DubXanne: Police in Dub

Geschrieben von messitschbyburns am 06. August 2008 | Hörsturz, Seeed/Peter Fox


DubXanne
“Police in Dub”
(p) 2008, Echo Beach

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Dub-Puristen, bitte weitergehen. Für euch gibt es hier nichts zu sehen. Auf das nervige Gehabe der Hüter des reinen Dub möchten wir verzichten. Police in Dub ist auch Police in Reggae, Police in Ambient, Police in Dancefloor und Police in Lounge. Aber irgendwie muß das Kind heißen. Also: Police in Dub.

Bevor wir es vergessen: Das Sonderlob der Redaktion geht an Echo Beach. Seit Jahren produziert und finanziert das Hamburger Label eine Dub-CD nach der anderen. Die vorzügliche 12-teilige Low-Price-Serie King Size Dub steht vermutlich in viel zu wenigen heimischen Regalen, um sich für das Label rechnen. Auf rätselhafte Weise schafft es Labelchef Nicolai Beverungen trotzdem, über die Runden zu kommen und neben Stewart Copeland und Sista Gracy solch herrlichen Blödsinn wie die Kung Fu Fighting-Remixe zum 30. Geburtstag (2004) des einzigen Hits von Carl Douglas herauszubringen. Wir ziehen respektvoll den Hut und wünschen maximale Umsätze.

Zurück zu DubXanne.

The Police bildeten vor 20 Jahren das perfekte Amalgam aus Dub, Reggae und Pop. Mit dem absoluten Gespür für den richtigen Sound zur richtigen Zeit. Erst die hirnerweichenden Weltrettungsphantasien von Sting verekelten die Band und verbannten ihre CDs nach ganz hinten. Dank medialer Omnipräsenz konnte man Police-Songs nicht mehr hören, ohne Stings gekräuselte Sorgenfalten am Stamm eines Baumes im tropischen Regenwald vor Augen zu haben; mit besticktem Stirnband über den Geheimratsecken und seinem grundgütigen Blick auf eine Schar halbnackter Indianerkinder.

Der durch den Sting’schen Overkill erzeugte Verdruß scheint sich noch nicht gelegt zu haben. Die als spektakuläre Reunion angekündigte Tour 2008 mußte eine Nummer kleiner gefaltet werden. In Leipzig zogen The Police vom Zentralstadion in die Messehalle 1 um, bei halbierten Besucherzahlen. Der Vorverkauf wurde mit dem Wort “schleppend” umschrieben.

The Police sind Geschichte. Ihre Songs nicht.

Eigentlich lag die Idee zu DubXanne in der Luft. Merkwürdig, daß noch niemand darauf gekommen ist. Für andere Metamorphosen wie Dub Side Of The Moon mußte das passende Dub-Gehäuse erst gedrechselt werden, weil das Original (Pink Floyds Dark Side Of The Moon) meilenweit davon entfernt war. The Police liefern den Dub frei Haus.

DubXanne ist der Projektname von Okada, der Backing-Band des Reggaekünstlers Zoe. Die Namen Okada und Zoe werden nicht allen Hörern etwas sagen. Egal. Wichtig ist nur, daß man weiß: Hier spielen Musiker, die wissen, was sie spielen. Leute vom Fach. Neben Okada gaben sich die Ehre: Eased (Seeed), Earl 16 (Dreadzone), Ranking Roger (The Beat), Big Youth, Jazz’min und Benjamin Zephaniah. Und viele andere.

Das Einverständnis zur Bearbeitung des Police-Materials gab Stewart Copeland persönlich. Er wird mit dem Ergebnis zufrieden sein. Die Transformierung von Klassikern wie Walking On The Moon, Roxanne, Can’t Stand Losing You und Message In A Bottle in groovende Dub-Downer ist mustergültig gelungen — obwohl DubXanne kein einziges Sample von Police benutzten (vermutlich: benutzen durften).

Jedes Soundschnipselchen, jeder Gesangspart, jeder Akkord, jeder Hall, jedes Echo und jeder Basslauf (auch der legendäre Bass in Walking On The Moon) wurden neu eingespielt — und klingen trotzdem wie von Police handgeklöppelt. Verblüffend.

Andererseits befreite die Nichtverwendung des originalen Materials von unnützen Zwängen. DubXanne interpretieren The Police sehr frei. Eased zerdehnt die Vokale in Roxanne mit unglaublich gelangweilter Noblesse, was eine unterschwellige, schwüle, unerfüllte Leidenschaft bollern läßt. In Message In A Bottle führt uns Earl 16 zurück zum Trance-Dub des guten alten Life, Love and Unity der guten alten Dreadzone. Der britisch-jamaikanische Poet Benjamin Zephaniah (Spirits In A Material World) spricht mit der tiefen, warmen Stimme eines altersweisen King Of Dub. Er ist aber kein King Of Dub, sondern nur ein guter Mensch. 2003 lehnte er die Auszeichnung Order of the British Empire ab, die ihm Bushkrieger Blair an die Brust heften wollte.

Nicht jeder Song behält seinen Leadgesang. Aus Can’t Stand Losing You, Once Upon A Daydream und Reggatta De Blanc formten DubXanne sehr relaxte Instrumentals. Und am Ende der CD blenden sie sich mit zwei sanften Liedern ganz langsam aus. Weniger Dub, mehr Ambient.

Der vorletzte Song Wrapped Around Your Fingers ist sehr smooth und soft. Eine unaufdringliche Jazzgitarre markiert ein kurzes Thema, unterstützt von weichen Keyboardflächen, einem perlenden E-Piano und der wundervollen, erotischen, knisternden Stimme der Sängerin Jazz’min. Danach besucht uns das Sandmännchen und spielt Bring On The Night. Instrumental, mit Spanischer Gitarre, einem verträumten Piano und der Dub-typischen Melodica.

Nach einer Stunde und acht Minuten sinken wir glücklich lächelnd in die Kissen und lauschen Jazz’mins Stimme nach, die noch immer feengleich durch den Raum hallt: I’ll Be Wrapped Around Your Dub.

Mit Vergnügen, Miss Jazz’min.

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