Dresden Chainsaw Massacre

Geschrieben von messitschbyburns am 16. Januar 2008 | Dresden/Brücke


Es ist vollbracht. Gestern vollstreckten Baumfäller im Auftrag der sächsischen Landesregierung das Todesurteil über eine mehr als 200-jährige Rotbuche, die angeblich zersägt werden mußte, um Platz für den Bau des Dresdner Brückenmonsters zu schaffen.

Eine sächsische Dreifaltigkeit aus CDU, FDP und ADAC macht Druck. Sie will endlich Beton in die Elbauen kippen. Ihr sitzt die Angst im Nacken — Ende Februar läuft die bindende Wirkung des Bürgerentscheids aus. 2005 ließen sich 34,5 Prozent der stimmberechtigten Dresdner (also nicht die absolute Mehrheit) mit einem manipulativen Stimmzettel zum “Ja” für den Bau der Waldschlößchenbrücke austricksen: Weder durften sie zwischen der Alternative “Brücke” oder “Tunnel” wählen, noch wurde die mögliche Konsequenz der Aberkennung des Welterbetitels durch die Unesco thematisiert.

Zu viel Klarheit tut nicht gut, werden sich auch die zugereisten Schranzen am Hofe der Königsattrappe Milbradt gedacht haben. Denn sie profitieren von der Waldschlößchenbrücke. Ihre Villen stehen am anderen Elbufer — genau dort, wo die Brücke andockt. Was für ein glücklicher Zufall! Und ebenfalls rein zufällig ging die Initialzündung zum Brückenneubau von ihren Schreibtischen aus. Obwohl sie wußten, daß der Verkehr in Dresden seit Jahren rückläufig, der Nutzen der Brücke für die Allgemeinheit also fragwürdig ist. Aber pssst! Nicht verraten!

Sollten bis Ende Februar 20.000 Dresdner für einen neuen Bürgerentscheid unterschreiben, könnte sich das Blatt doch noch sehr böse gegen Milbradt wenden. Der rüpelte im März 2007, der Verlust des Unesco-Titels sei für Dresden verkraftbar. Durchaus möglich, daß die Dresdner inzwischen ihr Welterbe höher schätzen als die geplante Konjunkturspritze für die sächsische Baustoffindustrie.

Dann müßte der Beton wieder aus dem Elbtal gerissen werden. Wenn es den Claqueuren um Milbradt aber gelingt, schnellstmöglich einen Point of no return zu schaffen und so viel Beton und Geld zu verballern, daß ein Abriß aus haushaltspolitschen Gründen ausgeschlossen ist, wären Milbradt zwei Einträge im Kleinen Dresdner Geschichtsbuch sicher: Als sächsischer GröMaZ, der das Elbtal dank seiner megalomanischen Herrlichkeit für lange Zeit ruinierte, und als dilettierende Marionette, die an den Fäden ihrer eigenen Lakaien hampelt, weil sie zufrieden ist, daß sie überhaupt noch hampeln darf.

Die sächsische Posse wird exakt 90 Jahre nach der Abdankung des letzten Königs Friedrich August III. gegeben. Darauf einen abgestandenen Kalauer: Monarchie ist machbar, Herr Nachbar.

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Diese Rotbuche wächst und gedeiht. Außerhalb Sachsens.

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Diese Rotbuche überlebte alle sächsischen Könige.
Nur Ihro Gnaden Milbradt nicht.

Foto (c) by Alexander Fuhrmann

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