Eine Randbemerkung unserer Kanzlerin:
“Kanzlerin Merkel zeigte sich auch für ein weitreichenderes Verbot von Gewaltvideos offen. Sie verwies dabei auf die von Jugendministerin Ursula von der Leyen geplante Sperrung von Kinderporno-Seiten im Internet. ‘Einfach nur mit der Freiheit des Internets zu argumentieren, wird uns letztlich auch nicht weiterhelfen’, sagte die Kanzlerin.”
Hat wirklich jemand geglaubt, die Bundesregierung wolle nur die Kinder vor sexuellem Mißbrauch schützen — und nicht das Internet zensieren?
Denn was ist ein Gewaltvideo? Snuff und Dolcett — oder auch das knapp dreistündige Watchmen-Blutbad? Das werden spannende Entscheidungen der Zensoren und unterhaltsame Klagen der Zensierten.
Dabei läuft zum Entsetzen von der Leyens nicht mal die Einrichtung der Kipo-Filter reibungslos. Die Vereinbarung der Provider mit der Bundesregierung “über die Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten im Internet”, die von der Leyen seit Mitte Januar 2009 durch die Gremien peitscht, wurde nun doch nicht unterzeichnet. Nicht, weil den Providern Bedenken gegen den Einstieg in die Internetzensur gekommen wären, sondern weil sie auf einem Gesetz bestehen, das sie vor juristischen Scherereien mit Betroffenen schützt.
Tröstlich für von der Leyen: Telekom und Vodafone würden eine Sperrverpflichtung unterschreiben. Ihnen fehlt nur das Gesetz.
Ausgerechnet auf Justizministerin Zypries muß man nun hoffen. Sie lehnt die Sperren ab. Zumindest bis zur Bundestagswahl.
Noch ein Nachtrag zum “Killerspiel“:
Die Polizei konnte nicht beweisen, daß sich Tim K. vor dem Suizid mit Counter-Strike auf Touren brachte. Schade, schade.
Aber man hat die Logfiles auf seinem Computer gelesen. Demnach startete Tim K. seinen Amoklauf nach einer Runde Far Cry 2.
Far Cry und Far Cry 2 sind die einzigen deutschen Computerspiele, die den Namen Computerspiel verdienen. Sie sind exzellent designt, besitzen eine enorme Spieltiefe, verkaufen sich weltweit und tilgen einen kleinen Teil der Schande, mit der sich Deutschland seit 15 Jahren dank unsäglicher — nur in Deutschland beliebter — Wirtschaftssimulationen und dem Moorhuhn-, Sumpfhuhn- und ähnlichem Stumpfsinn bedecken muß.
Die Far-Cry-Verkäufe sind respektabel. Far Cry setzte insgesamt ca. drei Millionen Einheiten ab, Far Cry 2 2,9 Millionen Einheiten.
Anfang März gab der Publisher Ubi Soft bekannt, daß zwei seiner Spiele mit dem BIU Sales Award für herausragende Verkaufserfolge im Bereich interaktive Unterhaltungssoftware ausgezeichnet werden: Far Cry 2 und Fallout 3.
Von knapp drei Millionen Käufern und einer unbekannten Zahl Filesharern, die sich an Far Cry 2 erfreuen, läuft einer Amok. Für die deutsche Politik ist das ein Grund, nach fetteren Verboten zu rufen.
Übrigens: In Fallout 3 wird auch geschossen.
1 Kommentar ↓
Schon ein paar Tage alt, ist aber egal:
http://www.graubrotblog.de/2009/03/14/unfassbar/
GvH
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