Steve von Till: A Grave Is A Grim Horse

Geschrieben von messitschbyburns am 28. Mai 2008 | Hörsturz, Neurosis


Steve von Till
“A Grave Is A Grim Horse”
(p) 2008, Neurot Recordings

steve_von_till_grave_s.jpg

Wenn wir dereinst in die Grube sinken; wenn Erde auf das Sargholz prasselt und Schwärze uns umfängt …

… dann möge Steve von Till im Schatten unter einem Buchsbaum sitzen, aus den Augenwinkeln unsere letzte Fahrt beobachten, die Gitarre auf den Knien halten, mit den Fingern über die Saiten streichen und für uns singen: A Grave Is A Grim Horse.

Steve von Till ist Gitarrist und Sänger von Neurosis. Nebenher betreibt er die experimentellen Ambient-Projekte Tribes of Neurot und Culper Ring. Das Zentralgestirn ist und bleibt aber Neurosis.

Was er dort nicht ausleben kann, landet auf seinen Solo-Alben. A Grave Is A Grim Horse ist das vierte, nach As The Crow Flies (2000), If I Should Fall To The Field (2002) und dem Projekt Harvestman (2005). Seine warme, extrem tiefe und sichere Stimme, die er bei Neurosis nicht selten wie die eines tödlich verletzten, urzeitlichen Wesens brüllen läßt, setzt er hier sehr sanft ein. Fast zärtlich grollen die Vokale aus seiner Whiskey-and-Cigarettes-Kehle. So zärtlich und tief wie bei Mark Lanegan, einem anderen Liebling dieses kleinen Blogs.

A Grave Is A Grim Horse ist Steve von Tills mit Abstand beste Solo-CD. Er spielt nicht nur eigene Songs, sondern covert Nick Drake (Clothes Of Sand), Mickey Newberry (Willow Tree), Townes Van Zandt (The Spider Song) und Lyle Lovett (Promises). Er schenkt uns ein unheilschwarzes Gebräu aus Country und Folk.

Das ist Musik, die man eigentlich von Bands aus dem Bestand von Glitterhouse Records kennt. Beklemmend, sehr langsam und gedehnt zelebriert; mit beunruhigender, leise auf- und abschwellender Slide-Gitarre, kleiner Orgel und dunklen Streichern. Zuweilen nähert er sich — vermutlich unbewußt — Codeine an, den leider vergessenen Helden aus der Zunft der Langsamspieler. Die Familie bleibt eben überschaubar.

Mehr als früher ergänzt Steve von Till die akustische Gitarre mit anderen Instrumenten und erweitert das Spektrum seiner Songs unaufdringlich, aber hörbar angenehm — ohne dabei fröhlicher zu werden.

Seine Welt ist die Nacht. Der Tod, der Mond, die Einsamkeit. Uralte Ängste und Beklemmungen. Klaustrophobie und Fatalismus.

Der letzte Song endet mit den Worten: What’s done is done. What’s gone is gone. Wie wahr.

steve_von_till_selbst_s.jpg

Steve von Till, die andere
der beiden Stimmen von Neurosis

Keine Kommentare ↓

Es gibt noch keine Kommentare. Sie können das ändern. Schreiben Sie einen Kommentar in das Formular.

Mein Kommentar: