Das Neusprech im neoliberalen Konsortium Spiegel-Bertelsmann1 macht große Fortschritte. Besonders bei SPON.
SPON-Autor Patalong begriff heute mit 24stündiger Verzögerung, daß der hauseigene Praktikant Wieschowski, der uns schon früher als grenzdebile Trottellumme amüsierte, auch gestern kläglich versagte.
Ein New Yorker Bezirksgericht verurteilte YouTube, sämtliche Logfiles der YouTube-Nutzer an den Medienkonzern Viacom herauszugeben (d.h., die Dokumentation, unter welcher IP-Nummer wann wie lange welches Video angeschaut oder ein Video eingestellt wurde. Aus den IP-Nummern die Klarnamen der Nutzer zu ermitteln, wird dank der Vorratsdatenspeicherung zum Klacks).
Diese Entscheidung ist in ihrer Wirkung so bedeutend wie ein Widerruf der universellen Menschenrechte durch die UN-Vollversammlung. Sie begräbt endgültig jede Illusion über Datenschutz im Zeitalter multinationaler Konzerne.
Bei Wieschowski verschwand das epochale Urteil in einem launigen Sammelsurium zwischen Ebay, Apple und Obama. Heise war wieder mal einen Tag schneller.
Patalong bemühte sich nun, die peinliche Panne mit einem kritischen und ausführlichen Artikel zu reparieren. Dabei führte er sich selbst ad absurdum. Vermutlich unbewußt trällert er munter drauflos:
- Raubkopien
- raubkopiertem Material
- Raubkopie
- Raubkopie
- Raubkopie
- Raubkopie
- raubkopierte Inhalte
Patalong schwenkt als letzter Mohikaner bei SPON die Fahne des Datenschutzes. Einerseits.
Andererseits übernimmt er wie selbstverständlich die Sprache seiner Konzernchefs, mit der vor allem Bertelsmann unter dem Vorwand angeblicher Verluste durch Filesharer die Aufspaltung des Internets in nationale Segmente, die 24/7-Überwachung des Surfverhaltens, die Installierung staatlicher Filter und die noch schärfere Kriminalisierung der Internet-Nutzer mit aller Macht durchzusetzen gedenkt.
Das Kunstwort “Raubkopie” wurde von den ultrakonservativen Think Tanks nicht kreiert, um tatsächliche Tatbestände in Worte zu fassen. Es ist ein Vehikel für die vollständige Hysterisierung der Gesellschaft.
Wer den Computer einschaltet, soll sich nie mehr sicher sein, nicht gegen Gesetze zu verstoßen. Er soll die Angst im Nacken spüren, immer und ständig beobachtet zu werden. Die Fahndung nach angeblich illegalen Filesharern wird man in sehr naher Zukunft auf die Protokollierung und Identifizierung der Leser von regierungskritischen Seiten wie indymedia und jungewelt ausweiten. Was das für Folgen hat, kann sich jeder denken.
Patalong macht sich über ihre Sprache zum Büttel der marktradikalen Schleifer der Grundrechte. Vielleicht, ohne es zu merken. An der eigenen Korrumpierung ändert das nichts. Die dürfte abgeschlossen sein.
- Die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr ist mit 25,5 Prozent am Spiegel Verlag beteiligt. Damit besitzt Kriegsgewinnler Bertelsmann (“Wir funken für Franco”) eine Sperrminorität beim Spiegel Verlag. Man hängt es aber nicht an die große Glocke. Der Leser soll glauben, Spiegel und Bertelsmann seien grundverschiedene Verlage. [↩]
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