Am Montag Morgen, Punkt 7:00:00 Uhr, kreischte vor dem Portal unseres Verlagshochhauses ein schrilles Etwas. Wir dachten an ein frisiertes Moped und warteten, daß es weiterfuhr. Es fuhr aber nicht.
Wir öffneten das Fenster, standen im höchstfrequenten Getöse und sahen, daß kein zweiter Friedrich Merz am Gashahn seines Mopeds spielte, sondern ein Bauarbeiter seine Asphaltsäge bediente. Er schnitt vier Rillen in die Straße, stellte die Säge ab, wuchtete einen Preßlufthammer vom Bauwagen und begann, bis zur Mittagspause zu hämmern:

Wir erinnerten uns spontan an ihre Aktion Gartenschlauch und liebäugelten für eine Sekunde mit dem Gedanken, dem guten Mann einen Eimer kalten Wassers auf den Kopf zu gießen und ihm zuzurufen: “Schönen Gruß von Klaus Uwe!”
Doch dann schlossen wir das Fenster, brühten eine Tasse vom aromatisch duftenden Mocca Fix Gold, rührten einen Schuß Immergut (10%) hinein und dachten nach. Warum reagierte Klaus Uwe so unwirsch? Er läßt doch sonst alles an sich abprallen.
Als Juso-Vorsitzender wurde er 1977 aus der SPD rausgeworfen, weil er für die Genossen zu weit links stand. Er mußte sich sechs Jahre bewähren, bevor er wieder heimkehren durfte in die Partei. Da hätte mancher gegrollt — nur Klaus Uwe nicht.
Von früheren Genossen durfte er sich anhören, das bestgekleidete Stück Seife in der SPD zu sein. Auch das glitschte an Klaus Uwe ab.
Seine Karriere in der SPD verlief holprig. Doch Klaus Uwe hat sich nie beklagt.
Warum nur verliert ein in sich ruhender Mann wie Klaus Uwe Benneter die Fassung? Im Geist durchliefen wir alle Stationen seines Lebens — und stießen immer wieder auf drei Buchstaben: SPD.
Das mußte es sein. Die deprimierenden Umfragewerte, die Flucht der Mitglieder, der Verlust des Status’ einer Volkspartei, die neue linke Konkurrenz, die Regierungsunfähigkeit im Bund, die Wahlniederlagen in den Bundesländern, kurz: Der Niedergang der SPD läßt auch das härteste Stück Schmierseife flutschig werden.
Wenn man dann nächtelang mit dem Schlaf ringt, die trüben Gedanken nicht verscheuchen kann, den Vorstand der SPD schon um ein Beitrittsgespräch bei den Linken bitten sieht und mitten in diesen apokalyptischen Schreckensbildern Bauarbeiter ihren kakophonischen Lärm anstimmen — dann müssen die Nerven einfach durchgehen.
Rudi Carrell hatte recht: Schuld daran ist nur die SPD. Wie froh sind wir, kein SPD-Mitglied zu sein.
Deshalb raten wir Ihnen: Treten Sie aus. Dann klappts auch mit den Nachbarn.
Mit therapeutischen Grüßen
Messitsch by Burns
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