Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band
“13 Blues For Thirteen Moons”
(p) 2008, Constellation Records

Oh, wie schön ist Kanada. Nicht das allseits geschätzte Schweden ist das popmusikalische Kreativzentrum der Welt, sondern Kanada. Kein anderes Land produziert eine so enorme Anzahl solistischer Wunderlinge, ausufernder Kollektive und sich ständig findender, auflösender und neu gründender Kollaborationen.
Wer Kanada sagt, muß auch Godspeed You Black Emperor! sagen. Von dort führt der Weg über Efrim Menuck, einen der GYBE-Gründer, zu Silver Mt. Zion. Er und seine GYBE-Kollegen Sophie Troudeau und Thierry Amar gründeten Silver Mt. Zion 1999 als experimentellen Post-Punk-Rock-Ableger der experimentellen Postrock-Band GYBE.
Wie im Mutterhaus knauserte Efrim auch bei Silver Mt. Zion nicht mit Musikern. Während GYBE zeitweise bis auf 15 Mitglieder anschwoll, formte er bei Silver Mt. Zion einen Stamm aus sieben Musikern. Wobei Änderungen der Bandstärke eher die Normalität als die Ausnahme sind.
Ein kurzer Überblick über die Namensgebung. Efrim benennt seine Band regelmäßig um: The Silver Mt. Zion Memorial Orchestra and Tra-La-La Band with Choir, A Silver Mt. Zion, Thee Silver Mountain Reveries und nun Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band. Wir kürzen der Einfachheit halber auf Silver Mt. Zion ab.
Ähnliches praktizert er übrigens mit GYBE: Godspeed You Black Emperor!, Godspeed! You Black Emperor, Godspeed You! Black Emperor. Man beachte die Binnenwanderung des Ausrufezeichens.
Das klingt leicht überspannt, aber wie das große dicke Ehrenwort formulierte: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Und das ist in diesem Fall allererste Sahne.
Silver Mt. Zion war zu Beginn die Vokalvariante der überwiegend a capella spielenden GYBE. Davon hat sich die Band emanzipiert. Während GYBE seit 2003 pausieren, erfreuen uns Silver Mt. Zion mit unregelmäßigen Veröffentlichungen. Und an dieser Stelle müssen wir betrübt konstatieren: Die jüngste ist die schwächste.
Ein droniges Feedback-Pfeifen aus zwölf sekundenkurzen, ineinander übergehenden Sequenzen leitet die CD ein. 72 Sekunden Lärm, gefolgt von vier Songs in der Zion-typischen Länge zwischen 13 und 16 Minuten. Wieder verstört Efrim mit seinem hochdramatischen, charismatischen Falsett. Man hofft inständig, daß ihm nicht eines Tages der überanstrengte Kehlkopf aus dem Hals springt.
Efrim ist ein männliches Klageweib, dessen Band nicht ohne Grund Silver Mt. Zion heißt. Er bekennt sich zu seiner jüdischen Religion, auch musikalisch. In einer früheren Zeit hätte man ihn womöglich als alttestamentarischen Propheten zuerst verehrt und dann gesteinigt.
Die vier Songs enthalten von Kakophonie bis Ohrwurm alles, was man an Silver Mt. Zion kennt und schätzt. Silver Mt. Zion leben und sterben mit dem Riff. Die Band ist darin geübt, Riffs minutenlang nur minimal zu variieren — und dann den Song ohne Rücksicht auf Hörgewohnheiten so lange zu zerlegen, bis der geneigte Hörer seine Stirn freiwillig an der Wand blutig schlägt. Anschließend trällert die Band den süßesten Kinderliedrefrain, bei dem der geneigte Hörer zufrieden das kühlende Tuch auf die blutige Stirn legt.
Die hochkomplexe Lyrik wird wieder von bohrenden, quietschenden, sich gegenseitig störenden und im Wohlklang vereinenden Violinen, Kontrabaß, Cello und Orgel eingerahmt. Das Schlagzeug rollt kraftvoll, und Efrim erlaubt sich als Gitarrist sogar einen ganz kurzen Ausflug zu Pink Floyds One Of These Days-Geschudder und zu Neil Youngs tiefen, verstärkergesättigten Übersteuerungen.
Aber: Die Vorgängeralben Horses In The Sky (2005) und This Is Our Punk-Rock (2003) sind von ganz anderem Kaliber. 13 Blues For Thirteen Moons wirkt wie ein Intermezzo, wie das Warten auf das nächste Gewitter. Ein kurzes Aufflackern, aber kein Feuersturm.
Wir wissen nicht, was Efrim in Zukunft plant, hoffen aber das Beste. Wenn ihm Silver Mt. Zion eines Tages nicht mehr spannend genug ist, hat er immer noch GYBE und sein eigenes Aufnahmestudio Hotel2Tango. Die Liste der dort produzierten Bands ist beruhigend. Dieser Mann geht uns als Musiker und Poduzent nicht verloren.

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band.
Der bärtige Mann im Hintergrund ist Efrim Menuck.
1 Kommentar ↓
Wer Kanada sagt, muß aber auch RUSH sagen …
GvH
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