Johannes Berenz!

Geschrieben von messitschbyburns am 27. Juli 2008 | Immer wieder sonntags


Wir erfuhren die folgende Geschichte und sind beeindruckt. Von Ihnen, Herr Berenz.

Bisher war Benjamin Völz der deutsche Synchronsprecher von David Duchovny a.k.a. Fox Mulder. Wenn Völz einen potentiellen Erfolgsfilm wie Akte X synchronisierte, erhielt er einmalig 4.000,00 Euro.

Diesmal verlangte Völz für die Synchronisation des Akte-X-Kinofilms Jenseits der Wahrheit 20.000,00 Euro.

Der Auftrag ging an Sie, Herr Berenz. Für 2.000,00 Euro.

Verrechnet man das Honorar mit der kompletten Abtretung aller Rechte, wären 20.000,00 Euro ein fairer Preis. Der Filmverleih 20th Century Fox sah das anders und fand mit Ihnen einen Sprecher, der sich auch für den halben Preis noch dankbar bückt.

Über die Frage, ob Sie ein egoistischer Streikbrecher oder ein finanziell klammer Familienvater sind, tobt schon seit 26. Mai eine Diskussion im Synchron-Forum. Denn mehrere Ihrer Kollegen solidarisierten sich mit Völz und forderten ebenfalls 20.000 Euro, als sie vom Verleih angerufen wurden. Bis bei Ihnen das Telefon klingelte. Angeblich soll Ihnen Völz nicht böse sein. Aufrecht in den Untergang. Sehr nobel.

Der wahre Gewinner sind aber nicht Sie. Der Gewinner ist 20th Century Fox. Halbierung des Honorars, Rauswurf des Stammsprechers und Spaltung der Synchronsprecher — der Verleih hat geschickt verhandelt. Er mußte nicht mal eine christliche Gewerkschaft gründen, um die Solidarität der Sprecher auszuhebeln. Das regeln sie von allein.

Nun können die Controller von 20th Century Fox beruhigt in die Zukunft schauen und weiter pokern: Was für 2.000,00 Euro funktioniert, klappt auch für 1.000,00 Euro.

Falls eines Tages ein neuer Sprecher auftaucht, der Sie ersetzt, weil er einen kompletten Film für ein Mittagessen und eine lobende Erwähnung im Abspann synchronisiert, erinnern Sie sich vielleicht an ein 80 Jahre altes Lied von Bertolt Brecht und Hanns Eisler:

Vorwärts und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht. Beim Hungern und beim Essen, vorwärts und nie vergessen …

Mit gewerkschaftlichen Grüßen
Messitsch by Burns

P.S.: Das Entsetzen, mit dem die Kritiker und das Publikum auf den Rauswurf von Völz und auf den Klang Ihrer Stimme reagieren, lassen wir als kleine Wiedergutmachung gelten. Ihr Geld haben Sie in wenigen Wochen verbraucht. Ihr Ruf verfolgt Sie eine Weile länger.

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