Endlich hat sich die Berliner Zeitung zu einem dürren — und wieder anonymen — Statement durchringen können, um zähneknirschend und mit zusammengepreßten Lippen das zu berichten, was seit Wochen die Spatzen von den Dächern pfiffen:
“Thomas Leinkauf, Ressortleiter Seite 3 und Magazin, und Ingo Preißler, stellvertretender Ressortleiter Politik, geben ihre Leitungsfunktionen in der Redaktion der Berliner Zeitung auf. Beide Journalisten setzen ihren beruflichen Weg als Redakteure fort.”
Der Anonymus kann sich nicht überwinden, zu schreiben, wo die beiden ihren beruflichen Weg als Redakteure fortsetzen: Bei der Berliner Zeitung.
Der Verzicht auf die Funktionen war der einzig mögliche Kompromiß, um den Teil der Redaktion, der das große Empörungsdramolett mit Offenem Brief, Ehrenrat und Forschungsprojekt inszenierte, nicht völlig behämmert aussehen zu lassen.
Trotzdem stehen sie wie begossene Pudel da. Denn niemand vergißt die Namen derer, die hinter den Kulissen gewühlt, denunziert und an beiden Stühlen gesägt haben; die Leinkauf als Aufhänger benutzen wollten, um mit Hilfe von Hubertus Knabe die Redaktion des Ostblattes ein für alle Mal auf eine rein westdeutsche Weltsicht zu trimmen; die glänzend geschriebene Artikel wie Paul Kaisers “Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren”, in dem der kleine Krawallero Knabe bis auf seinen nackten Arsch entblößt wurde, auf Dauer zu verhindern suchten.
Ihr Putsch ist gescheitert. Die heutige Meldung ist eine verschämte Kapitulationserklärung.
Bis Ende des Jahres werden weitere Redakteure die Berliner Zeitung verlassen. Mindestens drei Redakteure führen zur Zeit Gespräche mit der Konkurrenz. Darunter auch Mitglieder der Anti-Leinkauf-Gang, die jetzt bedröppelt durch die Flure huschen und Thomas Leinkauf höflich grüßen müssen.
Gut möglich, daß sich auch Leinkauf in aller Ruhe einen neuen Arbeitsplatz sucht. Dann kann im nächsten Jahr der Rest der Redaktion auf leeren Schreibtischen Staub wischen und sich fragen, ob es das wert war, sich von Lallköpfen wie Marianne Birthlers Anusstreichler und dem briefeschreibenden Choleriker auf dümmste Weise instrumentalisieren zu lassen.
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