Der SPIEGEL-Verlag und seine Trabanten SPIEGEL ONLINE GmbH und SPIEGELnet GmbH sind nicht amüsiert. ARD und ZDF betreiben eine schamlose Online-Expansion, jammert SPON. Die Öffentlich-Rechtlichen wollen sich im Internet breit machen. Ein kräftiges Buh!
Denn das Internet gehört den Privaten. Also zuerst dem SPIEGEL-Verlag und seinen Trabanten SPIEGEL ONLINE GmbH und SPIEGELnet GmbH. Dann noch mal dem SPIEGEL-Verlag. Sollte ein Stück vom Internet übrigbleiben, dürfen sich FAZ, Focus, Stern, Süddeutsche Zeitung usw. usf. darum balgen.
Das ist — etwas verkürzt — der Stand im derzeitigen Kampf von ARD und ZDF um einen neuen Rundfunkstaatsvertrag und ihre Präsenz im Internet. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes und EU-Medienkommissarin Viviane Reding werden wohl den Öffentlich-Rechtlichen alles verbieten, was sich nicht verbieten läßt. Damit blieben sie immerhin der Marktradikalität treu, die die EU seit Jahren forciert.
Weil sich der SPIEGEL-Verlag mit SPON seine eigene Flüstertüte hält, kann er seine Kampagne gegen die Online-Pläne von ARD und ZDF gleichmäßig am Kochen halten. Vor allem, wenn sich die ARD äußerst ungeschickt anstellt.
Unter dem sinnigen Titel “Quoten, Klicks und Kohle” lief in der ARD eine Reportage über privaten und öffentlich-rechtlichen Journalismus im Internet. Der Film war ziemlich übel, sendete sich weg und ist vergessen.
Nicht jedoch für SPON. Gleich zwei Schreibknechte werden verballert, um einen Beitrag aufzuplustern: Die ARD ist ein ganz schlimmer Finger. Die mißbrauchen ihre Anstalt für Werbung in eigener Sache. Da muß man kräftig draufhauen. Sonst nehmen die uns den süßen Online-Kuchen weg. Das ist aber unser Kuchen!
Nun ist es ja nett, daß SPON kritisch reagiert, wenn merkwürdige, einseitige und voreingenommene Berichte oder Reportagen in ARD und ZDF laufen. Leider vermissen wir die gleiche Emphase von SPON bei merkwürdigen, einseitigen und voreingenommenen Berichten oder Reportagen in ARD und ZDF, die sich mit Computerspielen im Allgemeinen und sogenannten Killerspielen im Besonderen befassen. Da schweigt Deutschlands meiste News-Website.
Deshalb müssen wir annehmen, daß der SPIEGEL-Verlag weniger am gepriesenen investigativen Journalismus interessiert ist — sondern sein hauseigenes Medium SPON für die Verteidigung des Platzes am Freßnapf Internet mißbraucht.
Schade. Aber nicht verwunderlich.
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