine Slide-Gitarre oder einen Bass als Verstärkung. Aber nur selten.
Er zupft die Saiten geruhsam und bedächtig. Ein Akkord kann bei Scott Kelly schon mal eine gefühlte Ewigkeit ausschwingen. Gut Ding will Weile haben. Ein jegliches hat seine Zeit. Denn wenn The Wake im Player rotiert, finden Nebel, Raureif und Dunkelheit den Weg von ganz allein, um sich auf unsere bescheidenen Wohnhöhlen zu senken.

Scott Kelly, die eine der
beiden Stimmen von Neurosis
2 Kommentare ↓
Hmm, hmm, live scheint das eine etwas schwierige Sache zu sein:
http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/vertonte-depressionen/
GvH
“… wenn man aus Neugier - und wegen kostenloser Konzertkarten - zu einer Live-Darbietung eines gänzlich unvertrauten Künstlers geht.”
Das liebe ich ganz besonders. Diese Gästelistenschnorrer, die heute zu Scott Kelly, morgen zu Carmen Nebel und übermorgen zu einem anderen gänzlich unvertrauten Künstler gehen, weil es nichts kostet, sollen das machen, was sie können: ihren Arsch auf dem Redaktionsstuhl breitquetschen und mit dem Zeigefinger in der Nase bohren.
Musikfaschist Gückel hat selbstverständlich ein Profil im Angeberportal XING: http://www.xing.com/profile/Michael_Gueckel
Keine Witze über das Aussehen.
Mein Kommentar: