CSS: Donkey

Geschrieben von messitschbyburns am 19. August 2008 | Flops der Saison


CSS
“Donkey”
(p) 2008, Sub Pop Records

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In der Liste der Flops der Sommersaison 2008 souverän auf den Plätzen 6-9: CSS.

Um das aktuelle Gesumse um das brasilianische Gute-Laune-Kollektiv CSS und ihre CD Donkey zu verstehen, muß man ihre erste CD Cansei de Ser Sexy (= CSS = Tired of being sexy) aus dem Jahr 2006 kennen.

CSS wurden im Jahr 2003 in São Paulo als reiner Joke unter Freundinnen gegründet. Die Legende flüstert, daß sie sich anriefen, verabredeten und musizierten — ohne ein Instrument spielen zu können. Dank Casio wäre das sogar möglich.

Für alle Fälle nahm man einen Profi an Bord: Adriano Cintra ist 10 Jahre älter und 100 Jahre erfahrener als seine Kücken. Der Produzent und Multiinstrumentalist spielte bei CSS Schlagzeug und wechselte nach dem Ausstieg von Iracema Trevisan an den Baß. Gerüchten zufolge soll er die Bandgründung initiiert haben, doch nichts Genaues weiß man nicht.

Das Debüt Cansei de Ser Sexy war fröhlicher Electro-Pop. CSS drückten wild auf den Knöpfen ihrer Plastik-Computer herum: Baß, Drum, Rhythmus und jede Menge Handclapping. Lovefoxxx zog sich enge glitzernde Hosen an und sang laszive Texte. Vermutlich kann nur so unbekümmert drauflosspielen, wer nichts erwartet; erst recht keinen Ruhm.

Doch der kam, und zwar doppelt. Ihr Song Music Is My Hot Hot Sex gefiel den hochbezahlten Kreativen der hochdotierten Werbebranche so gut, daß sie ihn 2006 für eine Kampagne benutzten, um Microsofts Totgeburt Zune zu promoten.

Ein Jahr später hatte die Werbeagentur von Apple eine Inspiration und warb für den iPod Touch — mit Music Is My Hot Hot Sex. Hochleistungshirne aus der Werbebranche.

Zwei andere Songs wurden in Computerspielen untergebracht. Insgesamt verkaufte sich das Debüt passabel. Man hörte die CD, lachte vergnügt über die albernen Spinnereien und wartete gespannt auf den Nachfolger.

Die Spannung ist raus. Die quietschbunte elektronische Blödelei von CSS verkrampft auf Donkey zur stumpfen Computermusik mit Schlagzeug und Gitarre.

Erinnern Sie sich noch an Formel Eins mit Peter Illmann, Ingolf Lück, Stefanie Tücking und Kai Böcking? Haben Sie noch den Synthie-Pop im Ohr, der damals durch das Studio seuchte? Verfolgt Sie das grauenvolle Bui-Bui der Electronic Drum Kits, dieser Erfindung des Satans, im Traum? Wachen Sie schreiend auf, weil ihnen nachts schultergepolsterte neonfarbene Kleiderständer erschienen sind, die breit grinsend mit beiden Händen auf Synthesizern herumhacken und so tun, als machten sie Musik?

Dann wissen Sie, was Sie auf Donkey erwartet: Synthie-Pop von seiner finstersten Seite.

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Lovefoxxx kippt betrübt zur Seite:
Stock Aitken Waterman haben abgesagt.
Chinn und Chapman ebenfalls.
Das Leben kann so grausam sein.  

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