Mensch, Maschine …

Geschrieben von messitschbyburns am 20. Juni 2008 | Musik


Da schickt der Tagesspiegel zwei Sportredakteure zu dir, um dich über die Puhdys zu interviewen. Ein Plauderstündchen bei Kaffe und Keksen. Als alter Profi konntest du die dümmlichen Zoni-Ausfälle der beiden Wichte flott parieren.

Bis zu diesem als Frage getarnten Ossi-Vorwurf:

“Wie lebt es sich mit dem Ruf einer ehemaligen Staatsband?”

Statt zurückzufragen: “Wie lebt es sich mit dem Ruf eines Mietmauls für Holtzbrincks nationalkonservatives Propagandablättchen?” hast du dich aufs Glatteis führen lassen:

“Was heißt hier Staatsband? Die Puhdys waren schon immer eine Rockband und keine Staatsband, aber wir waren und sind noch immer politisch interessierte Menschen.”

Mensch, Maschine! Die beiden Pappnasen, die sonst nur an Arne Friedrichs Socken schnüffeln dürfen, interessierte doch einen feuchten Kehricht, was du denkst.

Statt dessen lieferst du, was die Pimpfe der Wehrsportgruppe Casdorff hören wollten: Eine Rechtfertigung. Der Zoni entschuldigt sich demütig für sein verkorkstes Leben im finsteren Land hinter dem Stacheldraht. Das ist Konsens im Loch an der Potsdamer Straße.

Erinnerst du dich, als wir Anfang 1992 zum Interview an deiner Haustür klingelten? Damals wollte kein Mensch mehr auf die Puhdys wetten. Wir auch nicht. Die PUHDYS! Ein rotes Tuch für uns, roter als der rote Stern auf Jelzins Kreml.

Aber etwas fiel uns auf. Ihr habt aus eurer Verflechtung mit dem offiziellen, parteigelenkten Kulturbetrieb der DDR, euren Auftritten auf FDJ-Festivals, bei Weltfestspielen und weiß der Geier wo, nie einen Hehl gemacht. Ihr sagtet einfach: Okay, wir haben mitgemacht.

Das hat uns gefallen. Denn nichts ist peinlicher als das gepimpte Oppositions-Gesülze von SillyCityPankow. Die haben mit euch im PdR gespielt, vor Handgelenktaschen, Blauhemden und Bundjacken. Inzwischen leiden sie unter Gedächtnislücken. Als Lohn dürfen sie im MDR auftreten und manchmal auch im ZDF, nach Mitternacht.

Wir haben damals mit euch gesprochen und das Interview in Heft 2/1992 veröffentlicht. Mit großem Vergnügen. Keine andere Staatsrock-Band der DDR hat es außer euch in die Messitsch geschafft. Kannste stolz sein.

Und jetzt lavierst du. Ausgerechnet für die Pro-Tempelhof-Postille. Natürlich habt ihr Staatsrock gemacht — was sonst?

Wir werden auch in Zukunft keine CDs von euch kaufen. Die legendäre Puhdys 1, den Sampler Hallo 1 und eure Raritäten haben wir schon. Das ist genug, den Rest brauchen wir nicht. Ob euch das juckt oder nicht, ist schnurz. Aber steht gefälligst zu eurem Leben, ihr Säcke!

Und schickt uns zwei Freikarten für euer Konzert in der O2 World.1

  1. Das war ein Scherz! []

1 Kommentar ↓

#1 andreas am 15.02.09 um 23:00

Sicher ist nichts peinlicher als wenn sich da Staatsrocker vom Schlage Karat damals an der Radrennbahn beim Open-Air als “Dissidenten” outen , das Gelächter des - bei Karat “überschaubaren” Publikum war groß…!

Das mir das aber solch Fettaugen a la Puhdys nun sympatischer macht, weil die zugeben oben auf der Ostzonalen Suppe geschwommen zu sein, kann ich nicht sagen…
Die Peinlichkeit der Puhdys erwächst aus dem selben Umstand wie die der Stones - immer wieder eine “letzte Tournee” statt ENDLICH “Rockerrente”…
Wobei das peinliche eines Richards noch das lustig-väterliche anmutet, und im Gegensatz zu den Puhdys kann ich bei den Stones auf Tonträger zurückgreifen die wirklich den Namen Rock& Roll verdienen.

Im übrigen was hat er gegen Sportreporter? Also ich würde lieber an Friedrichs Socken riechen als an Meyers Stützstrümpfen…;-)
Sport - Hertha und UNION ! auf Platz 1 zählt mir mehr als das Gesamtwerk der Puhdys.

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