Mit Rogalla nach Nordkorea

Geschrieben von messitschbyburns am 16. Juli 2008 | Birthler/Gauck, Rogalla


Die Freie Universität Berlin fragte Bürger in Berlin und Brandenburg, ob sie die Mauer wiederhaben möchten.

In Berlin sagten 12 Prozent Ost und 11 Prozent West: Ja.

Projektleiter Oskar Niedermayer sieht das Ergebnis ganz entspannt. Die Zahlen waren schon mal höher, und eine Ursache für das Frustventil Mauer ist ihm durchaus bewußt:

“Freilich wäre es sinnvoll, für mehr Arbeit zu sorgen.”

Redakteur Thomas Rogalla, Schild und Schwert Marianne Birthlers in der Berliner Zeitung, verdrängt solche Gedanken. Die nerven nur. Für ihn ist das Resultat der Umfrage ein Gottesgeschenk, wie geschaffen für die Züchtigung der unzufriedenen Ostdeutschen:

“Gut, dass man keine Umfragen unter Hühnern machen kann, die vor Längerem aus einer Legebatterie befreit wurden: Sicherlich kämen dort keine elf Prozent zusammen, die sich eine Käfighaltung à la DDR zurückwünschen, nur weil die Verhältnisse dort überschaubar, die regelmäßige Nahrungszufuhr gesichert und der geruhsame Alltag durch ein Streckmetallgitter vor den Attacken des bösen Fuchses geschützt war.”

Halleluja. Die DDR als Käfighaltung, die Einwohner als Legehühner. Hoch lebe der Tiervergleich mit dezentem Nazi-Touch.

Rogallas nächster Satz ist ein Kunstwerk der Relativierung:

“Dass auch West-Berliner, nach 40 Jahren Insulanerdasein, die Mauer wiederhaben wollen, ist hoffentlich ebenfalls nur ein Umfrageirrtum.”

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Dem ostdeutschen Legehuhn ist die Sehnsucht nach einem Leben im Hühner-KZ immanent. Dem Westler ist sie bestenfalls als Irrtum in der Auswertung der Umfrage zuzumuten.

Rogalla beendet seine Tirade mit DEM Argument schlechthin:

“Wenn nicht: Geht doch rüber, Mauerfans, Nord-Korea hat (noch) alles, was ihr braucht.”

Denn: “Sie alle haben durch ihr Verhalten die moralischen Werte mit Füßen getreten und sich selbst aus unserer Gesellschaft ausgegrenzt. Man sollte ihnen deshalb keine Träne nachweinen.”1

Lang anhaltender Applaus! Marianne Birthler wischt sich eine Träne der Rührung aus dem Augenwinkel!

Die Delegierten erheben sich von ihren Plätzen und skandieren:

Ro-gal-la in seinem Lauf
hält weder Ochs noch Esel auf!

Neulich schrieb die Berliner Zeitung DDR in Gänsefüßchen. Rogalla wünscht die Auswanderung (oder Ausweisung, da hält sich Birthlers Frontberichterstatter bedeckt) unzufriedener Ostdeutscher nach Nordkorea.

Die Auflage der Berliner Zeitung sinkt und sinkt.

Komisch. Irgendwann müßten doch Leser von BILD und Welt zur Berliner Zeitung wechseln. Bei solchen Koryphäen wie Rogallala. Fiderallala. Fiderallalalala.

  1. Neues Deutschland vom 02. Okotber 1989. Der erste Satz stammt von Joachim Herrmann, der letzte Satz von Erich Honecker. []

Keine Kommentare ↓

Es gibt noch keine Kommentare. Sie können das ändern. Schreiben Sie einen Kommentar in das Formular.

Mein Kommentar: