Malte Lehmings täglicher Lacher (7)

Geschrieben von messitschbyburns am 13. Juni 2008 | INSM, Lehming


Am 05. Juni gab Dieter Bohlen einem Abgesandten der Mallorca Zeitung ein Interview. Eine Woche später schlagzeilte das Blatt: “Bohlen sucht politisches Asyl auf Mallorca.”

Das ist nicht ganz korrekt, weil Bohlen nur ankündigte, eventuell in naher Zukunft nach Mallorca auswandern zu wollen — aber “Bohlen sucht Asyl” klingt so schön dramatisch. Als stünde er bereits mit gepacktem Schminktäschchen auf dem Flughafen.

Bohlen nannte für seine angedrohte Immigration einen einzigen Grund: Oskar Lafontaine.

“Wenn der Lafontaine kommt, bin ich weg, dann gehe ich nach Spanien.”

Die Mallorca Zeitung ergänzt:

“Und wenn in Deutschland im nächsten Jahr ‘die Linken die Macht übernehmen’, dann will der Komponist künftig sogar ganz auf der Insel bleiben.”

Den Komponist ängstigt also eine Kanzlerschaft von Oskar Lafontaine. Oder eine Vizekanzlerschaft. Oder eine irgendwie geartete Regierungsbeteiligung der Linkspartei im Kanzleramt.

Das ist zwar so unwirklich wie ein korrekt gesungener Ton aus Bohlens Kehle, entspricht aber durchaus dem Bild, das Bohlen von sich selbst zeichnet. Bei ihm existiert eine phänomenale Übereinstimmung zwischen Klischee und Realität: Der doofe Dieter aus Tötensen.

Dabei könnte man es bewenden lassen.

Nicht so der Tagesspiegel. Dort greift die Wehrsportgruppe Casdorff nach jedem Körnchen, aus dem eine tagespolitische Analogie contra Links gequetscht werden kann — und sei sie noch so schief.

Deshalb bläst der Neue Rechte Bänkelsänger Malte Lehming das Körnchen zur Schrippengröße auf und dichtet:

“Deutsche, die aus politischen Gründen ihr Land verlassen müssen: Dieser Vorgang hat eine unselige Tradition in der deutschen Geschichte.”

Angeblich planen außer Bohlen auch Frank Plasberg, Günther Jauch, Anne Will, Miriam Meckel, Michel Friedman, Heidi Klum und Iris Berben die Flucht ins Ausland, falls “Lafontaine an die Macht kommt.”1 Das behauptet Brandredner Lehming und tut ob dieser Aussicht ganz schockiert:

“Es wären einige der besten, die unser Land verliert.”

Einige der Besten: Klum, Bohlen, Jauch, Plasberg. Und Friedman, der überführte Lügner, Kokser und Frauenbeglücker. Wer dieses Panoptikum deutscher Demenz als Parade der Besten vorführt, ohne die Sache in einem Witz aufzulösen, ist nicht mehr bei Verstand.

Vor allem aber verhöhnt Lehming mit diesen sich selbst bejammernden Elendsfiguren, die sich ausschließlich um die Unantastbarkeit ihres Vermögens sorgen, all jene, die Deutschland aus wirklich politischen Gründen verlassen mußten, um ihr nacktes Leben zu retten — nicht nur in der Nazizeit. Die deutsche Geschichte ist nicht arm an repressiven Herrschern und Regierungen, an Sozialistengesetzen und Kartätschenprinzen.

Diese Schicksale echter politischer Flüchtlinge, die sich bestenfalls mit einem Koffer in der Hand über die Grenzen schleichen oder auf Auswandererschiffen ins Unterdeck zwängen konnten, setzt Lehming mit den Luxussorgen von Bohlen, Klum und Friedman vor einem neuen Höchststeuersatz gleich. Was für eine gedruckte Arroganz.

Die Person Lafontaine aber gezielt mit der politischen Verfolgung Andersdenkender in Deutschland zu verknüpfen, ist nicht nur unter aller Sau. Es dokumentiert, wie verkommen die nationale deutsche Sturmfront um Casdorff, Lehming, Appenzeller, di Lorenzo und — Millionen Euro stehen hinter ihm — von Holtzbrinck inzwischen ist.

Kein Rest Zivilisiertheit, kein Funken Anstand. Moralisch verlottert, intellektuell verkümmert. Wenn es gegen Rot geht, werden die Reihen fest geschlossen. Die Denunziation des politischen Gegners, der ihnen so sehr verhaßt ist, kennt keine Schranken mehr.

Einer derjenigen, die wegen ihrer klaren politischen Haltung aus Deutschland flüchten mußten, hieß Heinrich Heine. Man setze seinen Namen zu Lehmings Liste abgefuckter Hohlschädel: Der Revolutionär Heine vs. INSM-Struller Jauch. Das ist nicht mal mehr arrogant.

Das ist nur noch dünner, brauner Durchfall.

  1. Das Wort “Machtergreifung” spart sich Sturzkampfbomber Lehming für den Tag nach der Saarland-Wahl auf []

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