Was macht eigentlich … Thomas Leinkauf?

Geschrieben von messitschbyburns am 17. Juni 2008 | Birthler/Gauck, Bommarius, Knabe, Rogalla, Thomas Leinkauf


Lange nichts gehört. Dabei sollte eine eilig gezimmerte Kommission überprüfen, was Leinkauf schon 1996 erklärte: Er war IM.

Die Kommission schweigt. Vielleicht denkt ihr Chef Johannes Weberling darüber nach, wie er seinen eigenen Interessenkonflikt überpinseln kann. Denn Weberling war im Jahr 1996 Personalchef des Berliner Verlages und damit der Berliner Zeitung — ausgerechnet 1996, als sich Leinkauf seinem Chefredakteur Michael Maier als IM offenbarte.

Heute meint Weberling, erzählen zu müssen, er hätte nichts gewußt. Er möchte uns glauben machen, daß Chefredakteur Maier das Geständnis von Leinkauf nicht mit seinem Personalchef teilen wollte.

Ein glücklicher Mensch, dieser Weberling. So ahnungslos und frei von Informationen — als Personalchef eines Großverlags, mitten in jener Zeit, als die Stasi-Hysterie McCarthy’sche Dimensionen anzunehmen drohte.

Leinkauf ist in der Redaktion nicht mehr erreichbar, laut Impressum aber immer noch Leitender Redakteur und Ressortleiter Magazin:

leinkauf_impressum_ss.jpg

Das Impressum beizubehalten, könnte eine kluge Maßnahme sein. Wozu ändern, was dann erneut geändert werden müßte. Denn ob Leinkauf rausgeworfen werden kann, entscheiden vielleicht die Gerichte. Oder Leinkauf selbst, falls er es vorzieht, das Kollektiv selbstgefälliger Palmwedler freiwillig zu verlassen.

Auf keinen Fall liegt die Entscheidung in der spinnerten Allmacht von unserem Held Knabe. Auch nicht in den Händen des kleinen Wüterichs Christian Bommarius, dessen Ossi-Akne wieder puderrot anschwoll, so dick wie ein Zierkürbis.1

Bommarius stoppelte einen Brief zusammen, in dem er nicht nur Leinkauf und den früheren Chefredakteuren zürnte, sondern der längst verstorbenen und an Bommarius’ Psychosen wahrlich unbeteiligten Jenny Gröllmann aufs Grab spuckte. Der Brief las sich wie ein Bewerbungsschreiben von einem, der glaubt, sich nur laut genug von seinem Ost-Blatt distanzieren zu müssen, um endlich bei der Süddeutschen Zeitung reüssieren zu können. Einmal muß es doch klappen, Himmel Sakra!

An seiner Seite glitscht der Sprecher des Redaktionsausschusses, Thomas Rogalla, durch den Schlamm. Rogalla verdingte sich früher als Sprecher der Gauck-Behörde. Das qualifiziert ihn als absolut neutralen und unvoreingenommenen Beobachter in puncto Staatssicherheit. Ein guter Mensch im Gloriolenschein Ihrer Heiligkeiten Gauck und Birthler. Mit einer garantiert sauberen Stasi-Akte.

Als die Redaktionskonferenz Paul Kaisers Artikel über unseren Held Knabe besprach, hörte man von Rogalla keinen Widerspruch. Das Glück des Büroschläfers: Dämmert er im richtigen Moment weg, muß er sich später an nichts mehr erinnern.

Dagegen wird Rogalla sehr munter, wenn seine heimliche Herrin Hilfe benötigt. Marianne Birthler, die Nachfolgerin des Rogalla-Fütterers Gauck, wird in der Berliner Zeitung umsorgt wie keine andere. Von Rogalla persönlich.

Ob bei der publizistischen Lancierung des Birthler’schen Sensationsfundes Schießbefehl, der blitzschnell wie ein heißes Würstchen platzte; ob bei der Abwehr drohender Gefahr für Birthlers Ministerium der Wahrheit; ob bei den jährlichen Gysi-Festspielen — auf Rogalla ist Verlaß.

Am 02. April übergab er seiner Freundin Marianne als Geschenk einen Stoß mit 85 Anträgen auf Akteneinsicht. Rogalla nutzte das melodramatische Moment, um die Redaktion der Berliner Zeitung fast geschlossen zu Birthlers Kristallkugel zu bitten. Den einmaligen psychologischen Druck konnte sich Rogalla unmöglich entgehen lassen: Du möchtest nicht mitmachen? Kein Problem, Kollege. Wir werden die nötigen Schlüsse ziehen.

Eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Frau Birthlers Schnipseljäger, an deren Ende stehen wird: Keine neuen Erkenntnisse — aber ein paar Verdächtigungen gefällig?

Ach ja, die Frage: Was macht eigentlich Thomas Leinkauf?

Am 28. März schrieb SPON:

“Die Chefredaktion der ‘Berliner Zeitung’ hat erklärt, dass Leinkauf wegen seiner ‘vorübergehenden Beziehung zur Staatssicherheit’ keine beruflichen Sanktionen zu befürchten habe.”

Nach unseren Informationen steht Leinkauf nach wie vor auf der Gehaltsliste des Berliner Verlages, darf seinen Job aber nicht mehr ausüben. Seine Email- und Telefonanschlüsse sind gekappt. Das Online-Archiv wurde gesäubert: Leinkauf ist als Autor weitgehend ausgelöscht.

Sanktion ist ein häßliches Wort. Die Redaktion nennt es Freistellung.

  1. Warum Menschen mit einer liebevoll gepflegten Ost-Phobie unbedingt bei einer Ostberliner Zeitung arbeiten möchten, bleibt wohl eines der großen Rätsel dieses Landes. Man könnte ebenso gut einem Veganer raten, Schlachthöfe zu inspizieren — und sich über dessen Ekel wundern. []

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