Blogger stinken [amüsantes BOF-Update]

Geschrieben von messitschbyburns am 18. August 2008 | Berliner Zeitung, Blogs


Die kleine süße Blogger-Schelte auf SPON findet einen amüsanten Trittbrettfahrer. Josef Schnelle vom Verband der deutschen Filmkritik (sagenhafte 300 Mitglieder, Jahresbeitrag 36 Euro, Aufnahmeritual wie in der SED — zwei Bürgen sind Pflicht) rastet in der Berliner Zeitung verbal aus:

“Auch bei uns baut sich im Netz eine Gegenwelt der Blogger auf, deren sprachliches und intellektuelles Unvermögen der ‘Spiegel’ jüngst aufspießte.”

Köstlich. Das Wort “aufgespießt” ist so herrlich old-fashioned. Da weiß man sofort: Hier spricht Opa.

“In den deutschen Blogs herrscht der Warentest: Daumen hoch - Daumen runter. Tausende Blogger greifen die Filmkritik an. Jeder kann ein Kritiker sein. Doch neue Kinotrends werden so niemals entdeckt.”

Köstlich, köstlich. Tausende Blogger machen den 300 Schreibknechten der Filmindustrie das Leben sauer. Opa Schnelle versteht die Welt nicht mehr. So was hat’s doch früher nicht gegeben. Das Leben als Boring Old Fart kann wirklich verdammt hart sein.

“Tatsache ist: Ein Teil des Kulturjournalismus in Print und Radiomedien wird verschwinden, weil es immer mehr ebenso kosten- wie verantwortungslose, zudem meinungsschwache Angebote der Blog-Amateure geben wird.”

Köstlich, wirklich köstlich. Kulturjournalismus — das klingt wie ein Dreiklang aus Titan Kahn, Kulturbeutel und Adiletten. Oder wie Kulturbanause. Auch so ein Wort aus der guten alten Zeit.

Der BOF stemmt sich gegen das Automobil, weil sein Broterwerb als Droschkenkutscher ausstirbt. Er hat nur gelernt, “Hü” und “Brrr” zu rufen. Sprachlich und intellektuell unvermögend. Armer alter Opa.

“Das Kino braucht die Filmkritik. Auf Blogs kann es verzichten.”

Köstlich hoch drei. BOF befiehl, wir folgen.

Das Kino braucht also Filmkritik. Vor allem solche wie diese peinliche und blamable Vorstellung der Filmexperten der Berliner Zeitung.

Und es kann auf Blogs verzichten. Sagt Opa Schnelle.

Was aber, wenn die Blogger nicht freiwillig verzichten wollen? Dann fiele uns nur die Wiederbelebung der Reichsschrifttumskammer ein. Deren Zweck bestand in der Freihaltung des Schrifttums von ungeeigneten und unzuverlässigen Elementen. So könnte es klappen mit dem freiwilligen Blog-Verzicht.

Blogs sind ein “Netzversteck, in dem sich hauptsächlich Dilettanten und Abschreiber herumtreiben.”

Köstlicher geht es wirklich nicht.

Sein Busenfreund Rüdiger Suchsland, der mit Opa Schnelle als Dick und Doof über drittklassige Filmfestivals tingelt, treibt sich liebend gern im Netzversteck herum. Auf Telepolis kann er ungefiltert jede einzelne seiner sprachlich und intellektuell unvermögenden, um rassistische und faschistische Unterstellungen angereicherten Schreibblasen veröffentlichen. Nach Opa Schnelles Diktum müsste man auch Suchsland zu den Dilettanten und Abschreibern sortieren.

Köstlich, fürwahr. Wir würden nicht dagegen protestieren. Ob aber Suchsland damit einverstanden wäre?

Na, Opa? Denkst du noch, oder schläfst du schon?

schnelle_riemann_s.jpg

Opa Schnelle hat Probleme mit der Verdauung.
Katja Riemann wendet sich diskret ab.

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