Deutschland feiert den zweiten Platz!

Geschrieben von messitschbyburns am 29. Juni 2008 | 1. FC Lokomotive Leipzig, Immer wieder sonntags


Es ist vollbracht: Mit einer Ausnahmeleistung besiegte die Mannschaft ihren Gegner nach Punkten. Die Republik steht Kopf, der Jubel kennt keine Grenzen. Jetzt geht das Sommermärchen weiter.

Vor der Saison 2007/2008 gab es erhebliche Zweifel, da die Mannschaft gegenüber dem Vorjahr nur wenig verändert wurde. Am Saisonende stand man jedoch auf dem zweiten Platz - dieser berechtigte zum Spiel um den Aufstieg in die Oberliga.

Bereits vor dem Anpfiff feierten die 9.949 Fans ihre Mannschaft, allen voran Trainer Rainer Lisiewicz. Immer wieder schallten “Lisiewicz, Lisiewicz”-Sprechchöre durch das Stadion. Auf unzählbaren Plakaten wurde der 58-Jährige aufgefordert, seinen Vertrag als Trainer zu verlängern.

Nach dem 0:1-Rückstand gab es angstvolle Gesichter auf der Bank und kurzzeitig lähmende Stille im Rund. Ein weiterer Treffer der Gäste hätte das Aus für die Lisiewicz-Truppe bedeutet. Sie kämpfte im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Umfallen.

Am Ende setzte sich der 1. FC Lokomotive Leipzig in der Relegation gegen den Zweiten der Landesliga Mecklenburg-Vorpommern, FC Schönberg 95, mit einem 2:1 Auswärtssieg und trotz einer 0:1 Heimniederlage am 22. Juni 2008 durch.

Trainer Lisiewicz genoss den Erfolg. “Nach dem Hinspielsieg denkt man eigentlich, da kann nichts mehr schief gehen. Aber wir mussten am Ende doch bangen. Schade, dass uns das 1:0 nicht gelang. Wir haben allerdings ergebnisorientiert agiert und wenig anbrennen lassen”, meinte der 58-Jährige ganz ruhig, während zehn Meter neben ihm Spieler und Verantwortliche jubelten, der Sekt in Strömen floss.

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Nun hat es der Europacup-Finalist von 1987 wirklich geschafft. Der Durchmarsch geht weiter. Im Februar 2004 war sein Vorgänger VfB Leipzig, der in der Saison 1993/94 noch in der Bundesliga gespielt hatte, dank einiger windiger Finanzjongleure zum zweiten Mal insolvent gegangen.

Am 10. Dezember 2003 gründeten VfB-Leipzig-Fans den neuen 1. FC Lokomotive Leipzig. Die Mannschaft versuchte in der untersten Spielklasse, der elften Liga, den Neuanfang. Jetzt gelang dem früheren DDR-Spitzenklub der vierte Aufstieg in Folge, von der dritten Kreisklasse (11. Liga) in die Oberliga - zwischendurch wurden drei Ligen durch eine Fusion übersprungen.

Die neuen Gegner in der Oberliga heißen: Meuselwitz, Gera, Markranstädt, Halberstadt, Borea Dresden, Auerbach, Jena II, Eilenburg, Bautzen, Zwickau, Pößneck, Erfurt II, Aue II, Wolfen und Magdeburg II.

Der 1. FC Lokomotive Leipzig ist vierfacher FDGB-Pokalsieger, dreifacher DDR-Vizemeister, Halbfinalist im UEFA-Cup (1974 gegen Tottenham Hotspur), Finalist im Europapokal der Pokalsieger (1987 gegen Ajax Amsterdam) und Sieger im UI-Cup 1966.

Lok Leipzig hält mit 12.421 Besuchern den Zuschauerweltrekord bei einem Punktspiel in der niedrigsten nationalen Spielklasse (am 9. Oktober 2004 gegen Eintracht Großdeuben II).

Wohin führt der Weg noch? “In zehn Jahren holen wir die Champions League”, sagt der Trainer, um dann doch ernst zu werden. “Realistisch ist, in zwei bis drei Jahren in die dritte Profiliga zu kommen. Danach ist alles möglich im deutschen Fußball, wie es das Beispiel Hoffenheim zeigt.”1

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Die Helden des Aufstiegs. Rechts außen Trainer Lisiewicz.

  1. Fußball-Kennern wird aufgefallen sein, daß dieser Text eine Montage aus mehreren Sportberichten ist — neben der Lok-Leipzig-Aufstiegs-Prosa aus der regionalen Presse u.a. aus Berichten über die Fußball-WM 2006 und EM 2008. Die Artikel von Sportjournalisten sind auf wunderbare Weise austauschbar. Der sagenhafte Aufstieg von Lok Leipzig aus der 11. Liga in die Oberliga ist allerdings real. []

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