Der Wirtschaftsredakteur der Berliner Zeitung, Jakob Schlandt, ließ sich von den Lobby-Ludern des BIU (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware) instruieren und schrieb, wie es dem Verband gefällt:
Der Tod der Games Convention wäre überfällig (“Leipzig sei zu klein, die Stadt habe zu wenige gute Hotels und eine schlechte Verkehrsanbindung”); dafür würde auf der GAMEScom 2009 in Köln die Post abgehen (“Wir erwarten, dass wir bei der GAMEScom Zuwächse in allen Bereichen erzielen können”).
Im Artikel strahlt der BIU als gute Mutter der Spieleentwickler. Als ob die 12 Verbandsmitglieder, deren Sprecher nicht einmal die Einstimmigkeit des Beschlusses pro Köln bestätigen kann (was im Umkehrschluß bedeutet, daß es selbst unter diesen 12 Hanseln Gegenstimmen gab), irgend eine Legitimation besäßen, für etwas anderes als sich selbst zu sprechen.
Der BIU fungiert überwiegend als Transmissionsriemen seiner größten Mitglieder (wie Electronic Arts und Microsoft) zu ihren deutschen Ablegern. Mit Hilfe des BIU exekutieren die Vorstände ihre shareholder-fixierte Unternehmenspolitik auch in Deutschland. Dazu gehört, eine Hausmesse vor den Türen der deutschen Töchter zu organisieren und nicht jenseits der Demarkationslinie, wo nur Kosten, Kosten, Kosten für Flug, Übernachtung und das Haus am Wasserturm produziert werden. In Köln macht’s die Praktikantin umsonst.
Für den Fall, daß sich Leipzig mit einer kleinen GC 2009 wehrt und die Köln-Show nicht ganz so toll wird, diktiert der BIU ihrem dem netten Wirtschaftsredakteur eine Drohung in den Block:
“Umso ärgerlicher, dass die weltweit mitführende Spielemesse in Deutschland nun womöglich vor einer Zerreißprobe steht […]
Viele in der Branche befürchten, dass die Messe Leipzig nicht so schnell aufgeben wird und es im kommenden Jahr zwei Konkurrenten gibt, was manchen internationalen Anbieter vergraulen könnte - die haben dann schließlich doppelte Kosten und wissen nicht genau, wo sie effektiv Fachbesucher und Publikum erreichen werden.”
Der BIU klaut der Messe Leipzig Idee und Konzeption. Er gibt seinem Diebesgut den gegenüber Games Convention (abgekürzt: GamesCon) verdammt ähnlich klingenden Namen GAMESCom. Und dann schüttelt der BIU die Faust nach Leipzig und beschuldigt die dortige Messe, jene Branche zu spalten, die bis zum Auftritt des Kölschen Klüngels intakt war.
Das ist fast so ulkig wie Adenauer, der am Tag der Gründung der BRD die deutsche Einheit sprengte, aber die später gegründete DDR der Spaltung Deutschlands bezichtigte. Andererseits — auch Adenauer stammt aus Köln. Vielleicht gehört die Lüge zur Kölner Lebensart. Wir wissen es nicht.
Wir würden aber wetten, daß der dienstbeflissene Redakteur nicht mit “vielen in der Branche” gesprochen hat. Wir würden außerdem wetten, daß er ohne Hilfe von Google nicht einmal wüßte, wie viele Spieleentwickler es in Deutschland (geschweige denn, in Berlin) gibt.
Sich statt dessen vom BIU, der die Zerschlagung der Games Convention betrieben hat, widerstandslos die Argumente aufschwatzen zu lassen, die gegen die Games Convention sprechen, ist beinahe ein Zuckerguß auf der investigativen Recherche.
Was dürfen wir noch vom Wirtschaftsredakteur der Berliner Zeitung erwarten? Wir tippen auf einen Artikel über die kommerziellen Vorzüge des Walfangs, basierend auf der Infobroschüre des Leiters der japanischen Fischereibehörde.
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