Die Bayern betrachten sich als klügstes, schönstes, erfolgreichstes, fleißigstes, höflichstes, elegantestes, kultiviertestes, gebildetstes und reichstes Volk Deutschlands.
Zu Recht!
Günther Beckstein, der klügste, schönste, erfolgreichste usw. Ministerpräsident Deutschlands, hat in der vergangenen Woche das bayrische Polizeiaufgabengesetz um die Erlaubnis ergänzen lassen, auf den Computern seiner Altbayern, Franken und Schwaben heimliche Online-Durchsuchungen vornehmen zu dürfen. Alles zu unserem Besten, wegen Terrorabwehr und so. So klug sind nur die Bayern!
Bravo, Günther!
Außerdem möchte Günther Beckstein, der klügste, schönste usw. Ministerpräsident Deutschlands, seinen Polizisten gestatten, bei Gefahr in Verzug ohne richterliche Anordnung in private Wohnungen einzubrechen, um auf privaten Computern einen amtlichen bayrischen Trojaner zu installieren.
Und wenn die Staatsdiener das Paßwort1 des Computerbesitzers geknackt (was wir ihnen natürlich von Herzen wünschen — wie sollten sie sonst ihre Pflicht erfüllen?) und den Computer erfolgreich gestartet haben, möchte ihnen Günther Beckstein gestatten, Daten auf privaten Festplatten zu löschen oder zu verändern.
Bravo, Bravo!
Das ist der Weitblick eines genialen Ministerpräsidenten: Wenn die Beamten schon in fremden Wohnungen an fremden Computern sitzen, können sie die Zeit nutzen, um ein wenig Belastungsmaterial zu hinterlegen. Das klappt Eins fix Drei: Einen Ordner “Privat” angelegt, ein paar Bombenbau-Bilder von der mitgebrachten Dienst-DVD hineinkopiert, die Bilder geöffnet und Screenshots gemacht — den Rest erledigt der Staatsanwalt.
Sitzt der Gangster erst hinter Gittern, fragt niemand mehr, ob Gefahr in Verzug war. Oder ob er überhaupt ein Gangster war. Aus die Maus.
Dreifaches Bravo!
Weil Günther Beckstein, der klügste, schönste usw. Ministerpräsident Deutschlands, nicht auf den Kopf gefallen ist, weiß er natürlich, daß sich Bombenbauer und anderes zwielichtiges Lumpenpack hinter dem Schutz der Privatsphäre verstecken. Die bösen Buben sollten Bayern schleunigst verlassen, denn Günther weiß Bescheid!
Gibt es den Verdacht, daß die Intimsphäre nur deshalb intim ist, weil sie eine schlimme Tat verschleiern soll, dann dürfen Günthers Beamte in Zukunft auch das Flüstern im Schlafzimmer und das Aktfoto von Mutti auswerten. Wegen Terrorabwehr und so.
Günther, du bist der Größte!
Eines verstehen wir aber nicht: Woher weiß ein Beamter mit durchschnittlicher bayrischer Sexualerfahrung — gleich die erste Schulfreundin geheiratet und seit der Entbindung des Stammhalters kein Geschlechtsverkehr mehr –, ob das Aktfoto von Mutti nur eine hormongesteuerte Überreaktion von Vati war, oder ob es eine terroristische Botschaft verbirgt?
Wenn der amtliche bayrische Computerknacker eine Fotoserie findet, auf der sich Mutti und Vati beim delikaten Spiel mit Selbstauslöser fotografierten — was macht er dann? Sucht er auf den Fotos jede Körperstelle mit der Lupe ab, um im Legemuster des Brusthaars brisante Botschaften von Al-Qaida zu entdecken?
Aber es wird noch komplizierter.
Nicht erst seit Max Mosley wissen wir, daß es Menschen mit speziellen Neigungen gibt. Stellen wir uns vor, Mutti und Vati kopulieren mit Latexmasken: Sie spielt Hannelore Kohl und er Franz Josef Strauß. Auf das Bettlaken ist Papst Johannes Paul II. gedruckt, in voller Körpergröße. Das frivole Paar macht schlüpfrige Fotos.
Wie soll der Beamte beim Anblick solcher Bilder reagieren? Schwenkt er um von Terrorismus auf Störung der Totenruhe? Darf er vergessen, was er sah, obwohl seine bayrische Seele blutet?
Und jetzt wird es richtig kompliziert.
Die Terroristen, die sich in Bayern verbergen, haben nun aus der Presse erfahren, daß ihre Intimsphäre für bayrische Ermittler kein Tabu mehr sein muß. Ihr Schlafzimmer wird als Ort der fürchterlichen Terrorplanung uninteressant. Andererseits wollen Terroristen nicht auffallen. Sie passen sich den bayrischen Gepflogenheiten an: Sex nur zu Ostern und Weihnachten — sofern an diesen Tagen die Migräne pausiert.
Für heißblütige Al-Qaidisten ist das die Hölle auf Erden. Da wollen sie aber nicht hin, sondern ins Paradis, zu den 70 Jungfrauen. Doch ihr Testosteron wird nicht mehr abgebaut. Der Samen drückt aufs Gehirn. Überall sehen sie nackte Frauen. Sie drehen durch und sprengen sich mitsamt der Staatskanzlei in die Luft.
Vom bayrischen Ministerpräsidenten bleiben nur die Pantoletten. Eine Ehrenformation der Bundeswehr geleitet sie auf offener Lafette ins Bonner Haus der Geschichte. Dort werden sie neben den Turnschuhen von Joschka Fischer aufgebahrt.
Ob du dir die Sache noch mal überlegst, Günther?
- Günther Beckstein sollte eine Bundesratsinitiative anregen, um auf Deutschlands privaten Computern Paßwörter und verschlüsselte Festplatten bei Strafe der Zwangsansiedlung in Franken zu verbieten [↩]
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