Einer gegen 140.000

Geschrieben von messitschbyburns am 16. Juli 2008 | Ostkreuz


Der scheinbar unkaputtbare, aber in der Realität längst zerbröselte S-Bahnhof Ostkreuz ist seit 1882 in Betrieb. Man sieht es ihm an.

Nach allen Regeln der Verwitterung, der Rost-, Frost- und Kriegsschäden und der besonderen Materialsituation in der DDR hätte der Bahnhof längst in einer letzten Wolke aus puderzuckrigem Beton und staubfeinem Rost versinken müssen. Aber er steht noch.

Kurz vor der angedrohten Sperrung des Bahnhofs wegen Baufälligkeit begann 2007 die Totalsanierung. Bis 2015 (oder 2016 oder …) soll der Bahnhof glänzen. 411 Millionen Euro sind dafür eingeplant. Seit 2008 wird abgerissen.

Abriß = Lärm = Klage = Baustopp.

Zur Zeit zerlegen Bautrupps ein Brückengewölbe. Damit sich die Sanierung nicht noch länger schleppt, arbeiten sie an den Wochenenden auch nachts. Dann sollen 180 Anwohner in Hotels umziehen. Die Übernachtung zahlt die Bahn.

Das paßt nicht jedem. Einer der Ruhebedürftigen, die ihr eigenes Bett bevorzugen, heißt Jürgen Freymann. Er wohnt — wie die typische Ostkreuz-Klientel — in einer Dachgeschoßwohnung und engagiert sich in der Betroffenenvertretung Traveplatz Ostkreuz.1

Freymann wurde am Donnerstag informiert, daß er am Freitag im Hotel einchecken soll. Das war ihm zu kurzfristig. Außerdem wünscht sich Freymann mobile Lärmschutzwände. Und die Erstattung seiner Fahrtkosten ins Hotel und zurück.2 Und ein kostenloses Frühstück im Hotel.

Freymann reichte am Freitag um 15:00 Uhr Klage ein.

Seit Monaten versuchen einzelne Anwohner, die Baustelle Ostkreuz mit rechtlichen Mitteln zu Fall zu bringen. Bisher erfolglos. Vor kurzem urteilte sogar das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen eine Klägerin und für den Umbau des Bahnhofs.

Freymann steht also nicht allein. Doch Freymann hatte Glück. Seine Klage vor dem Verwaltungsgericht Berlin verhinderte den Abbruch der morschen Brücke in allerletzter Minute. In einer Blitzentscheidung — selbstverständlich nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung und Wertung und Wichtung aller Für und Wider — schätzte der Richter wenige Stunden nach Klageeinreichung Freymanns Schlafbedürfnis höher ein als die reibungslose Logistik auf einer Großbaustelle.

Denn die Vorbereitungen für das Abriß-Wochenende waren längst im Gange. Die Anwohner bezogen ihre Hotelzimmer, der S-Bahn-Verkehr war unterbrochen, ein Pendelverkehr mit Bussen eingerichtet, die Nachtschicht bestellt und der Sicherheitsdienst für die Bewachung der Baustelle angefordert.

Alles umsonst. In einigen Monaten trifft man sich zur eigentlichen Verhandlung. Bis dahin gilt der nächtliche Baustopp.

Die Sanierung wurde jahrzehntelang geplant und diskutiert. In der DDR fehlte es an Material und Geld, nach 1990 an Geld und gutem Willen. Jetzt nur noch am guten Willen.

Freymann kann die Sanierung und den Umbau des Bahnhofs nicht verhindern, aber in die Länge ziehen. Damit macht er sich viele Freunde. Am Ostkreuz quälen sich täglich 140.000 Menschen über provisorische Treppen und windige Bahnsteige. Wenn nachts nicht gearbeitet werden darf, waten 140.000 Menschen ein paar Monate länger durch die Baustelle.

Privat geht vor Katastrophe. Freymanns Nachtschlaf ist gerettet.

  1. Der Traveplatz ist 1,3 km vom Ostkreuz entfernt. []
  2. Das heißt, die Erstattung von zwei S-Bahn-Tickets á  2,10 Euro. []

16 Kommentare ↓

#1 Jürgen Freymann am 17.07.08 um 18:53

Der Beitrag ist eine einzige Nullnummer. Es geht nicht darum, die notwendigen Bauarbeiten zu stoppen, sondern für die Gesamtbauzeit von mehr als acht Jahren ein für die Anwohner erträgliches Bauen durchzusetzen. Und wir Anwohner spielen bei den Bahn-Bau-Planungen bislang eine absolute Nebenrolle.
So selbstgefällig, wie Sie hier berichten, sind sie wohl noch niemals nächtelang aus dem Schlaf gerissen worden. Ich bin gern bereit, in Ihrem Blog mal die Seite der Anwohner vom Ostkreuz darzulegen. Gut, das sind nur einige hundert Menschen, aber deren Gesundheit läßt sich mit nichts aufwiegen oder gar gegen rechnen.
Viele Grüße
Jürgen Freymann

#2 messitschbyburns am 18.07.08 um 00:20

Da müssen wir Sie enttäuschen. Nächtlicher Lärm ist hier Normalität.

Vor unserem Redaktionshochhaus werden regelmäßig die Straßenbahngleise geschliffen. Dann hockt sich ein Mann über die Schiene und bringt eine Schleifscheibe auf Hochtouren. Wenn die Scheibe auf die Schiene trifft, klingt das wie ein Zahnarzt, der jeden Zahn einzeln bis zur Wurzel abschleift. Stunde um Stunde, bevorzugt ab 01:00 Uhr.

In Nächten ohne Schleifdienst tuckert ein Reinigungswagen im Schneckentempo über die Gleise und bläst mit pfeifendem Gekreisch den Dreck aus den Schienen. Man kann seinen Standort durch geschlossene Fenster sehr genau orten, denn er bewegt sich extrem langsam. Stunde um Stunde, bevorzugt ab 01:00 Uhr.

Zwischen Schleifen und Blasen wechseln sich die Sirenen von Krankenwagen, Polizei, Feuerwehr, Zivilfahndern und Entstörungsdiensten ab. Tagsüber werden die Sirenen nur vor Kreuzungen eingeschaltet, nachts aber auf der vollen Länge der leeren Straße. Man kann den Widerhall des Schalls von den Häuserwänden schon einen Kilometer vor dem eigenen Haus und auch noch einen Kilometer danach genießen. Mehrmals in der Stunde, bevorzugt ab 00:00 Uhr.

Als Bonus donnern die Züge zweier durchgehend befahrener Straßenbahnenlinien im 10-Minuten-Takt über die Kreuzung, brettern LKWs mit klappernden Hängern Richtung Brandenburg, singen betrunkene Männer laute Lieder und toben sich BFC-Hools mit Fußtritten an splitternden Scheiben der Wartehäuschen aus.

Nicht nur am Wochenende, sondern jede Nacht, mit wechselnder Intensität. Und hier wohnen mehr Leute als einige hundert.

Wir könnten wegziehen, wenn wir wollten. Wir wollen aber nicht. Wir nehmen die nächtlichen Störungen als häßlichen, aber unvermeidbaren Sound der Großstadt in Kauf.

Sie dagegen laufen vor Gericht, um Ihren Gesundheitsschlaf gegen die Belange von 140.000 Menschen durchzuboxen, obwohl die Hotelübernachtung organisiert und die Mieter schon umgezogen waren.

So hat eben jeder seine Prioritäten.

Was andere Leute — außer uns — von Ihrer Aktion halten, haben Sie ja im Tagesspiegel gelesen:

http://www.tagesspiegel.de/berlin/Stadtleben-Ostkreuz-Umbau-S-Bahn-Laermbelaestigung;art125,2571659

Sie hatten sich doch mehrmals eingeloggt und Kommentare hinterlassen. Sie wissen also Bescheid, was ein Teil der Leser von Ihnen denkt. Verständnis klingt anders.

#3 Jürgen Freymann am 18.07.08 um 17:19

Das ist doch eine Plattitüde, einer gegen 140.000. Lächerliche Polemik. Dabei sollten Sie sich, wenn Sie solche Lärmbelästigungen, wie Sie hier beschreiben, rund um die Uhr tatsächlich erleiden, ebenso stark machen. Es ist bereits ein alter Hut - Lärm zählt zu den schlimmsten Stresserzeugern, und schädigt die Gesundheit. Deswegen gibt es umfangreiche Lärmimmissionsschutzgesetze, nicht nur Landes, sondern auch Bundesgesetze, ebenso wie EU-Richtlinien.
Meinen Sie, die Gesundheit auch nur eines Bürgers darf gefährdet werden, damit ein Bauunternehmen freie Fahrt bekommt? Dann gibt es keine Diskussionsbasis!
Im Übrigen ist dieser Lärm deutlich reduzierbar, muss man nicht nachts arbeiten, dasselbe kann man auch tagsüber machen. Dazu müsste man nur eines haben, was in letzter Zeit ein immer rareres Gut geworden ist: Rücksicht und Respekt. Das ist der Bahn gegenüber uns Anwohnern teilweise völlig abhanden gekommen.

Was Sie da übrigens über ihre Lärmsituation schreiben - wenn das wirklich alltäglich wäre - und wir reden hier bei der Ostkreuzbaustelle über acht Jahre Bauzeit - dann würden Sie nicht so tun, als könnten Sie damit leben - niemand kann das. Ab 65 dB(A) hört der Spaß auf. Hier am Ostkreuz genehmigte man den Bauunternehmen 88 dB(A)!

Und diejenigen die dummes Zeug schwafeln, von wegen, man müsse das höheren Interessen wegen eben mal erdulden, die haben keine Ahnung, wovon sie reden. Die sollen mal versuchen, nur zwei Nächte wach zu bleiben. Am 3. Tag würde ich sie dann gern noch einmal zu ihrer Meinung befragen.

Permanenter Schlafentzug wird international übrigens als Folter anerkannt - warum wohl?

#4 hurrtz am 18.07.08 um 19:42

Hossa! Hier wird aber scharf geschossen. Schlafentzug als Folter… Mh. Guter Vergleich. Präzise wie ein gut geschliffenes Gleis, wenn mir der Schlenker zugestanden wird :)
Herr Freymann, Sie haben selbstverständlich Recht. Dort, wo die Bahn beginnt, die Bürger zu foltern, sollten Maßnahmen ergriffen werden, die dem Einhalt gebieten. Aber in welcher Form würde der Schlafentzug in ihrem Hotel Einzug halten? Ist die Bahn denn nicht auf Ihrer Seite, wenn Sie kostenfreie Logis in einem Hotel erhalten? Und aus welchem Grund sollte Ihnen ein kostenfreies Frühstück zugestanden werden?
Nur, dass Sie mich nicht missverstehen. Ich bin durchaus ebenfalls der Ansicht, dass nächtliche Ruhestörungen sehr unangenehm sein können, und dass die Bahn versucht ist, nächstens das Ostkreuz zu sanieren, stößt auch bei mir auf gemischte Gefühle. Sie auf der anderen Seite scheinen die Pointe der Messitsch by Burns-Redaktion nicht in dessen Fülle nachvollzogen zu haben. Der Bahnhof muss saniert werden. Die Stadt, die Bahn und die Geldgeber versuchen ihr möglichstes, dies zeitnah und bürgerschonend zu bewerkstelligen. Vor allem die Bahn, die nun auf eigene Kosten 180 Anwohner in einer Herberge unterbringt, um die nächtliche Ruhe, Ihr Hauptkritikpunkt, zu wahren. Ich räume ein, dass Sie sich nicht mit allem und jedem zufrieden geben müssen, und auch nicht sollten. Aber die Stoßrichtung dieses Beitrags zielt auf die gegenseitige Rücksichtnahme. Das Betrifft die Bahn auf der einen Seite, Sie auf der Anderen. Die Bahn versucht ihr möglichstes, den Prozess der Sanierung schnell und so angenehm wie möglich zu beenden. Was tun Sie, Herr Freymann, zum Wohle der Mehrheit?

#5 messitschbyburns am 18.07.08 um 23:24

Eben lese ich im Tagesspiegel:

“Sollte die Umweltverwaltung heute den Sofortvollzug beschließen, wird er (Jürgen Freymann) auch dagegen vor dem Verwaltungsgericht vorgehen.”

http://www.tagesspiegel.de/berlin/Ostkreuz-Friedrichshain;art270,2574517

Na dann, viel Vergnügen. Einen Prozeßhansel muß es wohl immer geben. Sonst ginge RTL der Stoff für “Höllische Nachbarn” aus.

Warum solidarisieren sich eigentlich nicht noch mehr Anwohner mit Ihnen? Bisher stehen Sie ja ziemlich allein:

“Für dieses Wochenende hätten rund 110 Anwohner das Angebot der Bahn angenommen, in Hotels zu übernachten, sagte DB-Sprecher Burkhard Ahlert am Freitag.”

http://www.tagesspiegel.de/berlin/Ostkreuz-Friedrichshain;art270,2575038

Scheint, als ob die meisten Anwohner die Unbequemlichkeit der Hotelübernachtung in Kauf nehmen, ohne zu klagen. Oder handeln Sie etwa in Vollmacht aller 180 (?) Betroffenen? Dann haben Sie das bisher geschickt verschwiegen.

Vielleicht fragen Sie mal Ferdi Breitbach, bevor Sie noch mehr Geld in die Klage investieren. Breitbach hat das gleiche Spiel in Schönefeld versucht: In die Lärmzone gezogen und dann gegen den Lärm geklagt. Er ist damit radikal gescheitert. Schönefeld wird gebaut.

Sie wußten ebenfalls, daß das Ostkreuz jahrelang saniert werden wird, mit Dreck und Staub und Lärm. Sie sind trotzdem hingezogen.

Es gibt ja auch Leute, die ziehen in die Hackeschen Höfe und klagen dann gegen den Lärm durch die Touristen. Oder sie klagen gegen spielende Kinder auf dem Hof, gegen Bolzplätze vor dem Haus und gegen vor sich hin brabbelnde Behinderte in der Nachbarschaft.

Sie machen es eben eine Nummer größer und legen sich mit 140.000 Menschen und der Bauablaufplanung eines gesamten Bahnhofs an. Aber was soll’s. Verhindern werden Sie nichts.

Was den Lärm vor unserem Haus betrifft: Von Schlafentzug war nicht die Rede. Man gewöhnt sich an alles.

Aber Ihr Gedankensprung zur Folter ist nicht schlecht. Werfen Sie doch mal das Stichwort “Guantanamo” in die Runde, wenn der Tagesspiegel wieder anruft. Vielleicht erbarmt sich doch noch jemand und hat Mitleid mit Ihnen.

#6 Jürgen Freymann am 19.07.08 um 17:57

@messitschbyburns
ist das nicht langweilig? Ich bin nicht allein hier. Es gibt eine Betroffenenvertretung “Traveplatz-Ostkreuz” die von ca.150 Betroffenen per Unterschrift das Mandat hat, sich gegen die Nachtbauarbeiten, für aktiven Lärmschutz, und Lärmschutzfenster einzusetzen.
Es geht auch nicht darum, mal ein Wochenende in ein Hotel zu ziehen, damit die Bahn ihr Projekt voran bringen kann. Es handelt sich hier um ein Bauvorhaben, dass 8 Jahre und länger andauern soll, und wo wir Anwohner bislang für die Bahn noch nicht einmal eine Planungsgröße waren. Berliner Baugesetze, ebenso wie Bundesgesetze werden durch die Bahn nun leider schon in der Regel außer Kraft gesetzt. Wer sich dagegen wehrt ist also ein Prozesshansel?
Sie tun mir leid, ihnen scheint es nicht daran gelegen, hier ein objektives Bild zu zeichnen. Warum auch immer…

#7 messitschbyburns am 19.07.08 um 18:15

150 Unterschriften? Donnerwetter. Von wie vielen Anwohnern?

Wie gesagt: Viel Vergnügen beim Prozessieren. Wir werden ja von verschiedener Seite auf dem Laufenden gehalten. Das macht das Sommerloch in diesem Jahr ein wenig kleiner.

#8 Jürgen Freymann am 20.07.08 um 12:01

Die Bahn hatte vor den verhinderten Nachtbauarbeiten 1000 betroffene Anwohner ausgemacht - wahrscheinlich ist die Zahl der vom Baulärm Betroffenen noch höher.

Ein Vergnügen ist das nicht, und die Klage nur eine Folge mangelnder Gesprächsbereitschaft bei der Bahn und beim Senat. Die agieren nach dem Motto, wir sind die Guten, die Großen und Starken - uns kann keiner was. Recht und Gesetz gelten nur für die Anderen. Dagegn kann jeder was tun.

Die hundertfünfzig Unterschriften kamen bei einer spontanen Unterschriftensammlung zusammen, die keinesfalls flächendeckend oder gar repräsentativ durchgeführt wurde. Auch so etwas kostet Geld und Zeit - was nicht vorhanden war.

Dieses Wochenende sind wir nun ins Hotel gezogen - ohne Frühstück, ohne Komfort - wahrlich kein Luxusurlaub. Was hat die Bahn während dessen erreicht? Es wurde mit EINEM Maschinenmeissel und einem Bagger gerade mal ein Pfeiler der alten Brücke abgebrochen. Heute (Sonntag) wird bislang gar nicht gearbeitet. Das hebt man sich wohl für die Nacht auf?

Das Ergebnis ist wirklich gering für den Aufwand. Aus dem Mund des Projektleiters hieß es vor nicht allzu langer Zeit: Man wolle die Nachtarbeiten auch nutzen, um dort massiv voran zu kommen. Bei dem Bautempo erkenne ich nicht, dass die Bahn unter Zeitdruck/Zeitverzug steht. Aber vielleicht kann mir das ja mal jemand genauer erklären?

#9 messitschbyburns am 20.07.08 um 13:35

Natürlich ist es kein Vergnügen, an den Wochenenden die Wohnung zu verlassen und im Hotel zu übernachten. Die damit verbundenen Unbequemlichkeiten stellt niemand in Frage, vor allem mit dem Ausblick auf mehrere Übernachtungen in den kommenden Wochen.

Aber:
Die Bahn stellt diese Ausweichzimmer zur Verfügung, weil der Lärm unzumutbar ist. Das ist ein entscheidender Punkt. Würde die Bahn den Anwohnern empfehlen, Ohropax zu kaufen, wären wir sofort auf Ihrer Seite.

Eventuell könnte die Bahn auf Nachtarbeiten verzichten und die Brücke tagsüber abbrechen. Dann würde sich aber der Lärm nur verlagern. Es gibt garantiert Leute, die tagsüber in ihren Wohnungen arbeiten oder zu Hause ihre Kinder versorgen. Die wären dann die nächsten, die klagen würden, weil sie durch die Lärmwand das eigene Kleinkind nicht mehr schreien oder das Telefon nicht mehr klingeln hören.

Das Lärmproblem bleibt also, solange kein geräuscharmer Abriß möglich ist. Unter diesen Umständen halten wir den Vorschlag der Bahn, in ein Hotel umzuziehen, für einen guten Kompromiß.

Die nächste Stufe wäre nämlich eine komplette Umsetzung der Mieter in Drittwohnungen bis zum Abschluß aller Bauarbeiten. Das wird ja bei Totalsanierungen von Wohnhäusern praktiziert. Die Wohnung auf unbestimmte Dauer aufzugeben ist aber auch keine Lösung, mit der jeder Betroffene einverstanden sein wird.

#10 Rostkreuz am 15.08.08 um 09:14

Es ist langsam zum kotzen mit der Geltungssucht einzelner Querköppe!
Erst in die Nähe einer Bahn, eines Flughafens oder in ein Szeneviertel ziehen und sich anschließend das Umfeld zurecht klagen :-(
So nah stehen die Häuser nicht am Ostkreuz und man muß auch nicht jede Nacht bei offenen Fenster schlafen.
Man sollte Freymann&Co der Stadt verweisen! Mir als täglichen Nutzer der S-Bahn ist das Ostkreuz wichtiger als die Animositäten einzelner Sensibelchen!

#11 Steven am 17.08.08 um 18:57

Ich wohne nicht am Ostkreuz und finde es geradezu lächerlich wie nur an sich denkende 140.000 S-Bahn Fahrer behaupten, dass die Anwohner egoistisch wären.
Es geht Ihnen doch viel eher um Bequemlichkeit. Dann fahren Sie eben ein paar Monate länger mit dem Schienenersatzverkehr. Nun haben Sie sich mal nicht so, Sie Sensibelchen.
Die Zahl 88 dB (A) ist wohl zu abstrakt für Einige. Ab 90 dB kommt es Gehörschäden bei langfristiger Einwirkung. Die Psyche wird schon bei viel niedrigeren Werten angegriffen und greift somit den restlichen Körper an. In Stasi Gefängnissen wurden übrigens Menschen u. A. durch Schlafentzug dazu getrieben jede Aussage zu Protokoll zu bringen, die Mielke und Co. wollten. Schlafentzug denken Sie jetzt? Fenster zu, oder was meinen Sie dazu? Natürlich. Das die Anwohner nicht schon eher auf die Idee gekommen sind. 80 db (A) kann man 10 Meter von einer befahrenen Hauptstraße aus messen. Bitte bauen Sie sich dort ein Haus und versuchen Sie nun nur 10 Meter von dieser Hauptstraße entfernt zu schlafen. Achja Fenster zu muss ja hier nicht erwähnt werden. Bei dem Feinstaub dem Sie da ausgesetzt sind, ist es auch für Ihre Lunge sehr ratsam.

#12 messitschbyburns am 17.08.08 um 20:05

@ Steven:
Durchatmen, Kommentar Nr. 2 lesen, noch mal durchatmen und dann überlegen, ob Sie uns wirklich mit Ihren bescheidenen 88 dB (A) beeindrucken wollen.

Das hier ist übrigens unser Alltag: http://www.messitschbyburns.de/archives/313
Darüber lachen wir nur noch.

Und bleiben Sie um Himmels Willen nicht bei Mielke stehen. Gehen Sie aufs Ganze. Vergleichen Sie die Baustelle mit Auschwitz, Mehdorn mit Himmler und den Richter, der am Ostkreuz zwar eine Sonntagsruhe festlegte, die Nachtarbeit aber gestattete, mit Freisler.

Sie wissen schon: Here we are now/Entertain us. Wir freuen uns drauf.

#13 Steven am 19.08.08 um 10:48

Sie schlafen also in Ihrer Redaktion bzw. können dort nicht schlafen wegen dem Baulärm.
Ist für mich also kein Vergleich. Wo wir bei Vergleich sind, verglichen habe ich nichts mit Mielke, sondern untermauerte nur die Aussage das Lärm als Folter anerkannt ist. Also erst analysieren und dann versuchen witzig zu sein. Es kann sonst nämlich ziemlich in die Hose gehen.

Könnten Sie, wenn Sie wollten, in Ihrer Redaktion ein Mittagsschlaf machen?
So wie Sie rumjammern über den Lärm, den Sie nicht zu Hause ertragen müssen, würde ich mal denken Nein.

Arbeiten in Ihrem Verlagshaus eigentlich die Autoren, die für die Bild Zeitung zu dämlich waren.

Es kommt mir so vor, als würde ich einem kleinen Kind versuchen mit Worten beizubringen, dass Feuer gefährlich ist und es aber trotzdem gerne Andere verbrennen sieht. Es selbst lernte die Hitze ja nie kennen.

#14 messitschbyburns am 19.08.08 um 12:39

Wo steht, daß wir unter Schlafstörungen leiden? Finden Sie die Stelle? Na?

Wir auch nicht; dafür das Gegenteil: “Was den Lärm vor unserem Haus betrifft: Von Schlafentzug war nicht die Rede. Man gewöhnt sich an alles. ” Steht in Kommentar Nr. 5.

