Seit Ende 2007 veröffentlicht der Forschungsverbund SED-Staat, der an der Freien Universität Berlin (FU) angesiedelt ist, scheibchenweise die Ergebnisse seiner DDR-Studie “Soziales Paradies oder Stasi-Staat?”
Die Studie stützt sich auf Umfragen in mehreren Bundesländern. Weil’s so schön paßte, stellte SED-Verbund-Chef Klaus Schroeder im Vierteljahrestakt jedes regionale Teilergebnis einzeln vor. Das verdickt die eigene Pressemappe.
Nun ist die Studie komplett, und Schroeders Roadshow rollte wieder vor die Medien:
“Einer Studie zufolge weiß etwa jeder zweite ostdeutsche Schüler nicht, dass die DDR eine Diktatur war.”
“Forschungsleiter Klaus Schroeder sagte, die meisten Lehrpläne versagten, wenn es um die historisch korrekte Darstellung der früheren Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), deren Machtausübung und Unterdrückungsmechanismen in der DDR gehe.”
“Die Studie zeigt, dass viele Schüler völlig falsche Vorstellungen von der DDR haben.”
Die Sprechblasen “historisch korrekte Darstellung” und “falsche Vorstellungen” klingen wie Propagandaformeln aus einem Redebeitrag Erich Honeckers auf dem letzten Parteitag der SED, geben aber tatsächlich Schroeders Worte wieder.
Der frühere FU-Referent Schroeder, der wie sein ideologisches Pendant Hubertus Knabe erst durch das Ableben der DDR seine Chance sah, sich als farblose akademische Dutzendnummer mit ein paar Schlagzeilen über die tote Republik in die Zeitungen zu schieben, maßt sich tatsächlich die Definitionsgewalt über richtige Vorstellungen und historisch korrekte Darstellungen an.
Diese ideologischen Worthülsen mit drohendem Unterton kennt man aus dem Vokabular der Abteilung Agitation und Propaganda beim Sekretariat des ZK der SED. Der Verbund, der Verbund, der hat immer Recht. Überprüfe deinen Standpunkt, Genosse!
Auf der Website des Senats kann man ein vergleichendes Gutachten zu Schroeders Studien downloaden. Es liest sich wie der Stoßseufzer eines Lehrers über einen besonders dummen Schüler: “Der kann es nicht.”
“Beide Studien leiden unter elementaren methodischen Mängeln im sozialwissenschaftlichen Handwerk; sie sind z.B. nicht repräsentativ, betreffen keine klar definierte Grundgesamtheit (mehrere Altersjahrgänge bzw. Klassenstufen in wechselnder Stärke), besitzen keine sorgfältige Entfaltung der Fragestellung und keine zureichende Operationalisierung bei der Erstellung des Erhebungsinstruments (Fragebogen), keine klare Trennung der Analyseebenen […]”
Von Schroeders SED-Staatenbund war aber nichts anderes zu erwarten. Seine Reputation ist mehr als dürftig.
Der angesehene Historiker Hermann Weber, der als Nestor der westdeutschen Kommunismus-Forschung gilt, urteilte schon Anfang 1998 kurz und bündig: “In die Schlagzeilen geriet […] immer wieder der Forschungsverbund. Nämlich immer dann, wenn einige seiner Mitarbeiter Aktenfunde spektakulär vorstellten und nicht selten auch politisch instrumentalisierten.”
1998 stellte Schroeder Parallelen zwischen der DDR und dem Dritten Reich her und trennte damit seinen SED-Club von seriösen Wissenschaftlern.
2001 verantwortete Schroeder als Herausgeber des Sammelbandes “Bildende Kunst und Parteiherrschaft in der DDR” einen publizistischen Bauchklatscher. Schroeders SED-Verbund, der das Buch zusammenstellte, beschreibt die DDR “als allumfassende Diktatur der SED gegen Kunst und Künstler”, wie eine Rezensentin sarkastisch formulierte. Man könnte auch sagen: Schroeder verzapfte ideologisch motivierten Mumpitz.
2006 scheiterte Schroeders Forschungskumpan Wilke mit dem Versuch, eine Expertenkommission zur Aufarbeitung der DDR mit rhetorischem Gepolter zu zwingen, die offizielle bundesdeutsche DDR-Sicht auf die Stasi zu konzentrieren. Die Experten entschieden sich, den ganz normalen DDR-Alltag in den Mittelpunkt zu stellen. Wilke war blamiert.
Ebenfalls 2006 stellten die SED-Staatsforscher ein Gutachten für Ulrich Mühe zusammen, um im Prozeß Gröllmann vs. Mühe auf Biegen und Brechen nachweisen zu können, daß die Schauspielerin Jenny Gröllmann aktiv mit dem MfS zusammengearbeitet hat. Schroeders Leute waren felsenfest davon überzeugt, Jenny Gröllmann als Stasi-Tussi im Sack zu haben. Die Richter sahen das anders. Sie ließen sich nicht manipulieren, und das Team SED krachte mit voller Wucht gegen die Wand: Ihr Gefälligkeitsgutachten (Zitat Gröllmann-Anwalt Hardy Langer) wurde nicht zugelassen.
Seitdem sind Schroeder und sein Trupp nur noch die lustigen Figuren mit dem SED-Hobby.
Vielleicht muß man erst so tief sinken, um dann ungeniert auf die Kacke zu hauen und unangenehme Fragesteller vor Gericht auszubremsen. Schroeder drohte seinen Kritikern ganz offen mit Klagen. Wem die Argumente ausgehen, der greift eben zur Pumpgun. Auch hier gleichen sich die echte SED und ihre FU-Fanboys verblüffend.
Auf Wikipedia ist Klaus Schroeder als Running Gag beliebt. Über Schroeders Wiki-Artikel wacht ein mysteriöser Unbekannter und greift sofort ein, wenn auch nur ein Komma im Lobgesang auf Klausimausi verschoben wird. Allerdings lassen sich die meisten Änderungen zurückverfolgen: Zum Server der FU.
Die Deckungsgleichheit zwischen Schroeders Wortwahl und der Sprache der SED ist verblüffend. Mit dem darunter schimmernden Hang zur absoluten Definitionsmacht wäre Schroeder in der DDR ein zuverlässiger Agitator geworden. Wer wie er mit vorgestanzten Schablonen lebt, hätte auch keine Probleme, die Losungen des ZK der SED an die Wand zu pinnen. Und wenn der Wind sich dreht, dreht sich der Agitator mit. Regel Nummer 1: Immer auf der Seite der Sieger stehen.
Doch manchmal dreht sich der Wind heftiger. Dagegen kommt dann auch der regierungstreueste Lautsprecher nicht mehr an.
Die Rebellen in den 13 nordamerikanischen Kolonien, die bis 1775 den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg anzettelten, waren nach heutigem Verständnis ordinäre Terroristen. Es ist noch nicht lange her, da wäre jeder Historiker, der an der Verklärung der Rebellen zu Helden der US-Geschichte kratzte, mit dem Knüppel vom Hof gejagt worden.
Von denen, die ihre richtigen Vorstellungen und historisch korrekten Darstellungen zur Doktrin erheben konnten.

So sehn Sieger aus! Schalalalala!
So sehn Sieger aus! Schaaaalalalalala!
Keine Kommentare ↓
Es gibt noch keine Kommentare. Sie können das ändern. Schreiben Sie einen Kommentar in das Formular.
Mein Kommentar: