Chingon
“Mexican Spaghetti Western”
(p) 2007, Rocket Racing Rebels Records

Gibt es etwas, daß Robert Rodriguez nicht kann? Robert wer, fragen Sie? Jede Wette: Sie kennen ihn.
Die lexikalische Auskunft hieße: Robert Rodriguez ist 40 Jahre alt, gebürtiger Mexikaner, lebt in den USA und verdient sein Geld als Regisseur.
Die passendere Auskunft hieße: Robert Rodriguez sitzt im Olymp von Hollywood. Auf den Stufen des Throns von Quentin Tarantino.

Rodriguez und Tarantino sind seit 10 Jahren befreundet. Mit und ohne Tarantino schuf Rodriguez Filmkunstwerke, die Sie, liebe Leser, als DVDs zu Hause in Ihrem Rodriguez-Schrein hüten und jeden Abend nach der Tagesschau als heilige Handlung in den Player schieben. Ganz vorsichtig, damit nichts kaputt geht.
Dann nehmen Sie Platz, knacken eine Dose mexikanischen Bieres, knabbern am halb aufgetauten, noch blutenden Hähnchenschenkel, legen den Arm um Ihre Chica, lehnen sich breitbeinig zurück, drücken auf die Taste Play und genießen:
Die Mexico-Trilogie (El Mariachi, Desperado, Once Upon a Time in Mexico, 1992-2003, jeweils Drehbuch und Regie)

Four Rooms (1995, Regie der Episode “The Misbehavers”)

From Dusk Till Dawn (1996, Regie)

Sin City (2005, Regie mit Frank Miller)

Death Proof (2007, Produzent)

Planet Terror (2007, Drehbuch und Regie)

Absolut geschmacks- und stilsicher. Nur echt mit diesem Zeichen: RODRIGUEZ. Und jetzt spielt er auch noch Gitarre.
Was für ein Glück!
Rodriguez gründete Chingon (mexikanisch für Bad Ass oder Bitchin), um den Soundtrack für Once Upon a Time in Mexico einzuspielen. Er holte sich u.a. Musiker der texanischen Spanisch-Rock-Band Del Castillo, der HeeBeeJeeBee’s und der Bob-Schneider-Band. Und Salma Hayek, die Schlangenstreichlerin aus From Dusk Till Dawn:

Chingon spielen einen umwerfend fröhlichen, sehr lauten und harten Mix aus Rock’n'Roll und traditioneller mexikanischer Mariachi-Musik. Feurig, wild, zärtlich, übermütig. Eine Bande verfluchter Halunken mit prächtig bestickten Jacken und breitkrempigen Hüten. Balzende Bengel, die vor Spielwut platzen und wie im Rausch um die wunderschöne Salma tänzeln. Jeder will sein Solo, und jeder kriegt sein Solo.
Rodriguez’ Band liefert alles, was der Europäer von mexikanisch inspiriertem Rock erwartet: Tief und rau schmetternde Machos, deren heißblütiger Gesang fast jodelnd in die Kopfstimme kippt; rasant gezupfte Spanische Gitarren; fiebrige, bis zur Griffbrettwichserei geprügelte, effektverzerrte Metal-Gitarren; schrille Trompeten, hallende Glocken, eine dröhnende Orgel, ein einsamer Ennio-Morricone-Pfeifer, kreischende Groupies, eine schmachtende Salma … Himmelherrgott, was für eine grandiose Musik!
Als Europäer muß man ja vorsichtig sein, um sich bei traditioneller Musik anderer Kontinente nicht zum Idioten zu machen. Was man hier als typisch mexikanisch zu kennen glaubt, kann in Mexiko schallendes Gelächter erzeugen. Vielleicht gelten Chingon in Lateinamerika als mexikanische Version von Marianne und Michael. Wir wissen es nicht.
Aber angenommen, das wäre der Fall: In einem Land, das solche Mariannen und Michaels besitzt, müssen glückliche Menschen leben.
Freunde der gepflegten Filmmusik kennen Chingons Version des Traditionals Malagueña Salerosa von Tarantinos Soundtrack zu Kill Bill Vol. 2. Und die Liebhaber hiesiger Schlagerkunst erfreuen sich an mindestens zwei Songs: Am Revolutionslied Cukarocka, das auf jedem deutschen Dorfkarneval unter dem Titel La Cucaracha verbraten wird, und an Cielito Lindo, das Heino in “Ay, Ay, Ay, Ay, Carneval in Rio” eindeutschte.
Die Tage werden kürzer. Bald ist Weihnachten. Kaufen Sie alle CDs von Chingon, die Sie finden können, und verschenken Sie sie an nette Menschen, denen Sie gewogen sind. Sie gründen Freundschaften für die Ewigkeit.
Den anderen werfen Sie eine Best Of Heino in den Briefkasten.

Robert Rodriguez als Member of Chingon.
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