Der tapfere Herr Büttner vom Grünflächenamt Berlin-Mitte läßt sich nicht einschüchtern. Um ein Haar hätte er die Bundeswehr vom Rasen vor dem Reichstag vertrieben. Jetzt schützt er vier Bäume vor der bellizistischen Kettensäge.
Mit ihren Auslandseinsätzen steht die Bundeswehr im eigenen Volk immer noch vor einer Mauer der Ablehnung. Das will sie ändern. Die westlichen Nationen werden in den kommenden Jahrzehnten kostbare Ressourcen wie Trinkwasser und Erdöl nicht den Habenichtsen in der Dritten und Vierten Welt überlassen. Survival of the strongest. Die anderen sollen Sand fressen.
Dabei wird es Tote geben. Tote Deutsche.
Zur ideologischen Hurra-Konditionierung des deutschen Volkes baut die Bundeswehr ein Ehrenmal am Dienstsitz des Ministers für Sturmgepäck und Seitengewehr. Direkt neben dem Zeremonienhof, in dem die Regierung jährlich am 20. Juli ein paar Tränen für tote Nazi-Offiziere verdrücken läßt. Die deutsche Tradition will gewahrt sein.
Das Ehrenmal ist eine pathetische Scheußlichkeit. 40 Meter lang, 10 Meter hoch, umkleidet von einem Fliegengitter aus Bronze:

Die Bronzeplatten sollen halbierte Hundemarken symbolisieren:

Wenn man die Anzahl der Marken betrachtet, kann man sich vorstellen, mit wieviel Toten die Bundeswehr in den nächsten Jahren kalkuliert.
Wobei sich die Heeresführung großzügig zeigt und nicht nur der für Kanzlerin, Volk und Vaterland erschossenen Kameraden, sondern auch der am Kasernenfraß vergifteten und in stupider Langeweile sanft entschlafenen Etappenhengste gedenken möchte. Die stellen nämlich die absolute Mehrheit aller 2.600 Soldaten, die seit 1955 während ihrer Dienstzeit in den Militaristenhimmel fuhren.
Eine Ehrung für getötete Entwicklungshelfer hat Minister Jung definitiv ausgeschlossen. Die bringen Frieden und keinen Krieg. Schreckliche Menschen.
Vor der monströsen Walhalla verläuft ein öffentlicher Fußweg. Auf dem Fußweg stehen vier Bäume. Die sind der Bundeswehr im Weg. Angeblich versperren sie die Sicht auf die gülden schimmernde Totenhalle.
Wie bei simpel gestrickten Kampfmaschinen üblich, wurde die Fällung der Bäume befohlen. Dagegen wehrt sich Herr Büttner vom Grünflächenamt Berlin-Mitte. Denn die Bäume stehen nicht auf Bundeswehrgelände. Und an der Grundstücksgrenze endet die Befehlsgewalt der Hindukuschler.
Es ist kaum anzunehmen, daß Herr Büttner seine Bäume retten kann. Die Berliner Presse schäumt vor Wut — über Herrn Büttner, nicht über die Kriegsplaner aus dem Bendlerblock. Man klopft das Volk auch publizistisch weich für den nationalsozialistisch geprägten Totenkult.
Vermutlich wird die Politik wieder auf dem kurzen Dienstweg entscheiden und dafür sorgen, daß die Bäume gefällt werden. Und eines Tages ist Herr Büttner nicht mehr Leiter des Grünflächenamtes Berlin-Mitte. Ein Grund findet sich gewiß für eine Versetzung.
Unseren Respekt hat er auf jeden Fall. Auch, wenn ihm das wenig nützen wird.
4 Kommentare ↓
Gut, daß Du diesen unglaublich dümmlichen Kommentar von Christine Richter von der Berliner (Bild-)Zeitung thematisiert hast. Auf Ephraim Gothe scheint sich die Anwältin der wehrhaften Geste ja richtig eingeschossen zu haben. In diesem Artikelwirft sie ihm vor, “fast das Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds (…) verschreckt” zu haben. Das wäre natürlich unser aller Ende geworden. Denn wie sollte diese Stadt ohne diese Hohlkopfparade in Wachs weiterhin existieren können?
Manchmal frage ich mich, ob einige Redakteure der Berliner Zeitung von der Lust am eigenen Untergang besessen sind …
Wer allerdings glaubt, der Richter-Kommentar ließe sich in puncto Dümmlichkeit nicht mehr überbieten, der sollte sich mal diesen Kommentar von heute zu Gemüte führen.
Ja, dümmer geht’s eben immer.
Mein Kommentar: