In Köln werden sämtliche Register gezogen, um Leipzig zu demoralisieren. Auf einer Pressekonferenz dankte das Plagiat dem Original für seine bisherige Arbeit und teilte mit, daß für Köln 2009 mehr als 120 Anfragen von Unternehmen vorlägen, darunter von nahezu allen Marktführern.
Solange Leipzig keine Zahl nennt, muß man von Null Anfragen für die GC 2009 ausgehen. Das wäre etwas wenig.
Bei der Vorstellung des Kölner Konzepts wurde Wert darauf gelegt, keinesfalls von Leipzig abgekupfert zu haben. Damit fand Köln die Quadratur des Kreises: Die Bestätigung des Plagiats durch die Zurückweisung des Vorwurfs, ein Plagiat zu sein.
Wenn Sie, liebe Leser, hinter jedem der folgende Sätze, die dem offiziellen Konzept Kölns entnommen sind, in Klammern die Worte “Wie in Leipzig” denken, wissen Sie, was wir meinen:
- Die Kölner Veranstaltung wird von Mittwoch bis Sonntag dauern.
- Auf der Messe sind Fachbesucher und normales Publikum zugelassen.
- Sowohl Intensiv- als auch Gelegenheitsspieler werden angesprochen.
- Mittwoch ist ausschließlich Fachbesuchertag.
- Aussteller dürfen keine Ware an das Publikum verkaufen.
- Auf der Messe sollen eSport-Wettkämpfe ausgetragen werden.
- Ein separates Business Center ist für Fachbesucher reserviert.
- Messegäste können auf einem Zeltplatz übernachten.
- Insgesamt werden ca. 200.000 Besucher erwartet.
Als Überraschungsei und endgültigen Beweis für die völlige Eigenständigkeit der Kölner Messe-Ideen wurde die Einbindung der Stadt Köln in die Computerspielmesse präsentiert. Die Besucher sollen quer durch die Stadt an vielen Orten spielen können.
Donnerschock.
Für diesen blitzgescheiten Einfall der Messe Köln empfehlen wir den Slogan “Köln spielt”. Die Nähe zu “Leipzig liest” (seit 1992 existent, zuletzt 1.900 Veranstaltungen in der Stadt und auf der Buchmesse) ist reiner Zufall. Daran glauben wir ganz fest.
Sollte Leipzig trotzdem an der GC festhalten, naht für Köln Hilfe von dritter Seite. Der Termin 9. bis 13. September 2009, an dem Köln messieren möchte, fällt exakt in die jährliche Inventur der beiden Giganten Media Markt und Saturn. Das spricht natürlich für die enorme strategische Weitsicht Kölns, wo man angeblich seit vier bis fünf Jahren an der Abwerbung der Messe knufft und in der ganzen Zeit nicht nachgefragt hat, wann die beiden wichtigsten deutschen Einzelhändler messsebereit sind.
Das Weihnachtsgeschäft müssen Media Markt und Saturn vor der Inventur im Sack haben. Unter anderem deshalb fand die GC im August statt. Ohne Media Markt und Saturn geht es nicht.
Was tun? Media Markt und Saturn könnten ihre Inventur verschieben. Das ist unwahrscheinlich. Oder Köln verlegt den Messetermin. Zum Beispiel auf den 19. bis 23. August 2009. Dann wäre die GC endgültig platt. Köln könnte ganz unschuldig gucken und die Schuld auf die beiden Dickschiffe schieben.
Am Rande kam noch ein nettes Detail ans Licht. Köln bemüht sich, für Frühbucher Kontingente bezahlbarer Hotel- und Privatzimmer zu blocken. Das heißt nichts anderes als: An Luxusbetten für das Management unserer BIU-Member mangelt es nicht mehr, dafür an erschwinglichen Kemenaten für das Fußvolk.
Die Reaktion der Kölner Hotelbesitzer auf den Wunsch der Messe nach einem Kontingent bezahlbarer — also preiswerter — Zimmer zur Messezeit dürfte interessant werden.
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