Muse
“The Resistance”
(p) 2009, Warner Music

In der Liste der Flops der Frühjahrs-, Sommer- und Herbstsaison 2009 souverän auf Platz 4: Muse.
Wir müssen Coldplay rehabiliteren. Sie sind eine großartige, innovative Band, deren Musik Balsam und Labsal zugleich ist — verglichen mit dem, was ihre Konkurrenten treiben. Es geht offenbar immer noch einen Tick tiefer. Je mieser die anderen, um so strahlender erscheinen Räucherstäbchenanzünder wie Coldplay.
Langeweile, dein Name sei ab heute Muse.
Auch der größte Pomp, das dickste Orchester und die schmalzigsten Arrangements verschleiern nicht die Leere hinter diesem Zirkus. Manchmal glaubt man, Queen parodierten sich selbst, doch würde das um Welten besser klingen als der breitgetretene Quark, den Muse als Musik verkaufen.
Disneykitsch und orientalisch angehauchte Mike-Batt-Streicher, Prog-Rock-Flöte und pseudodramatisches Klavier, wagnerianisches Bläsergetöse und eine dreiteilige Symphonie (mit einer Gesamtlänge von 16:54 Minuten eher ein Symphönchen). Soll es doch mal ein Song sein, dann klingt er wie bei Best of Formel Eins ausgegraben, mit Thomas Anders als Conferencier: Synthesizer, Gitarren und Background-Rufe aus der Zeit von Sweet, Mud, Showaddywaddy und Garry Glitter. Oder wie bei Peter Gabriel geklaut (man müßte mal eine Strichliste machen, wie viele Bands sich bei Peter Gabriel bedienten; das dürfte ein sehr langer Zettel werden).
Sänger Matthew Bellamy wäre gern ein zweiter Freddie Mercury. Tatsächlich beschränkt sich beider Gemeinsamkeit auf den letzten Buchstaben ihrer Nachnamen. Einmal versucht sich Bellamy an einer Kopie der Bohemian Rhapsody, ansonsten schluchzt er im angestrengten Emo-Jodeln der 90er Jahre. Fürwahr, liebe Leser, eine männliche Dolores O’Riordan wurde uns geboren: Zombie! Zombie! Zombie-e-e-e-oh! Hat das jemand vermißt?
Legen Sie unbedingt eine doppelte Lage Scheuerlappen vor ihre Lautsprecher, wenn Sie Muse hören möchten. Es suppt und tropft der Schmalz in Strömen; sie könnten ausrutschen und sich den Hals brechen. Heben Sie sich Ihren Tod für den Moshpit bei den Dead Kennedys auf. Beim jammerlappigen Muse-Geschluchze sollte niemand in die Grube fahren.

“Es geht eine Träne auf Reisen,
sie geht auf die Reise zu mir,
der Wind bringt sie mir mit den Wolken,
und ich weiß, sie kommt nur von dir …”
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