Die Nackten und die Doofen (1)

Geschrieben von messitschbyburns am 13. Januar 2008 | Die Nackten und die Doofen, Immer wieder sonntags


Nackt ist bäh. Das war schon immer so. Von Anfang an:

“Und Gott machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fell und bekleidete sie.”

Nie hat man gehört:

“Und Gott hob die Röcke von Adam und seinem Weibe hoch und labte sich an dem, was er sah.”

Na also.

Wer sich nackt zeigt, versündigt sich. Egal, ob am FKK-Strand oder anderswo. Und für alle Fälle wacht der sittlich gefestigte Bürger über Moral und Anstand. Ihm entgeht nichts. Erschnüffelt er einen verderbten Sündenpfuhl, sorgt er umgehend für Entrüstung.

Wie jüngst im Chemnitzer Museum Gunzenhauser. Zwei besorgte Bürger empörten sich darüber, daß einige der ausgestellten Gemälde von Otto Dix für Kinder unzumutbar seien. Nun könnte man einwenden, daß das Museum Gunzenhauser dafür bekannt ist, mit 290 Werken die größte museale Sammlung von Otto Dix zu besitzen. Wer dieses Haus betritt, dürfte also wissen, was ihn erwartet: Drastische, schonungslose, sexuell aufgeheizte Gemälde aus den finstersten Winkeln der menschlichen Seele.

Nehmen wir deshalb zu Gunsten der beiden Ausstellungsbesucher an, sie hätten sich voller Vorfreude auf eine bunte Ansammlung von Dixi-Klos nach Chemnitz verirrt. Dann wäre ihr Schock nachvollziehbar. Aber nur dann.

Sei es, wie es sei: Das alarmistische Getöse zweier Bürger genügte der Museumsleitung, um vor dem Otto-Dix-Raum eine Warnung anzubringen:

 

“Einige der in diesem Kabinett ausgestellten Werke sind für Kinder ungeeignet.”

Denn wie jeder weiß: Das Bienchen befruchtet das Blümchen, der Klapperstorch bringt die Kinder, der Pfarrer streichelt seinen Ministranten nur deshalb zwischen den Beinen, um ihn zu prüfen, und wenn man die Augen ganz dolle zukneift, gibt es keine Schlechtigkeiten mehr auf der Welt.

Es steht geschrieben:

“Glückselig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Reich der Himmel.”

Und so sei es. Amen.

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Der obige Beitrag war für Kinder ungeeignet

 

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