Die Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof (ICAT) will einen neuen Volksentscheid über den Flughafen Tempelhof erzwingen. Sie legte beim Berliner Verfassungsgerichtshof Einspruch gegen das Ergebnis des Volksentscheids vom 27. April 2008 ein.
“Zur Begründung sagte der ICAT-Vorsitzende Andreas Peter am Montag, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) habe die Wähler unzulässig beeinflusst.
Wowereit hatte vor der Abstimmung mehrfach gesagt, auch ein erfolgreicher Volksentscheid könne die Schließung Tempelhofs im Oktober nicht abwenden. Andernfalls sei der geplante Großflughafen Berlin Brandenburg International juristisch in Gefahr.”
Oh mein Gott. Was für schlechte Verlierer.
Zuerst rotzte die ICAT eine irrwitzig teure und anmaßende Kampagne über Berlin und wehrte sich mit Händen und Füßen, ihre anonymen Geldgeber zu nennen.
Parallel dazu feuerten Springer und Holtzbrinck wochenlang ihre agitatorischen “pro Tempelhof”-Nebelbomben aus allen Rohren. Von Bild bis Tagesspiegel stand der nationalkonservative Rand Berlins geschlossen hinter der versuchten Volksverdummung.
Dann folgte der bittere Bauchklatscher vom 27. April. Prompt erklärten sich ICAT und angeschlossene Volkstribunen zu Siegern. Bis heute suggeriert die ICAT-Website eine Zustimmung von 60 Prozent der Berliner für Tempelhof:

Die Feinheit, daß zwar 60,2 Prozent der Teilnehmer am Volksbegehren, aber nur 21,7 Prozent der Stimmberechtigten für Tempelhof votierten, muß wohl in der Hektik der Danksagung untergegangen sein.
Allein — der in Selbsthypnose phantasierte Sieg der ICAT war so real wie ein One-Night-Stand zwischen Friedbert Pflüger und Heidi Klum. Nun sind die ICAT-Fuzzies aufgewacht, haben auf ihre feuchte Hose geblickt und begriffen: Volksbegehren gescheitert, Tempelhof wird geschlossen.
Das darf nicht sein, denkt die ICAT. Der Traum war doch so schön.
Denn Demokratie ist, wenn man so lange abstimmen läßt, bis das Ergebnis paßt. Der in den Sonntagsreden gern zitierte mündige Bürger wird das schon kapieren. Bisher ist es noch immer gut gegangen.
In Sachsen zog am Wochenende die NPD in alle Kreisparlamente ein. Die Empörung ist gewaltig. Wie konnte das passieren?
Man weiß es nicht. Man will es gar nicht wissen.
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