Neulich saßen wir im Kino, schauten uns den wirklich großartigen CSNY-Tourfilm Déjà Vu an und dachten: Man müßte doch mal hören, wie der Soundtrack klingt.
Also rollten wir in den gruftigen Saturn-Tiefbunker am Alexanderplatz, spazierten zwischen den Regalen entlang, blätterten im CSNY-Fach — und waren wie vom Donner gerührt. Dort verkauft ihr tatsächlich die abgenudelte 4 Way Street für 28,99 Euro. Im gleichen räudigen 90er-Jahre-Remaster wie eh und je.
Bis vor kurzem gab’s die CD für schlappe 8 Euro. Wir dachten, der neue Preis muß ein Irrtum sein, und schauten bei amazon.de nach. Jeff Bezos’ Preise sind ja für euch das Maß der Dinge.
Es war kein Irrtum:

Alle Achtung. Der Preis für eine 37 Jahre alte Produktion, die weder besonders klasse noch besonders selten ist, stieg über Nacht um 20 Euro. Und man kann bei amazon.de sagenhafte 4 Cent sparen: Bezos möchte nur 28,95 Euro haben.
Das sind umgerechnet 56,62 DM oder 566,20 Mark der DDR. Für eine abgenudelte Aufnahme aus dem Jahr 1971.
Jetzt wollten wir es wissen, sahen uns die anderen Preise an und kramten in unseren Hosentaschen nach alten Kassenzetteln. Zwei haben wir gefunden.
Neil Youngs Live Rust (1979) haben wir mal für 7,99 Euro gekauft:

amazon.de verlangt heute 15,97 Euro (ein Schnäppchen, weil gesenkt von 17,05 Euro):

Neil Youngs Doppel-CD Weld (1991) kostete früher 8,99 Euro:

Bei amazon.de müssten wir heute heute 25,95 Euro zahlen:

Neil Youngs Best Of Decade von 1977 haben wir vor vielen Monaten für 6,99 Euro gekauft. Der Kassenbon ruht im Nirwana, aber auch ohne Bon können wir euch versichern: Beim aktuellen Preis wären wir lächelnd weitergegangen:

Glaubt es oder glaubt es nicht.
Jetzt fragen wir uns nach der Ursache für die phantastische Wertsteigerung. Ist es der Film, der euch hoffen läßt, daß viele CSNY-Fans eine CD kaufen? Dann hättet ihr alle Preise anheben müssen. Habt ihr aber nicht.
Manche CDs sind billig, manche teuer. So, als würdet ihr mit dem Dartpfeil auf eine Liste mit den Namen der CDs werfen. Aber so legt ihr doch keine Preise fest. Oder?
Der Film läuft ohnehin vor einem Fan-Publikum, das mit größter Wahrscheinlichkeit alle CDs von CSNY, Neil Young und Crazy Horse beisammen hat. Da ist nichts mehr zu holen.
Was treibt euch also zu diesen Phantasiepreisen?
Kennt ihr eine Anlagemöglichkeit bei Neil Young? Kann man seine Aktien kaufen? Lohnt es sich, zu spekulieren? Vielleicht in einen Hedge Fonds mit CSNY-Werten?
Eure völlig idiotische Preisgestaltung ist kaum zu erklären. Mit dem realen Wert der Uralt-Produktionen hat sie nichts zu tun. Nicht mal das Deckmäntelchen des Re-Remasters könnt ihr mißbrauchen. Keine eurer luxuspreisigen CDs wurde überarbeitet.
Uns fällt eigentlich nur eine Begründung ein: Ihr wollt gar nichts verkaufen. Eure potentiellen Kunden sollen mit aller Gewalt vertrieben werden. Ihr kämpft für freies Filesharing im Internet. Eure heimliche Sympathie gehören Torrent und der Piratenpartei.
Dann seid ihr progressiver als gedacht. Und wir kaufen auch ganz bestimmt nicht den Déjà Vu-Soundtrack für 18,97 Euro.
Wir sind nämlich nicht bescheuert.
Peace & Love
Messitsch by Burns
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