Am 10. Oktober 2007 wurde “In Rainbows” als freiwillig bezahlbarer Download auf der Website InRainbows.com veröffentlicht.
Am gleichen Tag zählten die Medienforscher von BigChampagne 400.000 Downloads der CD über Torrent-Netzwerke:

Bis zum 03. November 2007 summierte sich das “In Rainbows”-Sharing auf unglaubliche 2,3 Millionen.
Ab Januar 2008 stand “In Rainbows” als CD im Einzelhandel und stieg in den USA und Großbritannien auf Platz 1, in Deutschland auf Platz 8 der Charts. Die anschließende Welttournee war überaus erfolgreich.
Trotz oder wegen Torrent?
Die Vertreter der Musikindustrie sagen: 2,3 Millionen Downloads = 2,3 Millionen entgangene Verkäufe. Das ist natürlich Unsinn, auch wenn das Schöne an diesem Unsinn ist, daß die Damen und Herren ihren eigenen Unsinn glauben.
Fakt ist: Die 2,3 Millionen Downloads wurden zum mächtigen Marketinginstrument für Radiohead. Mehr kostenlose Publicity ist kaum möglich, vor allem in der computerverliebten Zielgruppe.
Zweitens scheinen sich im Internet Gewohnheiten zu verfestigen, die niemand mehr bekämpfen kann. Alle 2,3 Millionen Downloads hätten auch über InRainbows.com stattfinden können. Radiohead machte keine Preisvorgaben; wer nichts zahlen wollte, war auch willkommen.
Doch die Leute bevorzugten BitTorrent. Das kennt man, das ist zuverlässig, das besitzt einen guten Ruf. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier.
Die Musikindustrie wird das zur Kenntnis nehmen und — sicher unter größten Schmerzen — umdenken müssen: Wenn du einen Gegner nicht besiegen kannst, mußt du mit ihm kooperieren.
Möglicherweise passiert das schon. Die US-Band Buckcherry mokierte sich darüber, daß ihre neue CD auf Torrent-Seiten verfügbar ist, obwohl der offizielle Verkauf erst am 16. September starten soll. Doch in der Pressemitteilung vergaß die empörte Band nicht, mehrmals auf die Torrent-Verfügbarkeit ihrer CD hinzuweisen.
Das erschien den Betreibern von TorrentFreak merkwürdig. Mit Glück und Geschick fand man heraus, welche Person hinter den ersten Seeds steckte (d.h., wer das komplette Album nur verteilt, aber nicht heruntergeladen hat). Man schickte ihr eine Mail, verglich die Daten der Antwort mit den zuvor gefundenen IP-Adressen, und siehe: Sie gehörten dem Buckcherry-Manager.
Womit nicht bewiesen ist, daß er das Album in die Torrent-Seiten pflanzte. Wir wollen ja nicht die IP-Sippenhaft der Musikindustrie kopieren.
Es ist aber auch nicht auszuschließen, daß der Manager einen zaghaften Versuch wagte, Torrent als Marketingmaschine zu benutzen. Inspiriert von Radiohead.
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