Wo jammerten wir über Lärm? Finden Sie wenigstens diese Stelle? Na?

Wir auch nicht, aber wir helfen Ihnen noch mal auf die Sprünge: “Wir nehmen die nächtlichen Störungen als häßlichen, aber unvermeidbaren Sound der Großstadt in Kauf.” Steht in Kommentar Nr. 2. Oder verwechseln Sie uns mit Herrn Freymann?

Und wer schrieb im Zusammenhang mit der Ostkreuz-Baustelle “In Stasi Gefängnissen wurden übrigens Menschen u. A. durch Schlafentzug dazu getrieben jede Aussage zu Protokoll zu bringen, die Mielke und Co. wollten”? Na? Finden Sie Ihren eigenen Kommentar? Wir auch.

Die Ostkreuz-Baustelle im gleichen Atemzug mit Mielke zu benennen und anschließend zu meinen, man habe beides nicht vergleichen wollen, ist ein höllisch geschickter Schachzug. Respekt, großer Meister.

#15 Muscle-man am 26.03.10 um 06:43

Das Ostkreuz ist der baufälligste noch betriebene Bahnhof den Die Bahn AG derzeit betreibt, ich finde es vollkommen richtig das er saniert wird, auch wenn ich ein Auto habe verstehe ich die pendler die dort umsteigen müssen der Bahnhof ist eine Katastrophe genau so wie der Herr Jürgen Freymann, ich gehe mal davon aus das er ein alter arbeitsloser verbitterter Mann ist der nichts anderes zu tun hat als sich über Sachen aufzuregen, die er im Grunde ja selbst will….

Herr Freymann fass dir mal an deine Birne und frag dich mal ob du dich nicht auch aufregen würdest und zum gericht rennen würdest wenn der Bahnhof geschlossen worden wäre, dann hättest du warscheinlich gesagt der Bahnhof muss offen bleiben auch wenn er baufällig ist und ganz egal ob dadurch Menschenleben in gefahr sind…

also zu typen wie Jürgen Freymann kann man nix weiter sagen, einfach nur peinlich… In diesem Sinne…. Achja dieses Jahr soll die Straße am Tierpark verbreitert/saniert werden… ziehen sie doch schnell um und stoppen sie auch da den Ausbau….

Danke

#16 Jürgen Freymann am 22.05.10 um 16:49

Muscle-man - jemand der sich selbst solch einen Namen gibt, der sollte andere nicht auffordern, sich an die Birne zu fassen.

Lärm macht krank, und wir Anwohner am Ostkreuz erleiden seit nunmehr zwei Jahren zum Teil intensiven Baulärm. Tag und Nacht, auch an Feiertagen wie jetzt Pfingsten. Sie würden anders schreiben, wenn Sie das selbst erleiden müssten.

Mittlerweile ist es aber so, dass man nun zumindest versucht, Rücksicht auf uns Anwohner zu nehmen. Das ist ein erfreuliches Ergebnis der Arbeit der Betroffenenvertretung, des Runden Tisches Ostkreuz, und aller Beteiligten.

Im Übrigen stemmt sich hier niemand gegen die Sanierung, die von allen als notwendig erkannt wird. Es geht darum, so zu bauen, das wir hier überleben können. Und da ist man noch lange nicht auf dem Stand, was alles möglich wäre.

Wenn dann die neue U-Bahnlinie Unter den Linden gebaut wird, dann wird man da (so die Ankündigung) sogar bis zu 24m hohe Lärmschutzwände errichten um die Anwohner zu schützen. Der Unterschied zum Ostkreuz ist dabei, dass dort nur gutbetuchte und vor allem wehrhafte Bürger leben. Hier am Ostkreuz dagegen ist das Gegenteil die Regel.

Es geht also nicht darum irgend etwas zu verhindern, sondern um die Einforderung von Schutz und Rechten, die jedem Bürger zu stehen, egal ob er arm oder reich ist.

Schlaf ist notwendig für ein gesundes Leben. Das ist nicht verhandelbar.

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