Sensation! Türken in Ostberlin!

Geschrieben von messitschbyburns am 11. Juni 2008 | Berliner Zeitung


Die Berliner Zeitung überraschte ihre Leser mit einer spektakulären Enthüllung. Sensationsreporterin Rana Göroglu deckte auf:

“Den Osten Berlins haben viele Türken früher gemieden. Jetzt eröffnen sie dort Geschäfte.”

Hätten Sie’s gewußt?

Wir schon. Wir wohnen schließlich im Neuland unterm Türkenhalbmond. Und wir fühlen uns sauwohl zwischen Türken, Kurden und all den anderen Nationen, denen Enthüllerin Göroglu sicher auch noch eine Gute-Nacht-Geschichte widmen wird.

Also alles im Lot. Nur eine Frage haben wir an Rana G., wenn’s beliebt: Wann beginnt “Jetzt”? Im Juni 2008? Im Januar 2008? Noch früher?

“Jetzt” bedeutet doch, daß die Urbanisierung Ostberlins durch wagemutige türkische Pioniere relativ frisch ist, oder?

Das deckt sich aber nicht mit unseren Erfahrungen. Der erste türkische Ladenbesitzer, den wir persönlich in Ostberlin begrüßen durften, siedelte sich im Juli 1990 ca. 500 Meter neben unserer Redaktion an. In der Marienburger Straße. Das ist die verlängerte Wörther Straße. Kommt dir diese Straße bekannt vor, Rana? Vielleicht aus deinem eigenen Artikel?

“Die Aydemirs aus Kreuzberg sind ganz neu im Viertel. Einige der Vitrinen in ihrem Laden für Designuhren und Schmuck, den sie in der Wörther Straße in Prenzlauer Berg eröffnet haben, sind noch leer.”

Der uns namentlich leider nicht bekannte Türke war lange Zeit der einzige freundliche Geschäftsmann in unserer Gegend. Bis andere Türken, Kurden, Vietnamesen, Japaner, Chinesen, Koreaner, Inder, Italiener und Franzosen nachzogen.

Das war 1991. Seit den 90er Jahren sind wir mit türkischen Bäckereien, Gemüseläden, Cafés, Schneidereien, Imbißläden und Spätverkäufen reichlich versorgt.

Wie kann das sein? Gibt es Phantom-Türken?

Eigentlich nicht. Und jetzt halt dich fest, Rana. Wir haben dir was mitgebracht. Eine kleine Überraschung:

“Längst verbirgt sich türkisches Leben auch da, wo man es nicht vermutet: in unzähligen Discount-Bäckern, die in Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg aus dem Boden schießen und alles außer türkischen Backwaren im Angebot haben, in Kneipen und Cafés rund um die Simon-Dach-Straße und den Kollwitzplatz, oder beim Italiener um die Ecke. Es ist durchaus möglich, dass die Stamm-Pizzeria vorübergehend wegen ‘Umbauten’ schließt, um danach als kurdisches Restaurant wiederzueröffnen, dessen Besitzer nun nicht mehr Luigi sondern Yavuz heißt.”

Diesen Text über das türkische Leben in Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg veröffentlichte die ZEIT in ihrer Online-Ausgabe 41/2005. Geschrieben von Rana Göroglu.

Hast du sicher vergessen. Macht nichts. Auf uns ist Verlaß.

Eine Frage haben wir doch noch, wenn’s beliebt: Wärmst du dein innerdeutsches Chauvinismus-Gewichse von Türken, die in Westberlin leben und in Prenzlauer Berg “Angst (haben), dass man bei Behördengängen schlecht behandelt werden könnte oder dass es zu Übergriffen kommt”, regelmäßig auf? Vielleicht im Abstand von drei Jahren? Haben wir also bis 2011 Ruhe vor deinem Stammtisch?

Dann bedanken wir uns bei dir recht herzlich.

2 Kommentare ↓

#1 Alexa Kaufhof am 11.06.08 um 13:12

Ha, ha. Dieses Artikel-Recycling ist wirklich ein geniales Geschäftsmodell. Ich habe den Eindruck, die “Print-Medien” sind dabei, sich selbst abzuschaffen.

Was für Alternativen gibt es eigentlich noch? Tagesspiegel scheidet aus, taz…….

#2 messitschbyburns am 11.06.08 um 14:29

Die Gute schreibt auch für Zitty. Dort kann sie ja den Text zum dritten Mal unterbringen.

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