Fleet Foxes: Fleet Foxes

Geschrieben von messitschbyburns am 19. August 2008 | Flops der Saison


Fleet Foxes
“Fleet Foxes”
(p) 2008, Sub Pop Records

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In der Liste der Flops der Sommersaison 2008 souverän auf den Plätzen 2-4: Fleet Foxes.

1983 feierte Paul Young seinen großen Hit: Come Back And Stay. Kaum hat man das verdrängt, kommt sein Epigone Robin Pecknold um die Ecke und schmachtet uns mit verstopften Nasenlöchern und zugeschnürtem Kehlkopf an. Wie Paul Young 1983. Das Böse stirbt eben nie.

Die Fleet Foxes sind eine sehr junge Band aus Seattle. Robin Pecknold ist ihr Sänger und musikalischer Kopf. Als Einflüsse auf seine Musik zählt er auf:

“The Beach Boys, Simon & Garfunkel, The Zombies, Joni Mitchell, Fairport Convention, Steeleye Span, Love, Marvin Gaye, Bach, Crosby Stills & Nash, Bob Dylan, Buffalo Springfield, and every other perennial ‘60s band you’d expect to find in the record collections of baby boomers.”

Außerdem Gentle Giant, Kansas, die Beatles und das Mittelalter. Und mit Edvard Griegs In the Hall of the Mountain King auch ein bißchen Klassik.

Nichts gegen Satzgesang, Hippie-Glück und die Plattensammlung der Eltern. Popmusik erfindet sich nicht täglich neu. Auch die zitierwütigste Hingabe an die Helden von Gestern kann sich zur puren Freude hochschaukeln.

Was aber die Fleet Foxes produzieren, ist akademische Kunstsingerei für das entzückte Feuilleton. Ein paar gängige Melodien zum Fußwippen, ein exotisches Instrumentarium (u.a. Flöte und Zither), einige a cappella gesungene Nummern und das obligatorische quasi-religiöse, gospelige Schluchzen sind ganz nett. So nett wie die musikalische Untermalung der Einkaufsberatung im Kaufhallenfunk: “Liebe Rentner, heute für Sie im Angebot…”. Muzak eben.

Eigentlich öffnet mehrstimmiger Satzgesang das Herz und füllt es bis zum Rand mit glückstrunkener Freude und strahlendem Sonnenschein. Eigentlich. Die Fleet Foxes singen mehrstimmig, aber sie singen wie solide Handwerker. Sie eifern ihre Vorbildern nach, imitieren und analysieren sie und erkennen nicht den Unterschied zwischen Manierismus und Inspiration. Die Musik der Fleet Foxes ist matt, künstlich beatmet, ohne Feuer und Seele.

Man hört sie, schaut immer wieder auf die Uhr und sortiert in Gedanken die CDs jener Bands, die wie übergroße Schatten hinter den Fleet Foxes stehen und die man auflegen möchte, sobald deren 47 Minuten abgelaufen sind.

Bedenklich ist weniger das Zitieren, sondern das so tun, als ob man eigene Songs erfindet. Paul McCartneys kryptisches Can You Take Me Back, das auf dem Weißen Album an Cry Baby Cry angehängt ist, wird von den Fleet Foxes dezent in Oliver James umgestrickt. In Mykonos taucht eine Kopie der CSNY-Hymne Chicago auf. An anderer Stelle verbraten sie das perlende Gitarren-Intro von KansasDust in the Wind. Der bedauernswerte Edvard Grieg gefällt ihnen so gut, daß er für zwei Songs herhalten muß.

Aber selbst das sklavische Klebenbleiben an den hochverehrten musikalischen Vorfahren wäre noch verzeihlich. So gut wie alles läßt sich schönhören, wenn man es nur oft genug hört.

Doch die Stimme. Diese grauenvolle, quengelnde, tropfnasige Paul-Young-Stimme. Die ist nur erträglich, wenn man auf eine Renaissance der 80er Jahre hofft. Das will wirklich niemand.

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Von links nach rechts:
The Beach Boys, Simon & Garfunkel, The Zombies,
Joni Mitchell, Fairport Convention, Steeleye Span,
Love, Marvin Gaye, Bach, Crosby Stills & Nash,
Bob Dylan, Buffalo Springfield.

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