Propaganda an der Medienfront

Geschrieben von messitschbyburns am 16. August 2008 | Berliner Zeitung, Russland vs Georgien


Inzwischen hat sich auch das Feuilleton der Berliner Zeitung positioniert und schwenkt im Kaukasus-Konflikt auf den Kurs “Böser Russe — guter Georgier” ein. Das war zu erwarten.

Nicht zu erwarten war, daß die pro-georgische Kampfgruppe des Feuilletons noch dümmlicher agiert als der Tagesspiegel — bei dem man sowieso enttäuscht wäre, würde er nicht gegen Russen hetzen.

Tatsächlich, es geht noch dümmer als beim Tagesspiegel.

Die Berliner Zeitung läßt eine intellektuelle Nachwuchskraft zu Wort kommen, die in Georgien geboren wurde und nach Maßgabe der Redaktion für ganz Georgien spricht. Oh Gott, welche Anmaßung.

Nino Haratischwili, 1983 geboren, studierte in Georgien und anschließend in Hamburg Regie. Sie lebt seit 2003 in Hamburg und verbringt nur noch ihre Ferien in Georgien. Viel mehr gibt es über sie nicht zu berichten.

Frau Haratischwili rasiert sich in der Berliner Zeitung einen Sermon von der Wade, bei dessen Lektüre man überlegen muß, ob man lachen oder weinen soll. Was für ein Geschwafel.

Allein die Überschrift ist so lächerlich, daß es in der Milz zwickt:

“Ein Kriegstagebuch aus der georgischen Hauptstadt”

Ein Kriegstagebuch wird vom kämpfenden Heer geführt. Frau Haratischwili war Touristin. Natürlich könnte sie auch als Touristin notieren, wie sie die Stunden während der Invasion georgischer Truppen in Südossetien bei Wein und Zigaretten verschunkelte. Dann müßte sie zumindest — wir erinnern uns an das großspurige Wort “Tagebuch” — Datum und Uhrzeit benennen. Doch Frau Haratischwili liebt das Ungefähre:

“Als ich in Tiflis in den Innenhof zu meiner Wohnung biege […]”

Den Verweis auf dümmstes Dummdeutsch verkneifen wir uns. Aber nicht die Frage: Wann ist “als”?

“Die letzten fünf Tage haben die Gesten und den Tonfall verändert […]”

Welche fünf Tage? Gibt es ein Datum? Wenn nicht — warum nennt man diesen Schmonz “Tagebuch”?

Und dann zieht Frau Haratischwili vom Leder:

“Wir haben sogar Fremdsprachen gelernt […] Als wir den Austritt aus der zerfallenden Sowjetunion verlangten […] Wir erinnern uns […] Wir erinnern uns […] Wir erinnern uns […]

Wer ist “wir”? Alle 4.646.003 Georgier? Nur die Jugend? Die ganze Jugend? Die männliche oder die weibliche Jugend? Welcher Jahrgang? Wer hat Sie, Frau Haratischwili, autorisiert, im Plural zu sprechen und Georgien für sich zu vereinnahmen?

Glauben Sie, sich mit ihrem verquast-pathetischem Rührstück zur Stimme Georgiens inszenieren zu können? Und sind Sie wirklich so beschackert, daß Sie annehmen, jeder Georgier würde Ihnen zustimmen?

Wenn Sie das nicht glauben, warum verheben Sie sich dann und schreiben “wir”, wo ein bescheidenes “ich” geboten wäre?

Kennen Sie die Geschichte von Jana Hensel? Diese sogenannte Frau (man weiß nicht, ob sie wirklich weiblich ist; rein optisch würde man es nicht beschwören) gefiel sich vor vielen Jahren in einer ähnlichen Rolle. Sie ließ Papier bedrucken, zu einem Buch binden und auf den Umschlag schreiben: “Wir Zonenkinder”. Fragen Sie mal nach ihrem Werdegang, Frau Haratischwili. Fangen Sie beim Spiegel an. Fragen Sie sich nach unten durch. Seien Sie auf das Schlimmste gefaßt. Sie blicken in Ihre Zukunft.

Bleiben wir beim “Kriegstagebuch”. Als Beobachter vor Ort wissen Sie sicher manches Detail zu berichten, von denen der deutsche Medienkonsument nichts erfährt. Hintergrundinfos aus erster Hand.

Das interessiert uns wirklich. Wir sind ganz Ohr:

“Manche sprechen von russischen Panzern vor Tiflis, manche sagen, es sei unsere Armee, die uns schütze. Manche sprechen davon, dass der Internationale Flughafen bombardiert werden soll. Manche sprechen von einer Blockade. Und manche fürchten sich davor, dass es in den Läden bald kein Essen mehr zu kaufen gibt. Manche schweigen einfach nur und leben von Stunde zu Stunde, von einer Nachrichtensendung bis zur nächsten.”

Oh. Mit anderen Worten: Sie wissen nichts. Überhaupt nichts. Null. Sie wissen weniger als Ulli Zelle, unser Mann vorm Café Kranzler.

Was, um Himmels willen, soll dann ihre aufgesetztes Gefasel? Wollten Sie sich nur dicke machen?

Ich, die Georgierin, war Zigaretten holen und hörte einen Knall, irgendwie, irgendwo, irgendwann. Und dann haben wir laut gelacht, weil wir “im Land des lauten und zügellosen Gelächters” leben.

“Es erscheint mir unfassbar, das all das hier wirklich geschieht: in Georgien, in einem Land, in dem Gastfreundschaft heilig ist, in dem man mit Wein und Gesang alle Konflikte ausräumen kann.”

Piep piep piep, wir ham’ uns alle lieb? Ausgerechnet Georgien wird als ideales Paradiesgärtchen gepinselt? Heiliger Himmel! Zu hülf, ihr Götter!

“Georgien ist müde. Georgien will einfach nur seinen Frieden.”

Der einfachste Weg für Georgien, Frieden zu finden, ist der Bruch des Völkerrechts und der Einmarsch georgischer Truppen in Südossetien. Das ist klar wie Kloßbrühe. Da wird Ihnen niemand widersprechen.

“Wir müssen Fehler machen dürfen und aus unseren Fehlern lernen können, ohne Angst zu haben, dass man uns gleich okkupiert.”

Dürfen wir erfahren, wer Georgien okkupieren will? Zitat Wikipedia: “Bei einer Okkupation oder Besatzung/Besetzung wird in einem bevölkerten Gebiet die vorhandene Staatsmacht durch einen externen Machthaber auf dessen Initiative durch die seinige ersetzt.”

Bitte sehr: Wer will den kriegsbegeisterten Herrn Saakaschwili ersetzen? Wer soll an seiner statt regieren? Niemand? Warum schreiben Sie dann gequirlten Quark, Frau Haratischwili?

“Überall russische Panzer […] am russischen Militär zerbrochen […] die russischen Panzer in Georgien […] die russischen Panzer […] von russischen Panzern […] dass Russland wieder zu seinem einstigen Imperialismus zurückkehren will […] von den Russen kontrolliert […] ohne russische Panzer […]”

Daß Sie die Russen nicht ausstehen können, haben Sie über viele Zeilen ausführlich geschildert. Ist Ihnen noch nie durch den Kopf gegangen, daß diese Abneigung auf Gegenseitigkeit beruhen könnte? Oder lesen Sie Ihre eigenen Texte nicht?

“Alle versuchten ihr Leben zu meistern, was auch ohne russische Panzer nicht einfach ist - nach 70 Jahren Kommunismus und 15 Jahren Chaos.”

Kommunismus? In echt? Wo? Sagen Sie jetzt nicht: In der Sowjetunion. Sie sind zwar nicht sehr helle, aber für so bekloppt würden selbst wir Sie nicht halten.

“Wir erinnern uns an die Rosenrevolution und die ganzen Umwälzungen, die darauf folgten. Sie waren nicht ohne Fehler und immer noch fern von europäischer Demokratie. Aber es waren unsere Umwälzungen. Ohne Nachhilfe von russischen Panzern.”

Na na, Frau Haratischwili. Jetzt lügen Sie sich aber ein bißchen in die Tasche. Die sogenannte Rosenrevolution war Ihre Umwälzung? Selbst geschafft aus eigener Kraft?

Schauen Sie mal, was die INSM-Posaune Spörl schreibt:

“Die Revolutionen in der Ukraine und in Georgien, Nachklänge des revolutionären Herbstes 1989, fanden mit gütiger Hilfe und Nachhilfe amerikanischer Stiftungen und Think Tanks statt.”

Ohne Placet der USA wäre kein einziges Flugblatt gedruckt worden. Das wußten wir schon vorher. Nichts für ungut, Frau Haratischwili.

“Ja, wir lachen noch.”

Wir auch, Frau Haratischwili. Wir auch.

nayirah_s.jpg

Propaganda, die die Welt veränderte:

Die 15jährige Kuwaiterin “Nayirah” berichtete am 10. Oktober 1990 vor dem US-Kongreß über Gräueltaten irakischer Soldaten während der irakischen Kuwait-Invasion (1990). Sie erklärte, gesehen zu haben, daß irakische Soldaten in der Entbindungsstation des Al-Adnan-Krankenhauses in Kuwait-Stadt kuwaitische Babys aus ihren Brutkästen gerissen und zu Boden geworfen hätten.

Später stellte sich heraus, daß die angebliche “Nayirah” die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA, Saud Nasir al-Sabah, ist.

Die irakischen Gräuel waren eine Erfindung der PR-Agentur Hill & Knowlton im Auftrag einer kuwaitischen Organisation. Das Honorar betrug 10 Millionen US-Dollar.

Der US-Senat stimmte am 12. Januar 1991 mit 52 zu 47 Stimmen für einen Krieg gegen den Irak (Zweiter Golfkrieg)

Diese höchst professionelle Propaganda steht mit Nino Haratischwili in keinem personellen oder inhaltlichen Zusammenhang. Im Kontext der Instrumentalisierung der Medien für die einseitige Parteinahme zugunsten einer Kriegspartei war jedoch die Lüge des Mädchens “Nayirah” ein Donnerschlag, um hellhörig zu werden, wenn emotional aufgepolsterte Zeugen auftauchen, die angeblich aus dem Auge des Taifuns berichten — mit der Absicht, uns auf ihre Seite zu ziehen und auch bei uns Haß zu säen gegen den Feind. Gegen ihren Feind, nicht unseren Feind.

2 Kommentare ↓

#1 Robert Cohn am 26.09.10 um 20:03

Ach Herr Messitschbyburns, warum sind Sie denn nur so ein alter Sack? Warum nur tun Sie sich damit wichtig, auf einer jungen Frau mit schwarzen Haaren herumzuhacken, bloß weil die halt Literatur schreibt, sie Sie politischer- und russenwichtigerseits halt als solche ablehnen & unverstehen wollen? Im Ernst, Sie sind innen drin doch weder Sack noch ein alter. Aber Sie tun so wie einer. Warum? Wegen des Herbsts und aus Biermangel? Oder wollen Sie dem Breschnjew oder dem Jelzin ähnlich sehen, so aus Mangel und aus Daffke und wegen Russenwichtigkeit? Ah wah. Machen Sie’s lieber nicht. Lesen Sie lieber mehr Literatur, das wird Ihnen guttun, selbst wenn Sie’s nicht verstehen. Und seien Sie weniger Sack - das wird Ihnen stehen, Sie Sack.

#2 admin am 27.09.10 um 16:32

Äh … Herbst?

“Geschrieben von messitschbyburns am 16. August 2008″

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